*Er hatte nicht damit gerechnet, in seinem Leben - oder dem, was ihm davon geblieben war - noch einmal Derartiges erfahren zu dürfen. Ein Engel war durch seine Tür geschwebt: langes Blondhaar, ein freundliches Lächeln. Es handelte sich um einen sehr weiblichen Engel, ganz in Weiß, in kurzem Rock und eng sitzender Bluse und jung, so betörend jung. Mit geübten Händen erledigte sie ihren Job und er genoss jede ihrer Berührungen, versuchte, mehr davon zu bekommen und den Moment ihres Weggangs hinauszuzögern. Verdammt noch mal! Er war noch nicht tot! ...
Die war richtig! Nicht so eine empfindliche Kuh wie die Letzte, die sofort anfing zu schreien - als ob vor ihm noch jemand Angst haben müsste! Die hier musste unbedingt wiederkommen. Er wollte ihr das sagen, doch er brachte nur ein unverständliches Gurgeln zustande. Wie hatte sie nur vor Paolas strengen Augen bestehen können, die sonst Bewerberinnen nach Alter und Hässlichkeit auszusuchen schien? Hoffentlich bezahlte Paola sie gut genug, damit sie auch wieder kam. Schließlich hatte er Geld, viel Geld sogar. Und bald würde er noch viel mehr haben ...
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Zum Inhalt: Der Lübecker Kommissar und passionierte Feinschmecker Georg Angermüller hatte sich eigentlich anläßlich des 70. Geburtstages seiner Mutter auf ein paar entspannte Tage in seiner oberfränkischen Heimat gefreut: Goldener Oktober, lange Spaziergänge im romantischen Park von Schloss Rosenau, fränkische Küche in einem gemütlichen Gasthof - Sauerbraten, Klöße und dazu ein kühles Bier, die Karpfensaison hat auch begonnen, zum Nachtisch einen saftigen Käsekuchen ...
Doch es sollte anders kommen. Der Steinleins Bernhard lag am Tag nach seiner Ankunft tot am Grund der Felsengrotte im Park und er war nicht von allein da hinunter gefallen. Eigentlich kein Fall für Georg Angermüller, denn als schleswig-holsteinischer Kripobeamter darf er in Bayern gar nicht ermitteln. Aber was tut man nicht alles für alte Freunde!? Er wird durch drei alte Jugendfreundinnen - die Töchter des Mordopfers - unfreiwillig in den Fall hineingezogen. Gleich die erste heiße Spur schmeckt dem gaumenverwöhnten Angermüller gar nicht: Der alte Steinlein war der größte Grundbesitzer im Umkreis und wollte seine Felder angeblich einem Saatgutkonzern für Gentechnikversuche verkaufen ...
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Fazit: "Nebelschleier" ist ein in jeder Beziehung sehr gut durchdachter und geschriebener Kriminalroman, der sich nicht allein auf seine spannende Handlung konzentriert, sondern dem es zusätzlich gelingt die Eigenheiten einer Region in ihren Charakteren einzufangen.
Und natürlich (Gottseidank!) wird der Roman wie gewohnt durch höchst interessante Rezeptideen ergänzt: Rosis Zwiebelkuchen / "Schnapskuchen" nach Rezept von Johannes / Faule Hausfrauenklöße / Coburger Bratwürste mit Kraut / und viele/s andere mehr ...
Es verbleibt, in heller Vorfreude auf den vierten Fall des Georg Angermüller ...
Reinhard Busse