"Das Erwachen" ist der erste Band von Brian Lumleys erfolgreicher Horror-Serie "Necroscope", die als deutsche Erstveröffentlichung im Festa-Verlag erscheint. Dabei handelt es sich bei dem vorliegenden Band nur um die erste Hälfte des englischen Originalromans "Necroscope". Die Fortsetzung wurde als "Necroscope 2: Vampirblut" veröffentlicht. Prinzipiell ist es nachvollziehbar, dass ein englischer Roman, wenn er im Deutschen zu umfangreich werden würde, zweigeteilt wird. Dies ist jedoch bei "Necroscope" nicht der Fall. Gerade 192 Seiten umfasst der vorliegende Band. Wenn man für den zweiten Teil in etwa denselben Umfang annimmt, so kommt man auf eine Gesamtseitenzahl um die 400 Seiten, was eine vertretbare Größe für einen Einzelroman ist. Bei zwei Büchern, von denen jedes einzelne bei etwa 200 Seiten 10 Euro kostet, stößt diese Praxis aber auf Unverständnis. Daher gibt es ein dickes Minus für das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das Cover ist sehr atmosphärisch gestaltet. Eine grauenerregende Fratze, eine Mischung aus Schlange und Vampir, starrt den Leser an. Autorenname und Titel sind in dazu passendem Rot gehalten. Leider ist das Buch nur als Taschenbuch verfügbar.
Die Geschichte selbst ist spannend geschrieben, auch wenn der Handlungsablauf teilweise sehr vorhersehbar ist. Einzelne Passagen, wie die Dialoge zwischen Dragonasi und dem Wamphyri, sind von überraschender Naivität und Theatralik. Dennoch gelingt es dem Autor, Spannung zu erzeugen, und gerade Harry Keogh, der in sich gekehrte Außenseiter, funktioniert gut als Identifikationsfigur für den Leser. Allgemein lässt sich sagen, dass Lumleys Figuren keine bloßen Archetypen darstellen, sondern einen eigenen Charakter besitzen.
Man merkt "Necroscope 1: Das Erwachen" an, dass es sich um ein frühes Werk des vielgerühmten Brian Lumley handelt. Die Erzählung weist große zeitliche Lücken auf, ebenso erscheint der Schreibstil teilweise eher einem Heftroman angemessen, sodass sich der Leser nur sehr vorsichtig auf das Werk einlässt. Dazu trägt auch die Aufteilung der deutschen Fassung in zwei Bücher bei, welche den vorliegenden Band mehr wie einen Prolog zu einem groß angelegten Epos, denn einen Roman erscheinen lässt. Dies macht den relativ hohen Preis von 10 Euro umso ärgerlicher. Dennoch zeigt die Geschichte Potential. Das Konzept des Totenhorchers Harry Keogh ist originell und sorgt trotz seiner Schwächen für ein paar kurzweilige Stunden, was den Rezensenten dazu veranlasst, den Necroscope-Zyklus nicht so schnell aufzugeben. So schafft es der erste Band auf eine durchschnittliche Bewertung, in der Hoffnung, dass das Vertrauen, das der Rezensent schenkt, belohnt wird.