Seltene Fotos, sogar Jugend- und Babyfotos von Neil Young! Eine Discography am Ende des Buchs! Allein schon diese Kleinigkeiten machen „Neil and me" zu einer wundervollen Fundgrube für Neil Young Fans. Das eigentliche Buch wäre allerdings auch ohne diese Extras empfehlenswert! Scott Young hat von einer Karriere als großer amerikanischer Schriftsteller, vom Schlage eines Hemingways oder Steinbecks, geträumt. Daraus wurde bis heute nichts, dafür konnte er sich erfolgreich als Sportjournalist behaupten. Seine größte Lebensleistung bleibt es aber der Vater von Neil Young zu sein. Dieses Dasein im Schatten eines alle anderen Familienmitglieder überstrahlenden Prominenten bekommt Scott Young anscheinend besser als Neils Bruder Bob oder Neils zweiter Ehefrau Pegi. Scott Young nutzt das Forum, das ihm diese Biographie über den bekanntesten Rockstar Kanadas des 20. Jahrhunderts bietet, ausgiebig zur Selbstdarstellung. Das liest sich nicht immer interessant, wirkt aber sympathisch. Ohnehin ist es ganz klar ein Buch von einem engen Familienmitglied und immer scheint deutlich erkennbar der Stolz eines Vaters auf die Leistungen seines Sohnes durch. Amüsant ist, daß Scott Young offensichtlich wenig mit der, oft sehr lauten, Musik seines Sohnes anfangen kann und des öfteren froh ist, wenn er ein Konzert vorzeitig verlassen kann. Sein Metier ist das Schreiben und so ist es gut nachvollziehbar, daß er sich in erster Linie von den Texten der Lieder seines Sohnes angesprochen fühlt. Er zitiert reichlich aus den Songs, besonders dann wenn es um ihn geht oder zu gehen scheint.
Auch wenn es sich bei dieser Ausgabe um die überarbeitete Fassung von 1997 handelt, sollte der Leser keine vollständige Neil Young Biographie erwarten. Beleuchtet werden im wesentlichen die Anfänge von Neils erster großer Band Buffalo Springfield in den Sechsigern und der Beginn seiner Solokarriere. Der Schwerpunkt liegt auf den fruchtbaren Siebzigern.
Die Krise der Achtziger, mit persönlichen Rückschlägen und gräßlichen Alben wird kurz abgehandelt. Hier wird besonders deutlich, wie unkritisch dieses Buch ist, denn Scott Young lobt schlichtweg alles was sein Sohn gemacht hat, die Alben „Trans" und „Everybody's rocking", der Film „Human Highway" - Scott Young findet für alles nur begeisterte Kommentare.
Würde das Buch etwas weniger Familienanekdoten und dafür mehr Geschichten über den Künstler Neil Young enthalten, wäre es das Standartwerk über den Schöpfer solch zeitloser Songs wie „Heart of gold", „Don't let it bring you down" und „Rockin' in the free world". So bleibt es ein gutes Buch über Neil Young. Ein Muß für Fans und gelungene Lektüre für den Rest.