Ein recht handlicher Bissen ist "Nektar und Ambrosia - kleine Etnologie des Essens und Trinkens" aus der Beck'schen Reihe. Dafür dass es tatsächlich recht kurz ist, beinhaltet es jede Menge gesammeltes Wissen über die erstaunlichen Gebräuche fremder exotischer Völker und alter Zeiten und hat ein bisschen Sammelsuriumscharakter. Sicher interessant, wenn man mal mit etwas Halbwissen protzen will, aber als Einführung für Leute, die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen wollen, vielleicht doch nicht so ganz das Wahre. Und es ist eben leider stark von recht altertümlich erscheinenden Vorstellungen durchsetzt. So findet sich ein recht antiquiertes Frauenbild, das den Platz der Frau vorwiegend am heimischen Herd beim Kochen für den von der Arbeit (oder Jagd) nach Hause kommenden Mann verortet. Zudem wird die Beschreibung der "Bräuche" und der oft herangezogene Vergleich "früher-heute" stark wertend im Sinne einer Kulturkritik. Ich finde, es ist alles ein bisschen vereinfacht, wenn man versucht Kontinuitäten und Verallgemeinerungen herzustellen, die so nicht zu beweisen sind. Bsp. das Thema Jäger-Sammlerinnen. Männer jagen, Frauen sammeln. Aber warum sollen nicht Jäger auch gleichzietig Sammler gewesen sein? (weil das so schön umrissene Weltbild der Großväter dann nicht mehr so leicht für Erklärungen herangezogen werden könnte?) Dann gibt es Vergleiche mit hier sog. "primitiven Kulturen" um zum Ergebnis zu kommen: So muss es auch in der Steinzeit in Europa gewesen sein. Von solchen Vorstellungen ist man doch eigentlich seit mind. 50 Jahren abgerückt. Auch andere grobe Fehler sind mir aufgefallen, die sich aber mit populären Vorstellungen decken und deshalb einfach zu verwenden sind. Z.B. wird Brot mehrfach als die Hauptspeise des Mittelalters erwähnt, es handelt sich hier aber tatsächlich um verschiedene Getreidebreie, wie z.B. Hirse. -Oder auch die Story über das "Weißessen" als sehr verbreitete Speise im Spätmittlelater, wo unter anderem Zucker als Zutat genannt wird, ja der Zucker wurde doch eigentlich erst im 19 Jhd. allgemein erschwinglich..Auf S.33 wird behauptet, Pflanzerkulturen hätten durchwegs an Unterernährung gelitten, das kann man auch nicht so stehen lassen, da man ja dann sehr schnell wieder davon abgekommen wäre..
Gut, die Aufzählung der Beispiele soll hier niemanden ermüden, ich habe mich aber wie man sehen kann, etwas gewundert, solche Sachen noch in einem Buch aus dem Jahr 2003 zu finden..
Völlig klar, dass man in einem so kurzen Buch das sehr komplexe Thema Nahrung und Essen nicht in allen Facetten richtig beleuchten kann, der Anspruch besteht aber und vieles Unbewiesene wird als bewiesen hingestellt, eben weil es als "allgemein bekannt" gilt. So wimmelt es im Buch von "alten Germanen", "früher" und "bei den Alten". Vieles, was in unterschiedlichen sozialen Situationen auftritt (z.B. das Schweigen beim Essen, S.95), und in anderen Situationen vielleicht ganz anders war, wird generalisiert als das Verhalten in der traditionellen Gesellschaft und mit einer Kulturkritik über den Verfall der angeblich traditionellen Werte vermengt.
Ein eher antiquiertes Buch, für meinen Geschmack auch mit zuviel Mythologie, ich kann es nicht unbedingt weiterempfehlen.