Wir alle, die wir im "Gesundheitssystem" arbeiten, kennen (fast) alles, was der ehemalige Hauptgeschäftsführer eines Pharmagiganten uns da sozusagen aus erster Hand berichtet. Und wir lernen erneut, dass immer und überall Gier, Egoismus, Brutalität, Lug und Betrug entscheidende Triebfedern unseres Handelns sind: bei der Politik ebenso wie in der Industrie, bei geistiger oder körperlicher Arbeit, auf allen beruflichen Ebenen, in Ost wie in West, in der ersten und in der sog. dritten Welt. Natürlich auch in der Medizin. Dort ist es besonders schäbig.
Zusammenfassend also eine gute Sache, dies authentisch geboten zu bekommen in dem Lebensbericht des geborenen Inders aus Südamerika, der uns schildert, wie er es vom skrupellosen Zeitungswerber mit Fleiß, Ideenreichtum, einigen Studienjahren und etwas Glück zu einer hohen, gut dotierten Position in der Pharmaindustrie geschafft hat. Die hat ihn schließlich fallen lassen. Vielleicht, weil seine Hautfarbe doch nicht in diese hohen Etagen paßte, die "Verkaufsmethoden" (Bestechungen) trotz bester Erfolge wohl doch zu gefährlich schienen oder warum auch immer.
Irgendwann viel später (das ist mein erster Punkt der Kritik) ist dem Autor dann eingefallen, wie schäbig das System (und mit ihm er selbst) handelt und hat mit diesem Buch einen Aufklärungsfeldzug begonnen. "Warum erst jetzt?" fragt man sich, ist das Schäbige, was er beschreibt, nicht schon von Anfang an so schäbig gewesen?
Der zweite Punkt meiner Kritik: Das Buch ist ein wenig flapsig geschrieben. Nun gut, vielleicht ist das sein besonderer Stil. Nur: für eine ernsthafte Diskussion fehlen exakte Zahlen. Alles ist zwar sehr schlüssig vorgetragen, ein wenig im Stil der "Bildzeitung" oder des "Stern", aber meine eigenen Recherchen bestätigen die behaupteten Daten keineswegs so eindeutig. Will sagen: von einer einigermaßen wissenschaftlich hieb- und stichfesten Argumentation sind wir weit entfernt. Aber genau das wäre dringend nötig.
Und schließlich: Drucktechnisch ist das Buch schlampig gemacht (Ziffern für die Lit.hinweise, Unterbrechungen im Druck, Schreibfehler etc.). Aber vielleicht war es schwer, einen wirklich guten Verlag mit ordentlichem Lektor zu finden, bei dieser heißen Thematik. Die, um das zum Schluß nochmals ganz klar zu sagen, es wert ist, immer wieder betont zu werden, dafür dem Autor Dank!
PS: Ein Stern mehr!! Ein langes Telefonat mit dem Autor verbesserte meinen Informationsstand: Der lange Zeitraum zwischen der Tätigkeit bei jener Pharmaindustrie und diesem Buch findet seine Erklärung in so etwas wie einer "Schweigeverpflichtung" nach seinem Austritt aus der Firma. Und die dürftige drucktechnische Darstellung geht wohl auf Probleme mit dem Verlag (Insolvenz etc.) zurück. Immerhin habe ich noch erfahren, dass an einem weiteren Werk gearbeitet wird: man darf gespannt sein! E.U.