Wenn man mal in 20 Jahren oder so auf dieses namenlose Jahrzehnt 2000-2010 zurückblickt, dann wird man sich fragen, was es uns musikalisch gebracht hat. Und neben der Indie-Neo-Wave-Welle, die abkehr von großen Musiklabels und vielleicht noch den Neptunes oder Timbaland, sollte da auf jeden Fall ein großes Kapitel der kanadischen Kapelle Arcade Fire gewidmet sein.
Kaum ein Debüt schlug in den letzten Jahren so ein, wie "Funeral". Hymnische Rockopern, eine wilde Mixtur aus Kammermusik, Pop, Klassik, Kunst und so vielem mehr. Nie klang ausladender Bombast in den letzten Jahren bewegender und gefühlvoller. Die Musikkritiker waren sich ausnahmsweise mal alle einig und vielen auf die Knie, von den oft erwähnten renomierten Musikern wie Bowie und Bono mal abgesehen.
So sehr diese Band mit ihrem Debüt verblüffte... jetzt schaffen sie das Unglaubliche: sie übertreffen noch das Debüt! Und da fällt einem einfach kein Superlativ mehr ein.
Von Anfang bis Ende ist dieses Werk ein purer Hörgenuß. Es zieht einen in den Bann, lässt einen erschaudern, weinen, lieben, tanzen und Nachdenken. Und welche Platte schafft das schon? Der bedrohliche Opener "Black Mirror" gibt die Marschrichtung vor. Der Angstzustand der Welt wird thematisiert. Will Buttler klagt an: "Mirror, Mirror, on the wall... show me whether bombs will fall". Und beim dramatischen "Windowsill" wird dies später noch deutlicher, als der Sänger des Septetts all den Ärger dieser Welt, all den Schmerz und die Trauer nicht mehr sehen will. Der Rest des Albums ist eine einzige Aneinandereihung von Lehrstücken, wie man gute Musik gestalten solle. Das sakrale "Intervention" inklusiver originaler Kirchenorgel ist ein tolles Stück im Stile des Debüts. "Black Waves/ Bad Vibrations" ändert mal spontan den Charakter, "Ocean of Noise" ist zauberhaft ruhig und das druckvolle "No Cars Go" (endlich auf nem AF Album!) schwingt sich tanzend zum pompösen Bombast auf und lässt den Hörer nicht mehr los. Genau wie das ganze Album. Es zieht einen in den Bann. "Neon Bible" ist düsterer und melodramatischer als das Debüt, nachdenklicher und stellenweise auch introvertierter (soweit man das von dieser Band behaupten kann). Es berührt einfach auf so viele unterschiedliche Art u Weisen... da sind sich Rolling Stone Magazine, NME, Bowie und Chris Martin auch vollkommen zurecht einig. Kein Musikkenner kommt heutzutage mehr an dieser Band vorbei. Wer mir das Gegenteil beweist, bekommt als Belohnung einen Superlativ von mir verpasst!