Verena Kasts Buch möchte ich jedem Leser ans Herz legen, da Neid und Eifersucht Gefühle sind, um die niemand im Leben herumkommt.
Im ersten Teil ihres Buches widmet sich die Schweizer Analytikerin dem Gefühl des Neides. Sie zeigt auf, wodurch Neid überhaupt ausgelöst wird, wie sich Neid körperlich auf den Neider auswirkt, und sie spricht von Neiderregern und Neidern. Letztere klassifiziert sie: den bewundernden Neider, den ambivalenten Neider, den aggressiven Neider und den aggressionsgehemmten destruktiven Neider.
Frau Kast erklärt ferner, womit die verschiedenen Formen des Neides zusammen hängen und wie bzw. warum die Neiderreger an unbewussten, "importierten" Schuldgefühlen leiden.
Neben Theorien zur Entstehung des Neides finden sich in diesem Teil des Buches auch Neidbiografien und Ansätze zur Neidbewältigung (Steigerung des Selbstwertgefühls, Selbstverwirklichung).
Während Neid eher darauf begründet ist, dass der Neiderreger etwas besitzt (Gaben, Güter, zwischenmenschliche Beziehungen), wonach ihm der Neider trachtet bzw. was er diesem nicht gönnt, hat die Eifersucht (Thema des zweiten Teils des Buches) ihren Ursprung in der Angst vor dem Verlust oder dem Teilen- Müssens des geliebten Objekts (auch Menschen).
Frau Kast setzt sich nicht nur mit der Schwierigkeit, sich zur Eifersucht zu bekennen auseinander, sondern betritt auch Themengebiete wie "die Angst, verlassen zu werden" oder "die narzisstische Kränkung" im Zusammenhang mit diesem Gefühl.
Das Buch hat mit gut gefallen. Insbesondere Menschen aus meinem näheren Umfeld, die jeglichen Anflug von Neid leugnen, konnte ich mit Hilfe dieses Buches restlos enttarnen, aber auch das Selbstwertgefühl von Neiderregern, die dazu neigen, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen (falsche Bescheidenheit).
Schlussfolgerung: je mehr wir uns in uns selbst schaffen, umso weniger beneiden wir andere Menschen um das, was sie haben und umso weniger müssen wir den Verlust anderer befürchten.
Werden wir von anderen beneidet, so brauchen wir keine Schuldgefühle für unseren Erfolg oder unser Können zu entwickeln, sondern dürfen uns selbstbewusst dazu bekennen (Stichwort aus dem Buch: Selbstverwirklichung- hiermit ist nicht gemeint, sich so weit zu verbiegen, zu leugnen und klein zu machen, dass wir anderen gefallen, sondern wir selbst zu sein und uns damit zu gefallen).