Ein sehr persönliches Buch, das auch eigene Blicke eröffnet, ein Reisebericht, der auch Reiseführer ist.
Mir hat es sehr gefallen und ich empfehle es unbedingt weiter!
Die Reise beginnt mit vergeblichen Grenzübertrittsverhandlungen und mit uneinsichtigen chinesischen Beamten und führt dann statt einer Reise durch Tibet mitten nach Nepal.
Das ist das eigentliche Abenteuer: nicht die Reise zu führen, die man vorhatte, sondern eine andere, unverhoffte.
Um es gleich am Anfang zu sagen: Winfried Lühr-Tanck führt auch durch die Stätten der globalisierten Tourismusindustrie mit all ihren Annehmlichkeiten wie warmem Duschwasser, erlesenen Weinen und westlichen Speisen inmitten einer kargen Region. Er schätzt natürlich diese heimatlichen Annehmlichkeiten, wie wohl jeder auch nach langwiereigen Anstrengungen.
Der Schatz seiner Beschreibungen erschließt sich aber aus seinem Gegenentwurf, nämlich der offenen und neugierigen Begegnung mit den Menschen des Gastlandes, erfahren mit dem Fahrrad und unvoreingenommenem Blick, manchmal unter großen Mühen.
Besonders intensiv fand ich die Beschreibung seiner Begenung mit Kindern, die wohl das erste Mal in ihrem Leben ein paar Tage lang etwas anderes erleben durften als die Enge ihrer Tradition. Im glücklichsten Fall werden sie einen Fuß in diese Tür stellen und ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen.
Seine Schilderung von wunderlichen Begegnungen und Ereignissen führt zu Fragen, warum zum Beispiel ein Europäer die beschwerliche Reise zu einem buddhistischem Mönch auf sich nimmt, der mitten im unzugänglichen Hochland in einem Kloster lebt?
Wie geht man mit vermutlichen Straßenräubern um, die bis an die Zähne bewaffnet sind, wie mit abweisend gesinnten Behörden?
Manchmal ist auch der Autor der Exot in den Augen bestorganisierter Trekkingtourer mitten in einem exotischen Land.
Winfried Lühr-Tanck begegnet aber auch Gleichgesinnten und tatsächlich schildert er eine Begegnung, die sein Leben nachhaltig beeinflußt.
Es ist bei allen Ereignissen immer wieder die sehr einfühlsame Beschreibung der wunderbaren Gastfreundschaft und Freundlichkeit der Menschen, die er in den Mittelpunkt stellt und zumindest bei mir das eigene Fernweh erweckt.
Ein Buch, das Lust auf mehr macht!