14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Nur für Anfänger, 28. März 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Neil Young. Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Trotz der Tatsache, das ich vor diesem Buch bereits über 10 Young Bücher gelesen habe, habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Doch dann folgte eine Enttäuschung. Keine neuen Infos, teilweise abgeschriebene Textpassagen (so kommt es mir zumindest vor) aus anderen Young Büchern sowie eine wenig aufregende Schreibweise, die der Person und der Musik des Meisters nicht gerecht wird. Für Einsteiger interessant, sonst wertlos!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Deutscher Bildungsbürger trifft Neil Young, 9. September 2006
Rezension bezieht sich auf: Neil Young. Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)
Edo Reents hat Germanistik studiert und über Thomas Mann promoviert. Er arbeitet als Redakteur für die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das steht auf dem Schutzumschlag dieses 308 Seiten, schön gebundenen und mit Lesezeichen-Faden versehenen Buchs von 2005. Ein Inhaltsverzeichnis, eine Discographie, ein Quellenverzeichnis und Schwarzweißfotos von Neil Young und einigen seiner Weggefährten, sowie von den Covern der wichtigsten Platten runden den grundsoliden, wissenschaftlich fundierten Eindruck dieses Werks ab. Auch wenn es zuerst so klingt und auch das Foto des 40-jährigen Autors, Typ Muttis Liebling und Papas Stolz, darauf schließen läßt, es ist dennoch eine flüssig geschriebene, kurzweilige Biographie. Stellenweise drängt sich der Gedanke auf, daß es sich um eine Auftragsarbeit handelt, anläßlich des 60. Geburtstags Youngs. Zyniker könnten behaupten, daß der drohende Tod von Neil Young, der 2005 am Gehirn operiert wurde, die Notwendigkeit einer schnell auf den Markt geworfenen Biographie, um schnelles Geld zu verdienen, mit sich brachte. Ich bin kein Zyniker und glaube Edo Reents, daß er selbst Fan von Neil Youngs Musik ist und sich im Dienste der Sache zurücknimmt, um einen objektiven, kritischen Abstand zu bewahren.
Was wirklich stört an Reents Schreibe, sind die krampfhaft eingestreuten, oft völlig unpassenden Bezüge zu dem, was er in seinem Studium gelernt hat. Da werden haarsträubende Bezüge zu Dostojewskis Der Idiot hergestellt, wenn von einem epileptischen Anfall Youngs berichtet wird. Passender ist der Vergleich von Goethes Werther mit Nirvanas In Utero, denn hier wird der Leser daran erinnert, daß eben manches auch schon einige hundert Jahre früher bereits da war. Aber Reents übertreibt es mit seiner Wissensprotzerei. Ganz schlimm ist etwa folgendes Beispiel: "Jack Nitzsche starb am 25. August 2000 - auf den Tag genau hundert Jahre nach Friedrich Nietzsche und auf den Tag genau ein Jahr vor der jungen Soulsängerin Aaliyah, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.". Na und???
Statt über Boris Becker und Marius Müller-Westerhagen hätte ich gerne mehr über Richard Nixon, Pocahontas und Moctezuma erfahren!
Die Recherche für das Buch dürfte nicht zu schwierig gewesen sein, da gut ein Viertel aus Zitaten anderer Bücher besteht. Da sich die Bücher Neil Young in eigenen Worten und das Buch von Alexis Petridis ohnehin als Steinbrüche daherkommen, kann sich der Neil Young Fan diese beiden Werke sparen, wenn er das Buch von Edo Reents kauft.
Es mag nicht jedermanns Geschmack sein ein Buch von einem eingefleischten Fan zu lesen, aber etwa The mansion on the hill von Fred Goodman hat viel mehr Leidenschaft und Interessantes zu bieten als Reents Buch. Es gibt hier ganz wenig Neues zu erfahren. Das letzte besprochene Album ist Greendale, es fehlen somit Prairie wind und Living with war, sowie die vielen Platten, die hoffentlich noch folgen werden.
Das größte Highlight der Biographie sind die Interpretationen einiger großer Songs von Neil Young. Endlich kann man, zumindest Passagen, aus Liedern wie Ambulance blues oder Tonight's the night nachlesen. Es wird Zeit für The complete lyrics of Neil Young, samt Interpretation jedes einzelnes Songs, geschrieben am besten von einem Redakteur des Rolling Stone, gerne auch von Young selbst.
Neil Young von Edo Reents zeigt den kanadischen Ausnahmemusiker mit den Höhen und Tiefen seiner über 40-jährigen Karriere. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Siebziger Jahren, der besten und wichtigsten Schaffensphase. Gezeigt wird ein widersprüchlicher, enorm produktiver Musiker, der trotz eigenwilliger Stimme und mitunter handwerklichen Defiziten, intensive und zeitlose Klassiker der Rock- und Folkmusik geschaffen hat. Erst nach der Geburt seiner drei Kinder lernte Young sich auch um etwas anderes zu kümmern als ausschließlich seine Musik. Das konservative Frauenbild Youngs, das mitunter harte Vorgehen gegenüber Mitmusikern wie Crosby, Stills und Nash zeigen auch unpopuläre Seiten des Godfathers of Grunge. Die Tatsache, daß Neil Young z.B. mit Punk- und Grunge-Musikern sympathisierte, ohne wirklich deren Musik zu kennen und daß er Sonic Youth zwar als Vorband engagierte, hinter der Bühne aber nicht sehr herzlich behandelte dürfte für Fans, die erst in den Neunzigern dazu kamen, unangenehm aufstoßen. Nur noch getoppt von der Enttäuschung, daß Young zu Hause mit seiner Modelleisenbahn spielt.
Er ist halt auch nur ein Mensch. Selbst wenn seine Musik anderes vermuten läßt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein