Es ist wirklich schade, dass Brian Lumley hierzulande noch nicht zu der Popularität gekommen ist, die ihm angemessen scheint. Er gehört nicht zu jenen Autoren, die in unglaubliche, Science-Fiction-verwandte Storys ausschweifen, sondern zeigt durch die wechselhaften Charaktere und Schauplätze eine Objektivität und Vielfältigkeit, was das Beschreiben von Situationen und Schauplätzen betrifft. So wechselt er zum Beispiel zwischen einem Geheimdienst in der ehem. Sowjetunion zu einer Schulklasse in Großbritannien. Die Unterschiede, gerade in der Wahrnehmung der Charaktere, die er zu beschreiben fähig ist, ist einfach überwältigend. Die Geschichte räumt auf mit üblichen "Vampirklischees", die seit Dracula immer wieder minder oder gar nicht talentierte Autoren mit sich bringen. Er schafft eine neue literarische "Rasse" des Vampires.
Für den ersten Teil erhielt Brian Lumley einen mindestens kongenialen deutschen Vorleser- Joachim Kerzel, der der vielbeschäftigste und zurecht beliebteste deutsche Synchronsprecher ist. Wie in vielen anderen seiner Audiobook-Werke führt er sich exzellent in die Handlung hinein, interpretiert und beginnt mit der Zeit seine Figuren zu spielen, genauso wie er es in den Synchronarbeiten von Anthony Hopkins, Jack Nicholson oder Dustin Hoffmann macht. Er verleiht den Figuren einen eigenen Charakter, er erweckt sie förmlich zum Leben.
Was mich an dem Hörbuch gestört hat, war die "Titelmusik", die auf jeder CD ungefähr dreimal aufgetaucht ist, und- wenngleich sie sie unterstreichen sollte- die Atmosphäre ein kleines Stück zerstört hat. Auch ist die Lesung keinesfalls "inszeniert", da ich dieses "musikalische Gedudel" nicht als "Inszenierung" bezeichnen kann. Aber eine Inszenierung ist bei einer Vorlesung von Joachim Kerzel nicht wirklich von Nöten, meiner persönlichen Meinung nach würde sie sogar die Atmosphäre stören.
Des weiteren frage ich mich, ob noch weitere Umsetzungen der Reihe geplant sind. Im Falle, dass dem nicht so ist, wäre diese Umsetzung leider nutzlos, da sie- wie man gegen Ende merkt- einer Fortsetzung bedürft.
Diese beiden Punkte (die Musik und die Ungewißheit über eine Fortführung) lassen mich in diesem Falle lediglich vier Sterne vergeben, wenngleich ich das Audiobook wirklich *jedem* Horror- und Kerzelfan (letzteren sowieso) empfehlen kann.