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Nelly Sachs 'an letzter Atemspitze des Lebens'
 
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Nelly Sachs 'an letzter Atemspitze des Lebens' [Broschiert]

Birgit Lermen , Michael Braun
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Produktinformation

  • Broschiert: 308 Seiten
  • Verlag: Bouvier (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3416028058
  • ISBN-13: 978-3416028059
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 2.526.995 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Birgit H. Lermen
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

1940 entkam Nelly Sachs, 1891 in Berlin geboren, in letzter Minute der Deportation und fand Zuflucht in Schweden, wo sie bis zu ihrem Tode 1970 lebte. Ihr lyrisches Werk ist bis heute nur spärlich erforscht worden - trotz vielfacher Ehrungen, die 1933 in der Verleihung des Literaturnobelpreises gipfelten.
Die Gedichte von Nelly Sachs, schreibt Hilde Domin, "gehören zum Bedeutendsten, was der deutschen Sprache abverlangt wurde; zumindest in diesem Jahrhundert." Sie thematisieren Dichtungs- und Sprachreflexion, biblische Figuren und Motive und immer wieder existentielle Grenzerfahrungen, die um jüdisches Schicksal, um Liebe und Heimatsuche kreisen. Im Anhang wird in Auszügen der unveröffentlichte Briefwechsel zwischen Hilde Domin und Nelly Sachs (1960-67) dokumentiert.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Menschliches Leben beginnt jenseits der Verzweiflung, 19. April 2010
Von 
Josef Gottschlich (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Nelly Sachs 'an letzter Atemspitze des Lebens' (Broschiert)
'Die Auferstehungen / deiner unsichtbaren Frühlinge / sind in Tränen gebadet.

Der Himmel übt an dir / Zerbrechen. / Du bist in der Gnade.'

Nelly Sachs (1891-1970), eine deutsche Dichterin jüdischen Glaubens, die Angst und Schmerz erlitten hat bis an die äußerste Grenze des Zumutbaren, ermutigt uns wie sonst nur wenige, auch in den schwierigsten Lebenssituationen durchzuhalten, ohne zu verzweifeln.

Nach einer einsamen Kindheit in Berlin verliebte sie sich 'gegen den Willen ihres Vaters- in einen älteren, nicht-jüdischen Mann, der später als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime im Konzentrationslager ermordet wurde. - Nellys Vater starb im Jahr 1930. Fortan lebte sie allein mit ihrer Mutter in jahrelanger, panischer Angst vor der Deportation. 'Größter Wunsch auf Erden: sterben, ohne gemordet zu werden' (Leben unter Bedrohung).

In buchstäblich letzter Minute entkamen beide 1940 nach Stockholm. Fast alle ihrer Freund/-innen und Verwandten wurden in Hitlers Lagern getötet. So war es für Nelly Sachs nur schwer zu ertragen, Überlebende zu sein: 'Gärtner sind wir, blumenlos gewordene / Und stehn auf einem Stern, der strahlt / Und weinen' (Chor der Tröster). Doch gab sie mit ihren Gedichten (wie den Gebeten an den toten Bräutigam) und Dramen (etwa Eli ' Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels; Abram im Salz) den Ermordeten ihre Würde wieder zurück.

Als 'Genie des Verzeihens' (Hans Magnus Enzensberger) vertraute sie vor allem der jüngeren Generation in Deutschland: eine ganz große Verpflichtung für uns heute, demokratiefeindliche und rechtsradikale Strömungen in Kirche, Gesellschaft und Staat mit äußerster Entschlossenheit zu bekämpfen. -

Nelly Sachs erkannte im Laufe ihres Lebens immer deutlicher, dass gerade Leiden, dem nicht mit Hass und Gewalt begegnet wird, näher zu Gott hinführen kann: 'Denn von Gestalt zu Gestalt / weint sich der Engel im Menschen / tiefer in das Licht!' (David). In einem ihrer letzten Gedichte rät sie uns an:

'Weine aus die entfesselte Schwere der Angst

Zwei Schmetterlinge halten das Gewicht der Welten für dich

Und ich lege deine Träne in dieses Wort:

Deine Angst ist ins Leuchten geraten - '

1966 wurde die Dichterin mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

'Unter Schmerzen zu altern', schrieb Olof Lagercrantz in seinem Nachruf, 'und zu zerschellen am Übermaß an Leid, wird eine Erfahrung für immer mehr Menschen. Das bedeutet, dass Nelly Sachs zu den Dichtern gehört, die wir in der Zukunft am allermeisten brauchen'.

Birgit Lermen und Michael Braun richten in ihrem exzellenten Buch den Blick auf drei Themenkreise im Werk der Dichterin: Dichtungs- und Sprachreflexionen; Existenzielle Erfahrungen; Biblische Personen (Abraham, Jakob, Hiob und David).

Beide Autoren verstehen es dabei in vorzüglicher Weise, die enge Verflochtenheit von Sprach- und Inhaltsebene bei den acht ausgewählten Gedichten aufzuzeigen. Ihre literaturwissenschaftlichen Analysen sind gut verständlich geschrieben und lassen ein bemerkenswert tiefgründiges Verständnis der Grundanliegen von Nelly Sachs erkennen. Somit wird sehr klar ersichtlich, welche Botschaften

die Lyrikerin auch den Leser/-innen von heute noch vermittelt.

Im Anhang wird (in Auszügen) der zuvor noch unveröffentlichte Briefwechsel zwischen Hilde Domin (1909-2006) und Nelly Sachs aus den Jahren 1960-67 dokumentiert.

Die einzige Eroberung,

die uns Menschen wirklich zusteht,

da sie nicht Weinen,

sondern Lächeln hervorruft,

ist die Eroberung des Friedens.

(nach der Rede von Nelly Sachs

zur Verleihung vom Friedenspreis

des deutschen Buchhandels

am 17.10.1965 in Frankfurt)
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