Die Autorin war mir bis dato nur aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bekannt und hat durch ihre Beiträge stets Eindruck auf mich machen können. Beim Stöbern auf Amazon ist mir dann dieses Buch aufgefallen, als Restseller relativ günstig zu haben, wurde es umgehend bestellt.
Im Buch werden zahlreiche Glaubensgrundsätze des Christentums auf Plausibilität und Sinnhaftigkeit untersucht, dabei werden viele der sog. Wundertaten Jesu, seine angeblich göttliche Herkunft und prophezeite Abstammung, seine als Opfertod interpretierte Hinrichtung, dass auf ihn zurückgehende Abendmahl, seine Himmelfahrt und die Seriösität (oder gar Existenz) seiner Apostel stark in Zweifel gezogen. Nebenbei rechnet Uta Ranke-Heinemann auch noch mit dem Pfingstereignis und dem katholischen Marianismus ab. Dabei wird das israelitische und römische politisch-religiöse Umfeld beleuchtet und die Richtungskämpfe zwischen den Aposteln in der Urkirche erörtert.
Auch interessant sind die Kapitel die die apokryphen Schriften des Christentums und die 1947 gefundenen Qumran-Schriftrollen analysieren.
Einzig die Bewertung der Apostelbriefe ist für meinen Geschmack etwas zu kurz geraten. Natürlich muss man sagen, dass die ernüchternden Schlussfolgerungen alles andere als Konsens unter evangelischen oder katholischen Theologen sind, da so ziemlich alles was das Glaubensgebäude des frommen Christen ausmacht zum Einsturz gebracht wird. Trotzdem ist Ranke-Heinemann keine dt. Version eines Dawkins oder Hitchens, denn für sie sind Auferstehung und Existenz Gottes immer noch Dinge an die sie persönlich glaubt. Ihr Gottesbild ist jedoch nicht ein dreieiniges oder das eines Mannes mit Rauschebart, auch Jesus ist für sie kein Gott, sondern sie findet sich damit ab, dass das Wesen Gottes für den Menschen immer unergründlich bleibt und dass es keine Modellvorstellung gibt, die der Realität gerecht werden könne; es ist allerdings ein Gott der in Beziehung zum Menschen steht (wenn auch nicht auf die Weise dass er nach Belieben Religionen 'offenbart' oder stiften läßt, denn die Schriftreligionen sind für sie allesamt Menschenwerk, wenngleich sie der Bibel eine gewisse Schönheit zuspricht).
Wenn man das Buch gelesen hat wird einem deutlich, dass die Suche nach einer Wahrheit im Leben mitunter erst nach Jahrzehnten langsam, dafür aber umso sicherer zum Ziel führen kann. Auch wenn Uta Ranke-Heinemann andere Ansichten als man selbst vertreten mag (bei mir war es so), so wirkt sie am Ende doch recht überzeugend im Vertreten ihrer Standpunkte.