Nicholas Valiarde ist zum Dieb geworden, seit sein Ziehvater Edouard Viller unschuldig hingerichtet wurde. Ihm wurde vorgeworfen, eine Frau ermordet zu haben, um einen nekromantischen Zauber wirken zu können. Das posthum seine Unschuld bewiesen wurde, konnte diese Ungerechtigkeit nicht ungeschehen machen. Doch Nicholas weiß, es ist Count Montesq, der eigentlich hinter allem steckt. Nicholas Ziel ist es nun, den Count am eigenen Leib spüren zu lassen, wie es ist, wenn man für etwas gerichtet wird, was man gar nicht getan hat. Deswegen lauert er ihm ständig auf und macht ihm das Leben schwer, wo er nur kann. Deswegen bricht er auch im Mondollot House ein, wo etwas zu holen ist, was Montesq endgültig zugrunde richten könnte. Doch dabei kommt er jemand anderem in die Quere, der sich im Keller nach etwas gänzlich anderem umgesehen hat.
Dr. Octave sucht Nicholas noch am selben Abend in seinem Haus auf, weil er vermutet, dass der Dieb zu viel über ihn weiß. Auch er hat etwas aus Mondollot House mitgenommen, doch weiß Nicholas nicht, was. Andersherum ist es genauso. Deswegen versuchen nun beide etwas vom anderen zu erfahren. Als die Situation eskaliert, erschießt Nicholas Dr. Octave, doch dieser stellt sich als Golem heraus. Der echte Doktor befindet sich also woanders. Nicholas und die Menschen, die er um sich versammelt hat, haben nun also einen gefährlichen Gegner, der sich offenbar mit Nekromantie auskennt und ein mächtiger Zauberer zu sein scheint. Bevor Nicholas sich weiter um Montesq kümmern kann, gilt es also Dr. Octave auszuschalten, das erweist sich jedoch als äußerst schwieriges Unterfangen.
"Necromancer" von Martha Wells ist zwar ein fantastischer Roman, aber er bietet noch mehr als das. Die Welt, in der er spielt, ähnelt dem späten 18. Jahrhundert, Städte und Straßen sind jedoch vollkommen fiktiv und es gibt Magie, die absolut selbstverständlich ist. Allerdings beherrscht sie nicht jeder und es gibt auch Zweige, wie die Nekromantie, die verboten sind.
Man wird von der ersten Seite an mitten in die Handlung katapultiert. Die Autorin gibt keine separate Einweisung in die Welt, sondern lässt die Informationen dazu nach und nach einfließen und behandelt alles so, als wäre es selbstverständlich. Dadurch fällt der Einstieg in den Roman ein wenig schwer, doch hat man sich einmal eingefunden, wird man mit einer spannenden Geschichte belohnt.
Nicholas ist auf einem Rachefeldzug, bleibt dabei aber immer ein charmanter Gentleman, den man mag und dessen Beweggründe man nachvollziehen kann. Er erinnert ein wenig an die Romanfigur "Arsène Lupin". Der französische Dieb war ebenso wie Nicholas ein Meister der Verkleidung kämpfte nur dann, wenn er keine Wahl hatte. Die Parallelen sind nicht zu übersehen. Doch Martha Wells' Geschichte spielt in einem anderen Umfeld, was ihr einen zusätzlichen Reiz verleiht. Obwohl die Magie allgegenwärtig ist, spielt sie doch nur eine untergeordnete Rolle. Sie ist vielmehr selbstverständlich, als das man genauer über sie reden müsste.
"Necromancer" stellt eine gelungene Mischung aus Krimi und Fantasyroman dar. Wer schon immer mal wissen wollte, wie Sherlock Homes oder Arsène Lupin sich in einer fantastischen Umgebung schlagen, macht hier sicher nichts falsch. Intrigen, Geheimnisse und kompliziert miteinander verstrickte Handlungsebenen sorgen für ausreichend Lesespaß.
Leider ist das Cover völlig unpassend gewählt, es impliziert eine Geschichte, die in einer modernen Welt spielt und hat absolut nichts mit dem zu tun, was sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Hier hätte man sich ein wenig mehr Feingefühl bei der Gestaltung vom Verlag gewünscht.