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Negative Dialektik
 
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Negative Dialektik [Taschenbuch]

Theodor W. Adorno
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Kritische Theorie erlebt in der gegenwärtigen Philosophie nicht gerade eine Hochkonjunktur. Bücher wie die Negative Dialektik werden kaum mehr gelesen; allzu sperrig ist der Text, allzu verästelt, dicht und anspielungsreich die Gedankenführung. Sie kommen der Mentalität eines Publikums nicht entgegen, das die Philosophie dem Rationalitätsideal der formalen Logik anzugleichen pflegt und sie damit zu einer Art Denksport regredieren lässt. Wendungen wie diejenige, dass es nach dem Zusammenbruch der klassischen Systemphilosophie gelte, mit der Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes solidarisch zu sein, sind indessen in die Feuilletons eingegangen. Die Wendung ist geeignet die Grundintention des Buches zu beschreiben: Antisystematisch ist darzulegen, dass die Kraft des denkenden Subjekts sich nur in der Kritik erhält, indem sie das System als etwas in Gedanken nicht mehr Herstellbares zeigt. Die Ohnmacht des Denkens deutet zugleich auf die falsche Macht bestehender Verhältnisse und entlarvt die Unmöglichkeit, Vernunft in der Gesellschaft wirklich werden zu lassen.

In diesem Kontext ist eine der Grundeinsichten Adornos die Diskrepanz zwischen dem begreifenden Denken und seinem Gegenstand. Gerade das, was dem identifizierenden Gedanken entgleitet, was er als allgemeiner vom Besonderen abschneidet, wäre auf den Begriff zu bringen. Dies geschieht mittels der Dialektik, die deshalb negativ heißt, weil sie, anders als bei Hegel, die Negation nicht wieder in die affirmative Setzung einer versöhnenden Position aufgehen lässt. Aber gerade im Festhalten der Negativität manifestiert sich die Solidarität mit der Metaphysik und überlebt die Sehnsucht nach der nicht mehr möglichen Versöhnung. Damit ist die Negative Dialektik der subjektphilosophischen Tradition des Deutschen Idealismus verpflichtet, nämlich als deren bestimmte Negation. --Jens Kertscher

Kurzbeschreibung

Adorno rechtfertigt in diesem Buch sein philosophisches Verfahren; er legt seine Karten auf den Tisch, gibt eine Methodologie seiner materialen Arbeiten. Exemplarische Modelle legen den Weg zu einer nicht nur versicherten philosophischen Konkretion frei, die den schlecht abstrakten Gegensatz von "reiner" Philosophie und sachhaltigen Wissenschaften aufhebt. Die Einleitung exponiert den Begriff philosophischer Erfahrung. Der erste Teil liefert eine immanente Kritik der Ontologie, von deren Ergebnissen der zweite Teil zur Idee einer negativen Dialektik fortschreitet. Der dritte Teil führt Modelle negativer Dialektik aus: "Freiheit. Zur Metakritik der praktischen Vernunft"; "Weltgeist und Naturgeschichte. Exkurs zu Hegel"; "Meditationen zur Metaphysik" - Modelle, die zugleich Entwürfe einer neuen Moral- und Geschichtsphilosophie darstellen.


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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Peter Samol TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Vielen, wenn nicht allen, die sich ausgiebig mit Philosophie beschäftigten, ergeht es früher oder später so, dass sie auf einen Autor bzw. eine Schule stoßen, die ihnen zumindest fürs erste einleuchtend erscheint. So werden sie zumindest zeitweise zu Anhängern der betreffenden Richtung. Vieles erscheint durch die so erworbene Sichtweise in einem neuen Licht und wird dadurch klarer oder überhaupt erst erkennbar. Dieser nicht zu verachtende Zugewinn an Wahrnehmungsfähigkeit hat jedoch auch seinen Preis. Unvermeidlich werden dabei andere Aspekte, Teile der Dinge, ja fast immer sogar ganze Gegenstandsbereiche unserer Welt als irrelevant gebrandmarkt und damit aus der erworbenen Wahrnehmung ausgeschlossen. Diese Erfahrung gilt übrigens nicht nur für die Philosophie, sondern letztlich für jede Wissenschaft bzw. Erkenntnisweise (ganz zu schweigen von Scharlatanerien wie etwa Religionen, Esoterik oder auch das Gros der Gesundheitsmoden, die letztlich NUR Erkenntnisausschluss und noch nicht einmal eine echte neue Sichtweise der Dinge bringen). Jeder Mensch hat daher auch mulmige Gefühle beim Erwerb einer neuen Sichtweise der Dinge. Nur werden diese in aller Regel ignoriert und anschließend verdrängt bzw. schlicht vergessen. Im schlimmsten Fall wird man zum Anhänger einer Doktrin und verhärtet sich gegen alles, was nicht passend ist. Oder aber genauso schlimm: Man erkennt das Grundproblem und reagiert darauf mit einem vollkommen gleich-gültigem Relativismus. Hier besteht der schlimmste Fall darin, dass man sich nahezu restlos von allem kritschen Denken lossagt und auch dem allergrößten Unsinn nichts mehr entgegen zu setzen hat. Nicht zuletzt ist auch die "Flucht" in einen totalen Skeptizismus, der sich jeglicher Erkenntnismöglichkeit verweigert, keine wirkliche Alternative.

Ein mächtiges Gegengift gegen all diese Haltungen stellt Adornos Negative Dialektik dar. Mit Adorno entgeht man sowohl der Verhärtung der Dogmatik als auch den Vergleichgültigen eines wurschtigen Relativismus wie eines allen auflösenden Skeptizismus. Seine Negative Dialektik ist ein Denken in Bewegung, auch gegen das Denken und seine Form selbst. Es lässt andere Aspekte und Seiten des Lebens, auch Gefühl, zu. Es ist Denken gegen alle Gewissheiten, auch die eigenen, das sich selbst aber dennoch nicht einfach in die völlige Geistlosigkeit oder Vergleichgültigung entlässt.

Adorno arbeitet sich hauptsächlich an der positiven Dialektik Hegels (bwz. an dessen "positiver Negativität", wie er sie auch nennt) sowie an der seinerzeit gerade populären Seinsphilosophie Heideggers ab. Dennoch ist das Buch auch heute noch aktuell. Seine scharfsinnige Kritik lässt sich ebenso hervorragend gegen den Relativismus bzw. Ästhetizismus von Postmoderne und Dekonstruktion wie auch gegen die technokratischen Verhärtungen des Neoliberalismus in all seinen Erscheinungsformen mobilisieren.

Wie aber erschließt man sich dieses nicht gerade einfach zu lesende Werk? Anders als andere Rezensenten möchte ich von der vorangehenden Lektüre anderer Bücher Adornos abraten. Keines davon erschließt sich seinerseits leichter. Meines Erachtens ist die Negative Dialektik sogar eines der klarsten und am besten zu verstehenden Bücher Adornos. Was leider nicht bedeutet, dass es nun seinerseits wirklich leicht zu lesen wäre. Ich weiß auch nicht, ob Sekundärliteratur zu Adorno hilfreich ist. Meine Empfehlung lautet vielmehr, sich erst einmal mit den Autoren zu befassen, an denen Adorno sich abarbeitet. Dabei nun könnte zumindest fürs erste Sekundärliteratur genügen. Konkret bedeutet das 1) eine Auseinandersetzung mit der Erkenntnistheorie von Immanuel Kant. (Da ich selber den wirklich dornigen Weg Weg der direkten Lektüre beschritten habe, kann ich keine echte Empfehlung für passende Sekundärliteratur abgeben, aber bisher hat mich der Marix-Verlag in dieser Hinsicht noch nie enttäuscht.) 2) Eine gute Einführung in Hegels Dialektik. Empfohlen seien: Thomas Sören Hoffmann: Hegel - Eine Propädeutik (marixverlag) sowie Walter Jaeschke: Hegel. Handbuch Leben-Werk-Wirkung (Metzler Verlag). Das erste Buch ist billiger, gut sind beide. Und sie ergänzen sich gegenseitig hervorrragend. Am besten also beide lesen. Mit dieser Grundlage kann man schon recht gut an das Denken Adornos anschließen. Empfohlen sei auch 3) die immer noch gute und äußerst fachkundige Rowohlt-Monographie zu Heidegger von Walter Biemel. Aber Heidegger wird von Adorno recht gut referiert, so dass man sich hier nicht unbedingt allzu sehr vorbereiten muss. Ach ja: Grundkenntnisse der Kritik der politischen Ökonomie von Marx wären auch nicht zu verachten. Hier sei 4) das zur Zeit sehr populäre Buch von Michael Heinrich: "Kritik der politischen Ökonomie - Eine Einführung" empfohlen. Das ist jetzt zugegeben eine Menge Vorbereitung. Aber den Mount Everest besteigt man ja schließlich auch nicht einfach in Jeans und Turnschuhen.

Einige Kritik kann ich dem seligen Herrn Adorno leider nicht ersparen. Was wirklich schwer nervt, ist seine bildungsbürgerliche Dünkelhaftigkeit. Dabei ist seine bekannte Marotte, das Wörtchen "sich" in den nicht gerade kurzen Sätzen so weit wie möglich hinten unterzubringen, noch die harmloseste. Daran hat man sich sehr schnell gewöhnt. Viel schlimmer ist die reichliche und nicht selten überflüssige Verwendung von vollkommen ungebräuchlichen Fremdworten, von denen sich viele bis heute noch nicht einmal im Duden (!) finden lassen. Am allerschlimmsten aber sind die gelegentlich vorkommenden altgriechischen Wörter in altgriechischer Schrift - die noch dazu aufgrund der geringen Druckqualität kaum voneineander zu unterscheiden sind. Das können nun wirklich nur Musterabsolventen humanistischer Gymnasien lesen. Hier ist auch Kritik am Verlag angebracht, der sowohl angesichts der Fremd- wie auch der altgriechischen Lehnwörter gut daran getan hätte, einen entsprechenden Anmerkungsapparat zur Verfügung zu stellen. [Sofern es eine solche Ausgabe gibt, wäre ich für einen Hinweis in der Kommentarfunktion sehr dankbar.]

Generell will sich mir bis heute nicht wirklich erschließen, warum sich kritisches Denken und allgemeine Verständlichkeit gegenseitig ausschließen sollen. Letzteres eine Auffassung, der Adorno (und nicht nur er) leider anhing. Wegen dieser Kritik nun aber Punkte in der Wertung abzuziehen, das wäre reichlich kleinkariert. Zumal gerade ein solch schematisches Wertungssystem jede Menge von den Dingen abschneidet. Es ist so banal wie es wahr ist: Schon hier beginnt bereits Negative Dialektik. Damit hört sie aber noch lange nicht auf.
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Format:Taschenbuch
Adornos methodologisches Hauptwerk, die Negative Dialektik, eröffnet der Satz: "Philosophie, die einmal überholt schien, erhält sich am Leben, weil der Augenblick ihrer Verwirklichung versäumt ward." Adorno meint hier den historischen Augenblick, der einmal die Möglichkeit praxismächtiger Kritik an einer Theorie, die die Welt nur interpretiert hatte, zu verbürgen schien. Dass diese Chance in der Geschichte versäumt wurde, zwingt den Erkennenden zur Solidarität mit jener Philosophie, die ihre Wahrheit doch nur in ihrer Verwirklichung gefunden hätte. Es geht also um Solidarität mit der "Metaphysik im Augenblick ihres Sturzes". Denn wahr sei sie nur noch im Moment ihres Zerfalls, dem Gegenbild ihrer Aufhebung. Diese negative Dialektik bringt Adorno auf dem Schauplatz des Ästhetischen zur historisches Selbstreflexion.
Für Adorno ist die Gegenwart durch einen unheilbaren Riss zwishen Theorie u. Praxis, Subjekt u. Objekt gekennzeichnet. Um diesen Abgrund artistisch und modellhaft zu überbrücken, versucht Adorno, eine wahrheitsmächtige ästhetische Theorieform von den traditionellen Erkenntnisformen abzulösen. Das verleiht seinem Werk den Charakter eines Ensembles von Modellanalysen, die sich zu einem essayistischen Mosaik ordnen. Sie entziffern ästhetische Formen als geschichtlich abgelagerte Inhalte und bestimmen ihren gesellschaftlichen Erfahrungsgehalt. Im kritischen Verweilen vor dem ästhetischen Rätsel verwandle sich Wahrheit zur säkularen Transzendenz, die sie dem Zugriff positiver Theorie entziehe. Adornos Interpretationen sind nicht auf eine systematische Ästhetik hin
ausgerichtet, sondern verbinden wirkungsgeschichtliche Feldlinien in Nervenpunkten einer geheimen Geschichtsphilosophie, die in Gestalt einer Ästhetischen Theorie auftritt.
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19 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wem der Einstieg in Adornos Denken über die "Minima Moralia" oder die "Stichworte" bereits gelungen ist, macht hier mit Adorno richtig große Schritte. An vielen Stellen gerät das eigene Denken ins Stocken und doch muß man Adorno folgen in seinen dialektischen Wendungen, die zuletzt auch die Methode der Negation selbst negiert. Zentraler Gedanke ist die Forderung nach Erkenntnis, die sich nicht mehr ans Denken und den Gedanken als Moment der Naturbeherrschung heftet. Dieses Moment findet sich bei Adorno in der Kunst, weshalb sich die Lektüre der "Ästhetischen Theorie" anschließt. Als Spätwerk Adornos faßt die "Negative Dialektik" die wichtigen Zweifel Adornos am menschlichen Denken zusammen und ist mit Sicherheit eine der fruchtbarsten Auseinandersetzungen mit den Möglichkeiten menschlicher Erkenntnis.
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