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Neosexualitäten: Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion
 
 
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Neosexualitäten: Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion [Broschiert]

Volkmar Sigusch
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 225 Seiten
  • Verlag: Campus Verlag; Auflage: 1 (7. März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3593377241
  • ISBN-13: 978-3593377247
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 14 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Volkmar Sigusch
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

25.04.2005 / Berliner Zeitung: Ohne es zu wissen "Sigusch ist fähig, die beiden Seiten einer Medaille zu sehen und wichtiger noch, sie uns sehen zu lehren."

30.06.2005 / Die Zeit: Die ganze Vertracktheit des Liebens "Ein genauer, erhellender Blick auf alte Trenn- und neue Nahtlinien des Sexuellen."

01.07.2005 / Literaturen: Wenn Weicheier hart kochen "Streckenweise verzweifelt, dann aber, als Wissenschaftler, doch wieder gefasst steht der Autor vor den bizarren Varianten, zu denen es der Mensch als sexuelles Wesen gebracht hat ... Siguschs Prognose, wo denn wohl als nächstes nach neuem Erregungspotenzial gesucht wird, ist niederschmetternd: Es wird die Gewalt sein."

14.07.2005 / Die Zeit: Die Redaktion empfiehlt "Das Lieben ist komplexer, als es die Biologen gern hätten. Siguschs Essays geben dem Begehren seine Vertracktheit zurück."

15.07.2005 / satt.org: Neosexualitäten "Eine tiefgreifend analytische, politisch diskursive und obendrein auch noch literarisch ambitionierte essayistische Abhandlung."

11.06.2010 / Süddeutsche Zeitung: Volkmar Sigusch zum 70. Geburtstag "Brandaktuell bleiben Siguschs Essays zum von ihm geprägten Begriff der 'Neosexualitäten' über den 'kulturellen Wandel von Liebe und Perversion', und wer es in historischer Perspektive genauer wissen will, dem sei die Lektüre von Siguschs kapitalem Standardwerk 'Geschichte der Sexualwissenschaft' ans Herz gelegt."

Kurzbeschreibung

Volkmar Sigusch analysiert neue und alte Phänomene sexueller Aktivität, von der Love Parade und der Liebe zu Tieren über Viagra und Cybersex bis hin zur Homo-, Trans- oder Zissexualität. Er zeigt, wie sich unser Geschlechts- und Sexualleben in den letzten Jahrzehnten verändert hat: Selbstbewusster, freier und buntscheckiger, wird es zugleich zunehmend kommerzialisiert und banalisiert. Aber es geht Sigusch nicht nur um diese zum Teil ungewöhnlichen Neosexualitäten. Ebenso zentral ist in seinem Buch die Liebe, wie sie im Alltag gelebt und erfahren wird. Und noch etwas bezieht Sigusch unweigerlich in seine Analyse der sexuellen Welten der Gegenwart ein: die sexuellen Perversionen, mit denen die neuen Sexualformen nicht unbedingt deckungsgleich sind und die enger mit der Liebe verbunden sind, als allgemein vermutet wird. Siguschs Betrachtungen zu Neosexualitäten, Liebe und Perversion lassen Aspekte unserer heutigen Kultur und Gesellschaft hervortreten, die selten im Scheinwerferlicht stehen und doch prägender sind, als viele glauben möchten.

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32 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Pluralitäten und Kritische Sexualwissenschaft, 7. Juni 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neosexualitäten: Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion (Broschiert)
Schon vor einigen Jahren entwarf Sigusch sein Konzept der neosexuellen Revolution und meint damit, dass die gegenwärtige Gesellschaft nach der ersten sexuellen Revolution der 1960er nun eine zweite Sexwelle erfährt, in der "alte Perversionen" sich zu neuen gesellschaftlichen Lüsten entwickeln, entmystifiziert und kommerzialisiert werden. Zum Beispiel sei die Zeit vorbei, in der Homosexualität als deviantes Verhalten eingestuft wurde, stattdessen werde heute über eingetragene Lebenspartnerschaften und Adoptionsrechte diskutiert und es hat irgendwie schon was, wenn sich in einer Vorabendserie zwei Schwule küssen. Ehemals heikle und verschwiegene Themen der Sexualität finden heute Einzug in Nachmittagstalkshows, es wird über Gummifetischismus, Prostitution und Sadomaso geredet. - - Beim oberflächlichen Lesen kann man den Eindruck gewinnen, dass Sigusch lediglich ein postmodernes Potpourri von Lebensformen, Sexual- und Genderidentitäten nachzeichnet und dabei viele neue Vokabeln einführt - man lernt viel, über Selfgender, Neoallianzen und Zissexualität. Seine Darstellungen gehen aber weit über das hinaus: Zum einen greift er sexualwissenschaftliche Hintergründe auf, und er geht gleichfalls den Weg einer kritischen Soziologie, zeichnet z.B. den Diskurs des "Kindesmissbrauchs" nach, verweist auf Zusammenhänge zwischen Neosexualitäten, Politik und Kulturindustrie. Für meinen Geschmack ein sehr gelungener Brückenschlag zwischen soziologischer Gesellschaftsanalyse und Sexualwissenschaft, ganz im Sinne der durch ihn bekannt gewordenen kritischen Sexualwissenschaft - dazu gut lesbar!
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Dialektik der Perversion, 4. November 2007
Von 
Rezension bezieht sich auf: Neosexualitäten: Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion (Broschiert)
Kann man heute noch mit dem Vokabular der 68-er Philosophie postmoderne Lebenswelten beschreiben? Nun, zumindest Volkmar Sigusch kann es. Er hat den alten Werkzeugkasten neu sortiert, manches entrümpelt (z.B. die repressive Entsublimierung Marcuses), manches neu hineingelegt (z.B. die Diskursanalyse Foucaults, die Ökonomie Batailles) und manches entschlackt (z.B. Dialektik, Warenfetischismus, Tauschwert, Vergesellschaftung von Adorno/Horkheimer). Solcherart ausgerüstet hat er sich auf Pornoseiten im Internet umgesehen, die Love-Parade beobachtet, Viagra studiert, feministische Bücher gelesen und Patienten untersucht. Und er hat das, was er da gesehen und studiert hat auf einen Begriff gebracht: Neosexualität. Das ist laut Glossar eine Perversion, die keine Krankheit ist. Kurz gesagt sind neosexuelle Lebenswelten immer beides zugleich: Befreiung, Aufbruch, Emanzipation aber auch Inszenierung, Verarmung, Kommerzialisierung. Es scheint, dass man das eine nicht ohne das andere haben kann.

Damit reißt Sigusch auch bewusst die Grenze zischen normaler Sexualität und perverser Sexualität nieder. "Normale sind so pervers wie Perverse normal." "Perverse sind wie wir alle, nur ein bisschen mehr." Um dieses "bisschen mehr" dreht sich die ganze Diskussion. Sigusch zeichnet sie in den verschiedenen Aufsätzen seines Buches nach, von Morgenthalers Einschätzung der Perversion als "kreativer Ich-Leistung" bis zu Stollers Einschätzung als "Pathologie des Hasses", von der Perversion als neosexueller Mehr-Lust bis zur Perversion als forensischer Straftat, von der Perversion als Normabweichung bis zur Perversion als psychopathologischem Syndrom. Eigentlich bleibt als letzte "wirkliche" Perversion nach der neosexuellen Revolution ohnehin nur noch die Pädophilie übrig. Diese wird dafür umso entschiedener verfolgt, verurteilt und verachtet. Und dieser "perennierende Hass auf die Pädophilen" wiederum ist für Sigusch verdächtig. Keine andere Perversion treffe so sehr ins Schwarze verdrängter und zensierter Wünsche. "Um der seelischen Friedhofsruhe willen darf nicht erkannt werden, wie eigen das fremd Erscheinende im Grunde ist."

Wo steht die Psychoanalyse in diesem Spektrum? Sieht man von Freud selbst und einigen wenigen wie Morgenthaler ab, dann eher Schulter an Schulter mit der Moraltheologie und weit weg von der Sexualwissenschaft. Hämisch nennt Sigusch das allzeit gepriesene Genitalprimat der Psychoanalyse eine "Fata Morgana". Die französische Analytikerin Janine Chasseguet-Smirgel, die jahrzehntelang Spitzenpositionen in den internationalen analytischen Vereinigungen innehatte, nennt er eine "strenge Herrin", die in einem "normopathischen" und "genital-sadistischen" Universum lebe. Man sieht, Sigusch versteht es, eine spitze Feder zu führen.

Interessante Dinge erfährt man auch im "Mundus sexualis" genannten Glossar. Z.B. dass Frau Freud "überrascht, ja gekränkt" auf die freizügig behandelte Sexualität in den Texten ihres Mannes reagiert habe. Oder dass die Anfänge der "modernen" Pornographie im 16ten Jahrhundert nicht zu trennen waren von politisch-emanzipatorischer Kritik. Die Autoren "ließen Höflinge als Huren auftreten und Kleriker als Sodomiten. Ihre Obszönität war antifeudal und antiklerikal, entsprang dem Geiste des Humanismus und der wissenschaftlichen Revolution." Natürlich ging es in erster Linie um "Obszönitäten". Aber dass Obszönitäten auch Emanzipatorisches transportieren konnten gilt den Heutigen, den Politisch-Feministisch-Korrekten ebenso wie den (meist männlichen) Konsumenten als unvorstellbar. Umso wichtiger ist es, dass Sigusch daran erinnert.

Je nachdem, wo man selbst steht, wird man eine solche Darstellung der Neosexualitäten als schon verharmlosend-gefährlich oder als noch zu bieder-konservativ betrachten. Doch das gefällt mir an diesem Buch, dass es sich an dieser schwierigen Grenze des "einerseits-andererseits" halten kann, ohne jemals beliebig zu sein.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein bemerkenswertes Buch, 31. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Neosexualitäten: Über den kulturellen Wandel von Liebe und Perversion (Broschiert)
Worum es geht, kann der Beschreibung sowie den vorgehenden Rezensionen entnommen werden: Um einen Einblick in den Wandel des Geschlechts- und Sexuallebens der Menschen in den letzten Jahrzehnten und deren Wechselwirkung mit den sie betreffenden gesellschaftlichen Bewertungen.

Dabei nimmt Sigusch eine Position ein, die in aktuellen Debatten leider viel zu selten Gehör findet: Als eine Art 'beschreibender Mahner' zeigt er in keineswegs akademisch trockener Sprache Beispiele für Wandel und Wechselwirkungen und Erklärungsmöglichkeiten auf.

Doch er bleibt nicht nur im Beschreiben und Erklären stehen, sondern - zumindest habe ich ihn so verstanden - übt er auch deutliche Kritik an bestehenden Verhältnissen. Und dies nicht in der viel zu häufig anzutreffenden schwarz-weiß Dichotomie von Anything Goes vs (totale) Prüderie. Denn während er die Befreiung begrüßt, kritisiert er gleichermaßen die ebenfalls festgestellte Banalisierung. Dies allerdings nicht von einem christlich-konservativen Standpunkt aus, in dem Sex und Erotik per se verdächtig sind. Vielmehr scheint er in der Banalisierung eine Ursache von Lust-Verlust auszumachen. Doch anstatt nach der vermeintlich einfachen Lösung einer staatlich initiierten Reiz-Verknappung (zb Zensur) zu rufen, gibt er dem Leser eine Fülle von Material und Denkanstößen, um sich sein eigenes, differenziertes Bild zu machen.

Zusammenfassend: Dieses Buch ist sicherlich kein Panoptikum der Perversionen. Dafür aber ein Buch, das jedem an der Vielfalt erotisch sexueller Ausprägungen und deren gesellschaftlicher Relevanz Interessierten ans Herz gelegt sei. (Und auch jenen, denen gerade aufgrund ihres weltanschaulich verordneten Desinteresses ein wenig mehr an Information und Offenheit gut zu Gesicht stünde.)
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