1991 wurde das Kapitel NENA-Band endgültig geschlossen - mit dem Album "Die Band." Der Punkt im Titel markiert dies deutlich.
Zugpferd und Kaufanreiz war die neue Version von "Lass mich dein Pirat sein", die auch als Single auf den Markt kam. Zum Glück wurde die Originalversion nur mit einem moderneren Rhythmusgerüst unterlegt, das zwar entspannt vor sich hinplätschert, dem Titel aber auch ein bisschen die ursprüngliche Atmosphäre raubt. Anfang der 90er hätte sich dies aber auch weitaus schlimmer anhören können.
Die folgenden Titel 2 bis 10 sind dann chronologisch geordnet.
Es geht los mit der ersten Single "Nur geträumt" und deren B-Seite "Ganz oben", damals zum ersten Mal auf einem Album und somit zum ersten Mal auf CD erhältlich. Mit "Vollmond" folgt ein Albumtrack des ersten Albums, dann kommen die beiden Hits des zweiten, "?" und "Rette mich". Von "Irgendwie Irgendwo Irgendwann" bekommt man dann die 7minütige Maxiversion geboten, während die eigentlichen Singles des dritten Albums, "Feuer und Flamme", "Haus der drei Sonnen" und "Jung wie du" fehlen. Allein "Du kennst die Liebe nicht", das 1986 neu eingespielt wurde, erinnert an diese ambitionierte, aber im Vergleich zu vorher nur schlecht verkaufte LP. Auch die Singles aus dem letzten Band-Album "Eisbrecher", nämlich "Mondsong" und "Engel der Nacht", die nur noch hintere Chartplazierungen erreichen konnten, mussten zwei Albumtracks weichen, die interessanterweise beide aus Nenas Feder stammen - aber sicher nicht schlechter sind.
"99 Luftballons" ist dann, und das ist einzig auf dieser Zusammenstellung zu hören, teils Studio-, teils Liveaufnahme: die letzten Strophen werden von Publikum gesungen, was einen nahtlosen Übergang in die vier Live-Mitschnitte, allesamt 1984 aufgenommen, ermöglicht. Durch die Abmischung, die das Publikum mit einbezieht, kann man den Tourwahnsinn auf dem Karrierehöhepunkt sehr schön nachempfinden, auch wenn Nenas Stimme nicht immer alle Töne trifft.
Im Booklet gibt es dazu noch ein Menge Polaroids und andere private Amateuraufnahmen aus den Jahren 1983 und 84, alles mit Schere und Klebestift zusammengesetzt. Das wird heutigen Designmaßstäben vielleicht nicht gerecht, wirkt aber sehr sympathisch und erlaubt einen Einblick hinter die Glamourfassaden.
Zugeschnitten ist die Zusammenstellung deutlich auf die Erfolgsphase der Band, was ich schade finde, aber man hat sich wenigstens ein bisschen was einfallen lassen - und so unterscheidet sich "Die Band." positiv von einer Vielzahl anderer Hit-Collections. Mir fehlt wie so oft aber der 'Respekt' vor den Songs, die nicht zu den größten Hits zähl(t)en, deshalb nur 4 Sterne.