Über den Autor
1947 in Jena/Thüringen geboren, aufgewachsen in Düsseldorf, Studium der Anglistik, Romanistik und Literaturwissenschaft, Magisterarbeit zur Rezeption von Kriminalromanen. Lehr- und Wanderjahre in Bonn, Brighton, Bristol, Berlin und am Bodensee; seit mehr als einem Jahrzehnt in Dortmund Wurzeln geschlagen. Trotz vier Beamtenurkunden aus drei Bundesländern dem Schuldienst entkommen; zehn Jahre hauptberuflich in der Erwachsenenbildung tätig; seit 1990 freischwebend schaffend. Kein Talent zur traditionellen Ehe, glücklich geschieden. Seit etlichen Jahren Zusammenleben mit männlichem Menschen, der vorzüglich kochen, streiten und lachen kann. Von frühester Jugend an Schwäche für Mord und Totschlag, im reifen Alter von vierzig Einbruch ins kriminelle Gewerbe mit Geschichten, in denen ganz normale Frauen locker und ohne Skrupel nervige Chefs und andere lästige Männer ins Jenseits befördern. Hauptfigur der Kriminalromane ist Beate Stein, grünäugige Emanze in Staatsdiensten, die souverän im Männerverein Polizei ihren Weg geht.
Ingeborg Mues, die Herausgeberin und Lektorin der Reihe Die Frau in der Gesellschaft schreibt über Sabine Deitmer: »Sabine Deitmer gehört zu den Autorinnen und Autoren, denen es gelingt, ein Genre zu begründen, einen neuen Trend zu setzen. Das ist in der Literaturlandschaft von heute eine eher seltene Erscheinung. 1987 bot mir eine unbekannte Autorin für die von mir herausgegebene Reihe Die Frau in der Gesellschaft ein Manuskript mit Geschichten an, ein Erstlingswerk. Mord-geschichten, in denen die Heldinnen Täterinnen und Identifikationsfiguren zugleich waren. Ungewöhnlich genug. Die Frauen, von denen die Storys erzählten, waren Mörderinnen, aber diejenigen, gegen die sich ihre kriminelle Energie richtete, waren die eigentlichen Täter: Männer, die Frauen als Menschen zweiter Ordnung betrachteten und entsprechend behandelten, die sie als Objekte ihrer Begierde ansahen, als Haushalts- oder Bürosklavinnen, die sich ihnen unterzuordnen hatten. Machos eben wie aus der Zeit, als die Herren noch die Steinäxte schwangen. Diese Typen ließ die Autorin über die Klinge springen, und es war einfach nicht schade um die Kerle, die sie mit einem lapidaren Bye-bye, Bruno verabschiedete. Weder die Autorin noch die Heldinnen, noch die Leserinnen weinen den Brunos dieser Welt eine Träne nach. Daß diese Mordgeschichten mit einem Augenzwinkern erzählt wurden, versteht sich. Ein »Ratgeber mit Anleitungen zur Selbstjustiz« war Sabine Deitmers Bye-bye, Bruno wirklich nicht. Storys dieser Machart, erzählt aus einer so außergewöhnlichen Perspektive und in lakonisch-lapidarem, um es modisch auszudrücken: coolem Ton hatte ich noch nirgends gelesen. Sie gefielen mir - und wie sie mir gefielen. Sabine Deitmer wurde Autorin der Reihe Die Frau in der Gesellschaft, und mit jedem weiteren ihrer unverwechselbaren Bücher prägte sie den Unterhaltungsbereich des Frauenbuchprogramms unseres Verlages. Vor allem den Bereich »Frauen in spannender Gesellschaft«, wie Sabine Deitmer und ich die Krimiecke der Reihe gerade eben getauft haben. Den ersten beiden thematisch verwandten Erzählungsbänden Bye-bye, Bruno und Auch brave Mädchen tun's folgten dann drei »richtige« Kriminalromane, in denen Sabine Deitmer die Kommissarin Beate Stein kreierte und die sich vor allem durch gründlich recherchierte Plots und sozialkritisches Engagement auszeichnen, wobei die Spannung, die perfekte Charakterisierung der Personen, die plausible Aufdeckung von Motivationen und der kritische Blick auf die Männergesellschaft ganz und gar nicht zu kurz kommen. In ihrem neuesten Buch stellt sie in witzigen, ironischen und auch nachdenklichen Geschichten Die schönsten Männer der Stadt vor. Sabine Deitmer ist seit langem nicht nur eine von mir wegen ihrer schriftstellerischen Qualitäten, ihrer Ernsthaftigkeit und ihrer Professionalität geschätzte Autorin. Sie ist auch in den mehr als zehn Jahren, die wir uns nun kennen, zu einer Freundin geworden.«
Auszug
Ich folgte den mattgelben Leuchtpfeilen und lief durch einen dunklen Korridor in Richtung Damenklo. Es ist garantiert die letzte Tür am Ende aller Berge, die den Damen vorbehalten ist. Ein Typ mit einem Haarschopf, der vor Pomade glänzte, drosch mit seiner Faust auf einen Zigarettenautomaten ein. Wumm, hallte es durch den Gang. Wumm, wumm.
Die letzte Tür des Gangs fiel hinter mir zu. Helle Leuchtröhren, himmlische Ruhe, das Damenklo. Ich entspannte mich. Soweit das möglich ist, ohne mit einem Toilettendeckel Kontakt aufzunehmen." Ich ficke jede. Alter und Aussehen egal. Ruf einfach an " war mit Kuli in die Toilettenwand geritzt. Daneben eine siebenstellige Telefonnummer und die stark vereinfachte Darstellung des männlichen Fortpflanzungsapparats. Apart.
Eine Tür knallte gegen die Wand. Schrittegetrampel. Eine hysterische Frauenstimrne. Mit meiner Ruhe war es vorbei.
»Hau ab«, schrie die Frau. Das Geklapper von Stöckelschuhen kam näher. Die Tür der Nachbartoilette sprang auf, schlug zu. Der Riegel schepperte. »Zieh Leine«, schrie sie mit einer Stimme, die sich zu gefährlichen Höhen aufschwang. »Zisch ab.«
»Komm raus«, röhrte eine kräftige Männerstimme vor der Tür. »Sag mir das ins Gesicht.« Er rüttelte an der Klinke.
Ich warf einen Blick durch eines der Locher, das wackere Spanner in die Wand zum Nachbarklo gebohrt hatten.
Jetzt schlug er mit der flachen Hand auf die Tür.
»Komm raus«, brüllte er.
Ich blickte auf schwarze, stoffumspannte Hüften, aus Spannersicht zweifellos die, interessanteste Partie der weiblichen Anatomie.
»Hau ab, du Blödmann«, schrie sie zurück. »Ich, will nicht mehr .«