Was passiert, wenn einer Gruppe abenteuerlustiger Fantasyfans zum Samhain-Fest ein Ritual irrtuemlich so gut gelingt, dass ein Tor nach „Nebenan" geoeffnet wird? Ja, richtig gehoert, gleich nach Nebenan; was in diesem Falle bei Koeln und in der Schneeifel liegt. Tja, dann gelangen nebst seiner elbischen Hoheit, dem Erlkoenig, der luestern-betruegerische Graf Cagliostro und ein Werwolf, der sich als Hund fuehlt, in die Welt der Menschen. Einer Schar mit High-tech Geraeten ausgeruesteten Heinzelmaenner gefaellt dies gar nicht. Um die Seinsdimensionen wieder ins rechte Lot zu ruecken, organisieren sie nun ihrerseits einen Trupp irischer MythologieheldInnen, die ins Nebenan einfallen. Daneben mischen noch das BKA, die Heilige Inquisition und ein Promi-Zahnarzt mit Tierbefreierambitionen mit.
Dass dies zu komischen Verwicklungen und extrem amuesanten Leseminuten fuehrt, ist dem Witz und der Vorstellungskraft des Autors Bernhard Hennen gut zu schreiben. Hennen zeigt, dass Fantasyliteratur nicht zwangslauefig mit heroischen Gestalten gespickt sein muss, sondern dass fuer den einen oder anderen Antihelden durchaus Platz ist; etwa den schwarz-weißen Bullterrier „Blue".
Einige Passagen bringen einen selbst nach mehrmaligem Lesen stets aufs Neue zum Lachen. Etwa wenn der unsichtbare Erlkoenig von einer Polizeistreife wegen Rasens angehalten wird - in diesem Fall erhaelt das Wort „Geisterfahrer" einen bisher nicht bedachten semantischen Sinn. Mitten drinnen im chaotisch-komischen Kampf zwischen Gut und Boese verlaeuft wie feines Wurzelwerk eine romantische Geschichte zwischen dem Altgermanistikstudenten Till und der bezaubernd gruenen Dryade Neriella, ihres Zeichens grazile Baumnixe mit ausgepraegtem Hang zur Romantik. Eine Lovestory, so subtil eingeflochten, dass der geneigte Leser mit dem Paar mitfiebert - oder schmunzelt, naemlich dann, wenn der Heinzelmann Wallerich vor Eifersucht in Wallung geraet. Ganz nebenbei entdeckt der Erlkoenig eine andere Liebe neu, die zu intakter Natur. Auf dass Eschen in Kernreaktoren spriessen! „Nebenan" ist schrullig, genial, kultig. Eindeutig fuenf Punkte auf der Leseskala!!!