Der dänische Film "Salam, Aksel" ist eines von zahlreichen Beispielen, dass seit vielen Jahren schon hervorragende Kinder- und Jugendfilme aus Skandinavien kommen, und das sicher auch deswegen, weil ein bestimmter Prozentsatz der skandinavischen Filmproduktion auf diese Zielgruppe ausgerichtet sein muss. Kinder- und Jugendfilme sind also in erster Linie für die Gruppe der 6 bis 17jährigen gestaltet, was nicht heißt, dass ein Erwachsener nicht auch seinen Spaß daran hätte, er sollte nur kein episch tiefschürfendes Wrek erwarten, sondern eine Geschichte, die sich in Erzählweise und Humor an den Bedürfnissen eines jugendlichen Publikums orientiert.
Der zehnjährige Aksel aus einem dänischen Vorort nimmt während des Sommers an einem Gesangswettbewerb teil und lernt dabei zwei Mädchen kennen, u.a. eine Muslima, über die er in Kontakt mit dem Islam kommt. Fasziniert von dessen Ritualen entwickelt der Junge nicht nur ein Gespür für andere Glaubensvorstellungen und Ethnien, sondern auch für Toleranz und Freundschaft, Verantwortlichkeit und (Selbst-) Respekt. Der Weg dahin führt aber über eine Reihe von Missverständnissen und Verwicklungen. So steht neben der Bewunderung für das Auftreten der älteren muslimischen Jungen das durchaus ernste, wenngleich naive Gespräch mit dem örtlichen Moscheevorsteher. Nicht dass er sich explizit mit Gott/Allah und dem muslimischen Glauben auseinandersetzen würde; es sind eher die äußerlichen Rituale, die ihn faszinieren und ihm attraktiv erscheinen, ohne dass er sie auf Sinn und Zweck hinterfragt. Axel findet es "cool", ein Moslem zu sein, weil er dann in schicken Autos mitfahren und ein Goldkettchen tragen kann; dass er kein Schweinefleisch essen, keinen Hund anfassen darf und sich beschneiden lassen müsste - das ließe sich alles regeln, wenn er dann erst einmal Achmed hieße.
Die Naivität von Aksel ist auch seine große Stärke, da er mehr als einmal die Erwachsenen mit seinen Fragen nach Glauben, Ritualen und sogenannten Normalitäten mächtig in Schwierigkeiten bringt. Gleichzeitig wirken die Szenen, wo er z.B. auf dem heimischen Teppich gen Mekka betet, nicht peinlich, sondern eben kindlich.
Für jeden, der sich einen ungetrübten Kinder-Blick bewahrt hat, ist der im Wettbewerb der Berlinale gezeigte, äußerst humorvolle Film sicher sehenswert. Die recht konventionelle Inszenierung unterstützt dabei die ebenso schlichte wie kluge Botschaft von der vorurteilsfreien Begegnung der Religionen aus purer Neugier.