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Nennung von Markennamen und Anglizismen - pro oder contra?


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1-17 von 17 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.01.2009 21:17:15 GMT+01:00
katzenbob meint:
Viele Rezensenten ziehen dem Buch in ihren Bewertungen Sterne, ab weil sie sich an den Nennungen von Markenprodukten und der Benutzung von Anglizismen stören. Wie sehen andere Leser diesen Umstand?

Meine persönliche Meinung: da die Protagonisten ja Charaktere mit einem bestimmten "Image" sind (Lisbeth als Hacker und Mikael als Erfolgsjournalist), wäre es nahezu fahrlässig, auf die Nennung bestimmter von ihnen genutzter Markenprodukte zu verzichten. Der oft erwähnte "IMac" zum Beispiel transportiert ja auch einen bestimmten Lebensstil der Protagonisten und so macht die Nennung dieser Marken sie als Charaktere eher noch glaubwürdiger und füllt sie mit Leben. Warum sollten die Handelnden in einer von Marken befreiten Welt leben, das entspräche ja in keinem Fall der Realität und der Roman bzw. die Beschreibung der Charaktere würde verflachen. Und Journalisten und wohl auch Hacker benutzen nun mal sehr oft Produkte aus der Apple-Familie.

Genauso ist es mit den im Buch doch recht sparsam verwendeten Anglizismen. Warum sollte man gestelzte deutsche Bandwurmsätze für die Umschreibung eines Sachverhaltes bilden, wenn sich in der Realität und v.a. in bestimmten Millieus durchaus die Verwendung eben dieser Anglizismen durchgesetzt hat. Meiner Meinung nach gibt das den Figuren eben die nötige Glaubwürdigkeit und Tiefe.

Aber wie ist Eure Meinung?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.01.2009 17:58:38 GMT+01:00
S. Voitel meint:
Mich stören Anglizismen nicht so sehr, gerade im Computer-Bereich ist das ja gang und gebe. Aber das Product Placement finde ich extrem nervig und unnötig. Bei "Verblendung" war ich davon schon nach gut einem Sechstel des Buches so davon angenervt, ewig von <Marke>-Kamera & Co. zu lesen, daß ich im Internet nachgeschaut habe, ob es anderen auch so geht und ob man nicht irgendetwas darüber finden kann, daß dieser Autor einen Werbevertrag mit diversen Herstellern hatte.

Ich kann es noch verstehen, wenn man schreibt, daß eine Person einen bestimmten Computer-Typ benutzt, weil dem im allgemeinen bestimmte Charakterzüge zugeordnet werden (wobei das auch nach hinten losgehen kann, die obstcomputernde, punkige Hackerin jedenfalls finde ich irgendwie unglaubwürdig). Völlig unnötig ist hingegen die Typenbezeichnung, die eh nur Leuten etwas sagen dürfte, die sich damit ein wenig beschäftigt haben. Anderen soll es unterschwellig nur sagen, daß es "was gutes" ist, weil eben der Gute es benutzt, also Werbung untersten Niveaus eben... Nein danke.

Und wozu müssen Produktnamen genannt werden, die augenscheinlich nicht diesen Typisierungs-Effekt haben? Es ist imagespezifisch völlig egal, ob die Digitalkamera, die nicht größer als eine Zigarettenschachtel ist, von Marke X oder Y ist. Wobei mich ja schon fast wundert, daß da nicht noch eine Zigaretten-Marke genannt wurd. ;)

Veröffentlicht am 26.02.2009 16:30:55 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.02.2009 16:34:31 GMT+01:00
Tester555 meint:
... und ich dachte schon, ich bin der einzige, der sich daran gestört hat. Das product placement hat mich ernorm genervt! Ich fragte mich schon, ob Larsson von der Obstcomputerfirma gesponsert wurde. Der Höhepunkt war aber, die detaillierte Aufzählung der schwedischen Billigmöbel. Da hatte Larsson doch tatsächlich sämtliche Namen von Schreibtisch, Regal,Stuhl usw. genannt. Dachte er, die Leser/innen wollen sich so einrichten wie Salander?

@ katzenbob:
Zitat: "Der oft erwähnte "IMac" zum Beispiel transportiert ja auch einen bestimmten Lebensstil der Protagonisten ..."
Nein, nein, nein!!!! Ich fass es nicht, da bist du ja voll auf die Werbung reingefallen:-). Die Obstcomputeruser sind genauso wenig eine homogene Masse wie die PC-User. Wer einen Obstcomputer hat, hat keinen "bestimmten" Lebensstil. Das sage ich, ein Werber, der seit über 10 Jahren mit dem Fallobst arbeitet ...

Die exzessive Markennennung im Buch NERVT!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.03.2009 11:29:50 GMT+01:00
Richtig!!! Und vermutlich auch noch irreführend. Ich kenne keinen Hacker, der einen Mac benutzt.

Veröffentlicht am 27.06.2009 12:38:32 GMT+02:00
Kundrie meint:
Ich würde mich absolut katzenbob anschließen und denke nicht, dass Markennamen hier bloßes Productplacement sind, sondern tatsächlich eher Zeichencharakter haben. Zudem sind es Bücher des 21. Jahrhunderts und in unsere Lebenswelt spielen sowohl Anglizismen als auch Produktnamen nun mal eine große Rolle.

Außerdem bewegt sich Larrson durchaus in guter Gesellschaft: Die Popliteratur bedient sich längst der endlosen Nennung von Markennamen und hier versteht man sie als Stilmittel. Vor diesem Hintergrund habe ich sie so auch bei Larsson gelesen und, wie bereits andernorts geschrieben, sie passen einfach zum Milieu, was auch für die Anglizismen gilt (die mir allerdings gar nicht aufgefallen sind...).

@ Tester555
"Nein, nein, nein!!!! Ich fass es nicht, da bist du ja voll auf die Werbung reingefallen:-). Die Obstcomputeruser sind genauso wenig eine homogene Masse wie die PC-User. Wer einen Obstcomputer hat, hat keinen "bestimmten" Lebensstil. Das sage ich, ein Werber, der seit über 10 Jahren mit dem Fallobst arbeitet ..."

Ja aber genau darum geht es doch: Um etwas zu transportieren sind doch gerade Klischees wichtig und keine Fakten! Es ist doch gleichgültig, wie viele vermeintlich Kreative wirklich einen MAC nutzen, allgemein besteht doch ein Bild vom typischen Apple-User, sicherlich angeheizt durch die Werbung. Und diesem Bild soll im Buch entsprochen werden, ganz gleich, wie die Realität aussieht. Ansonsten würde der Mechanismus, Produkte zur Charakterisierung, zum Schaffen eines Images zu benutzen doch nicht funktionieren! (Das weißt du als Werber aber sicherlich eh schon) Schließlich ist es am Ende einfach Literatur und nicht Realität und soviel literarische Verdichtung darf auch ein solches Genre!

Das ist wie mit den Harleys: Dieses Easy-Rider-Image, Freiheit Rebellion und was weiß ich nicht noch alles, besteht, obgleich die meisten Harley-Fahrer heute ältere, gesellschaftstaugliche Daddys sind ;-)

Veröffentlicht am 14.07.2009 09:20:55 GMT+02:00
linus3103 meint:
wenn ich ehrlich bin, stört mich dieses "Productplacement" nicht wirklich... wenn der Autor der Ansicht war, es gehört zur Darstellung der Personen, in Ordnung, dass nenn' ich künstlerische Freiheit - denn darum geht es doch letztendlich, eine fiktive Geschichte und nicht um eine Darstellung der Realität... wenn ich das möchte, dann lese ich eine Biographie ;o)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.08.2009 13:21:48 GMT+02:00
kete meint:
@Kundrie:
"Ja aber genau darum geht es doch: Um etwas zu transportieren sind doch gerade Klischees wichtig und keine Fakten! "

Die Nutzung von Klischées ist aber nicht gerade ein Zeichen für gutes Schreiben. Es heisst m.E., dass der Autor schlicht unfähig oder zu faul ist um sich etwas eigenes auszudenken.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.08.2009 17:44:04 GMT+02:00
Ich finde, es kommt immer darauf an, in welchem Ausmaß Produkte platziert bzw. Markennamen genannt werden. Wenn ich z.B. schreibe, dass jemand seine Wohnung mit IKEA eingerichtet hat, sagt das mit einem Wort mehr über die Person aus, als das ich mit einer umfänglichen Beschreibung des Holz-Mobiliars beschreiben kann...Allerdings würde es mich sehr stören, auf jeder Seite auf ein Billy- oder Ivarregal zu stoßen und auch noch den schwedischen Namen von Bettwäsche, Lampe und Vorhangsstoff aufs Auge gedrückt zu bekommen...die Dosis macht`s!

Veröffentlicht am 04.12.2009 14:17:52 GMT+01:00
Supertramp meint:
Natürlich kann man mit Produkt- und Markennamen bestimmte Eindrücke übermitteln.
Zu Erwähnen dass die guten Leute iMacs benutzen, schön und gut, aber der Abschnitt in dem Lisbeth sich einen neuen Laptop kaufen muss und der Autor dann aufzählt was für eine tolle Grafik-Engine das gute Ding hat und überhaupt wie es das beste vom besten ist, das geht doch eindeutig zu weit.

Veröffentlicht am 07.06.2010 16:58:10 GMT+02:00
Cuthbert meint:
Ich muss sagen, dass mich die dreiste Art, wie der Autor hier Werbung macht schon irritiert und genervt hat. Ich habe auch absolut kein Problem damit, wenn in Romanen verschiedene Markennamen auftauchen, da es in Gewissem Maße dazu dient, einen Roman mehr ins rechte Leben zu transportieren und ihn somit manchmal sogar ein wenig glaubwürdiger macht. Was der Autor hier allerdings abgeliefert hat, ist einfach nur frech. Ikea..jeder Produkttyp wurde aufgezählt mit Namen (wow, ich kam mir wirklich vor wie in einem Werbeprospekt), die ständige Nennung von der Laptop-Marke (samt Festplattenkapazität, Rechenleistung etc.) war ein weiterer peinlicher Werbeeinschlag.
Nein, sowas ist mir bisher wirklich erst einmal begegnet und ich möchte sowas nicht nochmal haben. Ich schliesse mich hier Claudia Reichert an, die Dosis machts...und Stig Larsson benutzte hier schlicht und einfach eine Überdosis.

Veröffentlicht am 10.06.2010 02:03:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.06.2010 02:14:12 GMT+02:00
LoVe BoOks meint:
Also ehrlich gesagt, habe ich mich über die "die-Product-Placements-haben-mich-zu-Tode-genervt-Kommentare" ziemlich gewundert. Mich stören Anglizismen manchmal mehr, manchmal weniger, das kommt auf Kontext und die Anzahl an. (Meist versuche ich das Problem zu umgehen, in dem ich die Bücher einfach auf Englisch lese.) Product Placements hingegen begrüße ich manchmal sogar. Was bringt es, wenn in einem amerikanischen Werk etwas von einem MP3 Player geschrieben steht, wenn jeder, der mal dort war, gesehen hat, dass dort (in den einigermaßen wohlhabenden Gegenden) fast nur ipods verkauft werden? Ich stimme "katzenbob" auch zu, wenn sie sagt, dass best. Produkte den Charakter und Lebensstil einer Person weiter erklären.
Ich finde auch, bei Werken, in denen Jahreszahlen vorkommen, d.h. die nicht "zeitlos" sind, wird durch die Erwähnung von Produkten, die sich ausgesprochen gut verkaufen, bzw. von beliebten Serien, Modetrends oder Musikhits eine bestimmte Zeitepoche besser eingefangen. Für uns jetzt mag es völlig bescheuert sein, wenn in Büchern soviele Referenzen drin stehen, wir leben schließlich jetzt und wissen wie das ist. 2030 jedoch, könnte es für die dann "jungen" Leute ziemlich interessant sein, zu lesen was vor 20 Jahren angesagt war, wie Leute sich angezogen haben, was für Marken damals noch aktuell waren oder welche Wörter "in" waren. (Ich würde schwören, dass man sich in 20 Jahren über die Worte "cool" oder "geil" genauso lustig machen wird, wie heute über das früher gängige "dufte" ;) )

Klar, das ist nur meine Meinung, und ich akzeptier auch, wenn die Product Placements manche Leser stören. Ich denke lediglich, dass, wenn ein Buch ansonsten mitreißend ist, man darüber hinweg sehen kann und wenn nicht, dann gibt es noch schlimmere Kritikpunkte....

Veröffentlicht am 21.06.2010 12:35:42 GMT+02:00
P. Auffermann meint:
Jeder Bestseller muss sich heutzutage an den Zeitgeist anschmiegen, er muss dem Konformitätsideal entsprechen. Und das ist eben jener digital-bohème, creative class-Life-Style, von dem viele gehört haben, den viele insgeheim bewundern, den aber kaum jemand wirklich lebt außer einigen "kreativen" Werbern die sich geniale Sprüche wie "Das Beste oder nichts" einfallen lassen. Apropos: Bei Werbesprüchen gilt das Motto: Je dümmer und einfacher, desto besser. Das mögen zwar die hochkreativen Werber nicht gerne hören, de facto läuft es aber darauf hinaus. Die Simplizität wird dann mit dem "Wiedererkennungswert" entschuldigt.

Und genau diese technisch-kalte, irgendwie cool-lässige, "designte" Lebensart ist es, für die die Apple-Produkte in gewisser Weise stehen. Wir wollen alle KREATIV sein. Gegenfrage: Einfachheit lässt uns träge werden, lässt uns gedanklich abstumpfen. Und das soll uns kreativ machen?

Kreativ sein heißt doch heute nichts weiter als einige Anglizismen geschickt mit ein paar einfachen Gedanken zu mischen. Das sind keine eigenen Schöpfungen mehr, sondern da wird von Vornherein geschaut: Wie müssen wir eine Idee konstruieren, wie müssen wir sie an den Zeitgeist anpassen. Das ist keine "Kreativität", das ist Opportunismus.

Veröffentlicht am 18.07.2010 21:25:38 GMT+02:00
R. Herborn meint:
Ich finde wenn Produktnamen genannt werden vermittelt das Realismus (Bei die Arena von King ist Das sehr gut gelungen) allerdings darf es nicht in Werbung ausarten. Und sobald es Product Placement gibt, das heißt wenn der Autor dafür bezahlt wird bestimmte Marken zu nennen, ist für mich Schluss das merkt man aber meistens. Bei Filmen finde ich das ganze aber noch schlimmer und nerviger.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.09.2010 10:42:46 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.09.2010 10:50:39 GMT+02:00
Da ich Band zwei gerade begonnen habe, bin ich auch soeben über die IKEA-Seite gestolpert.
Ich fand's amüsant. Nachdem ich vor 4 Monaten selbst eine neue Wohnung eingerichtet habe, kannte ich die meisten Produkte.
Seit Bond ist product placement im Kinofilm völlig normal geworden. Warum also nicht auch in Büchern.

Als denkender Mensch lasse ich mich davon genauso wenig beeinflussen, wie von meinem Kollegen, der ständig mit seinem iPhone vor meiner Nase rumfuchtelt. ;-)

Veröffentlicht am 03.10.2010 20:08:36 GMT+02:00
Hallali meint:
Mich hat das Product-Placement derart stark genervt, dass ich fast das Buch nicht weitergelesen hätte. Nur die starke Story konnte das aufwiegen.

Die völlig unrealistische Relation aus einem Apple Computer und einer Hackerin passten leider irgendwie zu der flachen Sprache im gesamten Roman.

Veröffentlicht am 04.09.2011 12:52:05 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 04.09.2011 12:52:28 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 18.04.2012 13:59:40 GMT+02:00
G. Bogner meint:
Mich hat weder die Nennung des Computers gestört, muß ehrlich sagen daß mir das nicht mal besonders aufgefallen ist, daß es sich um einen Apple handelte. Sie hatte halt ein hochwertiges Laptop, das ist bei mir hängengeblieben. Und später im Krankenhaus eine Art ipod, na und?
Daß sich Lisbeth mit IKEA-Möbeln eingerichtet hat, fand ich amüsant und passend.
Deswegen habe ich mir weder selber IKEA-Möbel gekauft, noch einen anderen Computer.
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