Sollte man Zyklen in der Mitte, beziehungsweise fast am Ende beginnen? In diesem Fall kann ich ruhigen Gewissens sagen ja. Necroscope 10 ist spannend und fesselnd erzählt, weckt auf jeden Fall die Lust daran, weiterzulesen oder sich die vorhergehenden Bände zuzulegen. Der Autor erzählt seine Geschichte routiniert, vor allem im ersten Kapitel kommt man überhaupt dazu einmal Atem zu holen. Etwas neues kann bei dem Thema Vampire allerdings nicht festgestellt werden. Eher erweckt es stellenweise den Eindruck, als habe man sich sehr am „Urtext" Bram Stokers orientiert. Auch die, nicht gerade wenigen Explosionen erscheinen wie ein leichter Hang zur Übertreibung.
Dagegen aber können vielschichtige, unterschiedliche Charaktere aufbieten, deren ganze Farbenpracht sich erst im Verlauf des Romans erschließt. Die Gefühls- und Verhaltenswelt der Figuren wirkt sehr realistisch, stellenweise hat man das Gefühl, ihre raunenden Stimmen nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören. Allein die Hauptfigur Harry Keogh hat in dieser Hinsicht einen tiefen Eindruck hinterlassen. Er leidet, kämpft, lacht und siegt mit ganzem Herzen und ganzer Seele, und der Leser sieht sich genötigt, ihm zu folgen, da dieser Necroscope einfach faszinierender wird auf jeder Seite des Romans.
Der kleine Wermutstropfen ist eben die Tatsache, daß es sich um einen Zyklus handelt. Man kann dem Roman folgen, doch gibt es immer wieder Rückblicke auf Geschehnisse, die in den vorhergehenden Bänden geschildert wurden. Und teilweise irritieren diese Hinweise sehr, vor allem im ersten Kapitel.
Dennoch Necroscope 10 - Duell der Vampire ist ein spannendes, actionreiches Buch mit lebendigen Figuren. Man wird es kaum noch aus der Hand legen wollen, wenn man einmal angefangen hat, es zu lesen.