Teil zwei der Necroscope Saga endete mit einer Schlacht, in deren Verlauf Keogh, den Sitz des russischen E-Dezernates auf Schloß Bronnitsy mit Hilfe einer Gruppe untoter Tataren angegriffen hat.
Doch so erfolgreich Harrys Attacke auch war, konnte er das Böse nicht endgültig besiegen: Das uralte Ding hat tief in der Wildnis Rumäniens seine Saat gelegt und diese ist schon weiter gediehen, als es den Menschen lieb sein kann.
Doch von all dem ist Ende August des Jahres 1977 zunächst noch nichts zu merken:
Die Russen haben einen schweren Schlag erlitten, aber sie sind ebenso wenig am Ende, wie es die Wamphyri und schon findet sich ein neuer Vorgesetzter für das russische E-Dezernat. Felix Krakowitsch erhält die Beförderung von Leonid Breschnew selbst und macht sich umgehend an die Beseitigung der Überreste von Tartaren und Dragosani.
Unterdessen sind auch die Engländer nicht untätig und Alec Kyle, hat die Arbeit ebenfalls aufgenommen.
Kyle steht weiterhin mit Harry in Kontakt - wenn auch auf ungewöhnlichem Wege, denn der Totenhorcher existiert mittlerweile nur noch als körperloser Geist im Möbius Raum und er hat keine guten Neuigkeiten:
Thibor Ferenczy hatte mit dem Boris Dragosani zwar einen mächtigen Verbündeten, doch hat der alte Teufel sich keineswegs darauf verlassen, dass der Necromant die Schlacht gegen die Lebenden alleine würde schlagen können und so hat er einen zweiten Trumpf, einen Schläfer in Großbritannien, der in diesen Tagen zu seinen vollen Kräften gelangen und einen neuen Krieg zwischen Menschen und Vampiren anführen wird: Yulian Bodescu ist die aufgegangene Saat des untoten Walachen & was Dragosani an Grauen entfesselt hat, ist kaum mehr als der Startschuss dessen, wozu dieser äußerst mächtige Halbvampir fähig ist.
Harry Keogh sieht nur eine Chance im Kampf gegen diese neue Gefahr und die liegt in der Einheit - mitten in den Wirren des kalten Krieges fordert er Kyle auf, unverzüglich mit Krakowitsch Kontakt aufzunehmen und ihr Vorgehen abzustimmen.
Doch Yulian Bodescu hat keineswegs vor, auf die Eingreiftruppen des britischen E-Dezernates zu warten und noch während sich die Chefs der Geheimdienste im neutralen Italien treffen, beginnt in Großbritannien das Morden.
Mit Kreaturen der Nacht liegt nun auch endlich der dritte Teil als Hörbuch vor und wenn das Warten damit auch erst einmal ein Ende hat, so hat es doch auch gleich wieder einen neuen Anfang.
Teil drei kommt die undankbare Aufgabe zu, die Verhältnisse zu ordnen, die Figuren zu positionieren und neue Spieler einzuführen.
Bodescu steht Dragosani in dämonischer Faszination in nichts nach, im Gegenteil, die Umstände seines Heranwachsens sind Horror vom Feinsten und macht Lust auf mehr, eine Erwartungshaltung, die Lumley aber nur zum Teil erfüllt. Denn Keogh ist sich sicher: Der Schlüssel zum Sieg gegen die Vampire liegt in ihrer Vergangenheit und so nimmt die Geschichte Thibors einen Großteil des Hörbuchs ein. Auf der einen Seite kann Lumley mit seinen Schilderungen des mittelalterlichen Rumäniens durchaus punkten, dennoch erschließt sich dem Hörer nicht, wozu dieser Rückblick gut sein soll, wo doch die Gegenwart mehr als ausreichend Probleme hat. Yulians Kindheit, die nur grob umrissen wird, hätte hier vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit verdient, doch kommt man nicht umhin, Lumley, an dieser Stelle zu seiner Virtuosität zu gratulieren, mit der er die verschiedenen Genres und Subgenres des Horrors mischt. Einmal mehr ist es LPL Records gelungen, Necroscope auf schauerliche Weise zu vertonen. Als Sprecher konnte Lutz Riedel gewonnen werden und ob er mit hoher, ebenso distanzierter Stimme den Spott und die Verachtung eines Fetor spricht oder mit tiefem Entsetzen beschreibt, was ein Familienvater in den Kellergewölben seiner Schwägerin vorfinden muss, stets findet Lutz Riedel Zugang zu den Figuren und den Szenen und verwandelt den CD Player in eine Bühne des Schreckens.
In diesem Zusammenhang ist auch die musikalische Untermalung zu erwähnen, die wohl dosiert Akzente setzt und durch verlängerte Pausen und abrupte Unterbrechungen der Handlung eine Klangkulisse schafft, die einen tiefer eintauchen lässt.
Einziges Manko ist der Umstand, dass die Erzählung erstmalig als gekürzte Fassung vorliegt, denn mag das Hörbuch in dieser Form die Handlung auch straffen und konzentrieren, so hätte man sich doch lieber noch zwei oder drei CDs dazugewünscht ...