Im zeitgenössischen deutschen Kabarett ist Andreas Rebers eine der herausragenden Figuren. In den letzten Jahren gelang dem hochoriginellen Entertainer aus dem Weserbergland der verdiente Sprung in die Elite seines Fachs. Die gestiegene Wertschätzung lässt sich an den Auszeichnungen für seine Person ablesen: Auf den Salzburger Stier 2006 folgten prompt der Deutsche Kleinkunstpreis 2007 und der Deutsche Kabarettpreis 2008. Außerdem erwarb er sich bei einem größeren Publikum einen steigenden Bekanntheitsgrad durch seine regelmäßigen Auftritte in der ZDF-Satiresendung "Neues Aus der Anstalt".
Auch das Programm NEBENAN UND NEBENBEI (2005) sah Rebers, den scharfzüngigen und subversiven Kritiker bürgerlicher Bequemlichkeit, bewaffnet mit Piano und Akkordeon auf der Bühne. Hauptzielscheibe seines Spotts ist sein Publikum: das liberale Bürgertum mit seiner den Alt-Achtundsechzigern entlehnten und als "grün" rehabilitierten Toleranz-Wohlfühl-Ideologie zwischen political correctness, postmoderner Beliebigkeit und Multikulti. Der Kunstgriff, mit dem er das Publikum dazu veranlasst, über sich selbst zu lachen, besteht darin, besagte Haltungen in einer parodistischen Figur zu personifizieren: Sabine Hammer, geschiedene Sichel, ist zwar privat eine Chaotin, dafür bei den Grünen und hat wohl "jeden Workshop" schon mal besucht. Momentan ist sie verreist, in die Innere Mongolei, und richtet dort selbst einen Workshop aus, nämlich für Tibetanischen Obertongesang.
Freilich ist Rebers klug genug, um zu wissen, dass es nicht genügt, den Zeigefinger auf Andere zu richten. Da ist es dem Zweck des Subversiven nur umso dienlicher, selbst unter eine zwielichtige Maske zu schlüpfen. Der Erzähler, "diplomierter" Hausmeister, ist "links und reich", schließlich hat er seine reiche Frau "aus Mitleid und Solidarität" geheiratet, und sorgt in seinem Münchner Viertel für "innere Sicherheit", indem er seine Hausnachbarn beschnüffelt und denunziert und außerdem einen illegalen Abschleppdienst sein Eigen nennt, für den er Polen ohne Arbeitserlaubnis beschäftigt.
Rebers - das ist eine explosive Mischung aus absurder Komik und hinterhältiger Kritik, mit seinen aberwitzigen Geschichten über seine angeblich bitterarme Vergangenheit, die angeblich bittere Armut in Norddeutschland und die verschlungenen Pfade zu seiner Musikalität, die ihn in die Tiefen des Rotlichtmilieus führen. Kabarett mit getürkter Autobiographie - das erinnert an Rebers' österreichischen Fachkollegen Josef Hader, mit dem ihn tatsächlich vieles verbindet. Sein böser Witz strapaziert bisweilen hart die Grenzen des "guten Geschmacks", doch sein scheinbar "volkstümliches" Musizieren auf dem Akkordeon (dem er "autoerotische" Fähigkeiten bescheinigt, daher liebevoll "Strapsmaus") lässt etwaige Kritik an seiner Person abprallen - hat er doch ganz nebenbei damit eine alte Tradition kritischer Liedkunst ("Arbeiterlieder") wiederbelebt. Er selbst freilich spricht ironisch von einem Liedgut "in der Tradition Brecht-Bohlen": "Denn Brecht, das geht mittlerweile nur noch mit Subventionen, und Bohlen trägt sich von allein." Kein Missverständnis: Von Dieter Bohlen ist Andreas Rebers ungefähr so weit entfernt wie von gewöhnlicher Comedy.