Die 70`er Jahre in einem kleinen Dorf in Niedersachsen. Es ist Sommer, Zeit für die erste Liebe, die ersten zarten Annäherungsversuche aber auch die Zeit zwischen Kind - sein und erwachsen - werden.
Die Idylle trügt: Hinter der gutbürgerlichen Fassade lauern Gewalt, Bigamie, Betrug und Inzest, lauert ein wahres Höllenloch - eine Mördergrube! Ein kleinbürgerliches Sodom und Gomorrha.
Bereits nach wenigen Seiten sind die Parallelen zu Grace Metalious "Peyton Place" überdeutlich. Auch hier werden die Fassaden beiseite geräumt und ein gnadenloser, definitiv voyeuristischer Blick auf die Menschen ist das einzige Tragmittel, die einzige Verbindung zwischen den schemenhaft beschriebenen Kapiteln - die sind dann auch konsequenterweise oft nur zwei Seiten lang.
Warum nun also nur ein Stern?
Zunächst einmal wird über deutlich, dass hier ein junger, recht ungeschickter Autor seinem Thema nicht gewachsen ist. Zwischen unmotivierten Figuren, mit reißbretthafter Charakterisierung und stereotypen Szenen sieht sich der Leser gefangen in etwas, das unbedingt ein Roman hätte werden sollen, so aber gerade mal zur surrealistischen Kurzgeschichte reicht, wobei "surrealistisch" hier nicht als Auszeichnung verstanden werden darf.
Die gute Nachricht: Das Buch ist kurz. Nach zwei Stunden ist es vorbei - für die Protagonisten aber auch für den Leser, der erleichtert aufatmen wird.
Auf Bildzeitungsniveau wird sensationsgierig von einem kleinbürgerlichen Eklat zum nächsten geschrieben. Das ist billig, oftmals mühevoll konstruiert und liest sich auch genau so.
Wie der Aufkleber "KrimiWelt - Bestenliste" auf das Buchcover kam, wird nicht klar, sicher eine Verwechslung, denn das Buch ist weder Fisch noch Fleisch - und schon gar kein Krimi.
Es gibt sehr gute Romane, die sich mit dem Übergang von Kindheit zum Erwachsenen beschäftigen, neben Klassikern wie "Peyton Place" und Bradburys genialem "Das Böse kommt auf leisen Sohlen" sind das in neuere Zeit Simmons "Sommer der Nacht" sowie McCammons "Unschuld und Unheil". Vorlagen, bei denen sich der Autor dann auch kräftig bedient, ohne deren Glanz kopieren zu können.
Wer diese Bücher kennt, wird hier nichts Neues oder Überraschendes finden.
Auch sprachlich ist Kiesbye schlicht gestrickt, Freude am Spiel mit Wörtern oder an Formulierungen kommen beim Autor nicht auf.
Einfache Sätze, einfache Handlung. Einfach langweilig.
Gut ist, dass es Besseres gibt.
Zahnschmerzen zum Beispiel.