Aus der Amazon.de-Redaktion
Hans Jürgen heißen und in Hamburg wohnen: nichts besonderes. Aber Massaquoi heißen, schwarz sein und in Nazideutschland leben: Ja, ging denn das überhaupt? Das Buch erzählt davon.
Als Hans Jürgen klein ist, lebt er beim Großvater in einer Villa mit Personal. Opa ist vornehm und sehr geachtet, Konsul des Staates Liberia. Der kleine Hans Jürgen sieht Schwarze als Herren, Weiße eher als Bedienstete. Eines Tages ist er mit seiner Hamburger Mutter plötzlich allein: Neger, Neger Schornsteinfeger rufen ihm die Kinder hinterher. Nicht lange, denn schnell ist er integriert. Ein kleiner Barmbecker Arbeiterjunge -- nicht mal elektrisches Licht gibt es zu Hause -- mit dunkler Haut und krausem Haar.
Bei der Hitlerjugend hätte er gern mitgemacht, wäre gern auf die Oberschule gegangen, gern Deutscher Meister im Boxen geworden, ja zur Not sogar freiwillig Soldat! Alles das aber gab es nur für Arier. Allerdings, er überlebt: Die Nazis sind mit der Verfolgung der Juden beschäftigt. Was mit Massaquoi geschehen wäre, wenn Deutschland den Krieg gewonnen hätte, der Rassen-Wahnsinn weitergegangen wäre, kann man sich ausmalen.
Wer Ralph Giordanos Die Bertinis gelesen oder als Fernsehfilm gesehen hat, wird hier auch einen Seitenstrang zur dort erzählten Geschichte wiederfinden: Ralph und Hans Jürgen, Jude der eine, schwarz der andere, begegnen sich sogar im Hamburg der Bombenangriffe. Sie sind bis heute miteinander befreundet.
Nach dem Krieg bleibt Massaquois Leben abenteuerlich und endet als amerikanische Erfolgsstory: Nacheinander gelingen ihm der Sprung in die USA, ein Studium und eine Karriere beim Magazin Ebony.
Dicke Leseempfehlung, spannendes Buch, gut übersetzt: Vor dem Verschenken unbedingt selber lesen! --Michael Winteroll
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Audiobook-Rezensionen
Dass es im Nazi-Deutschland wenig Schwarze gab, kann man sich vorstellen. Schon allein deshalb ist die außergewöhnliche Autobiografie von Hans J. Massaquoi, eines schwarzen Deutschen bemerkenswert. Und in Zeiten von ansteigenden neonazistischen Aktivitäten ist diese Kindheitsgeschichte mit Sicherheit ein wichtiges Dokument.
Als kleiner Junge wollte er unbedingt ebenso wie seine Schulkameraden zur Hitlerjugend. Im Teenageralter dann wollte er, wieder nur um nicht ausgegrenzt zu sein, zur Wehrmacht. Beides wurde ihm verwehrt. Der Sohn einer deutschen Krankenschwester und eines liberianischen Vaters kam 1926 zur Welt. Hans-Jürgen lebte mit seiner Mutter in der großbürgerlichen Familie seines Großvaters, des liberianischen Generalkonsuls in Hamburg. Kurz vor Hitlers Machtergreifung blieb er allein mit seiner Mutter in Deutschland zurück - und musste von nun an unter den schlimmsten Diskriminierungen leiden: Er wird vom Spielplatz gejagt, in der Schule ausgegrenzt, zurückgesetzt. Seine braune Haut bewahrte ihn allerdings auch vor dem Kriegsdienst.
Hans J. Massaquoi ging drei Jahre nach Kriegsende nach Liberia und 1950 in die USA. Er studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Bei "Ebony", der bedeutendsten afro-amerikanischen Zeitschrift der USA arbeitete er und wurde später dort Chefredakteur.
Christoph Lindert, bekannter Bühnen- und Filmschauspieler, der sich auch durch zahlreiche Hörbuch-Lesungen einen Namen gemacht hat, liest diese außergewöhnliche Geschichte. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen lässt er die ungeheuerlichen Erfahrungen und Erlebnisse eines Jungen mit brauner Haut lebendig werden. Eines Jungen, der es schaffte, in Hamburg in den Jahren zwischen 1925 bis 1948 zu überleben. Lesung, Spieldauer: ca. 392 Minuten, 6 CD. Auch als MC erhältlich.
-- culture.text
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.