Inhalt
Der 17-jährige Guido wünscht sich normal zu sein, denn er hat Neurodermitis. Kurz vor dem Abitur landet er mit einem schlimmen Schub seines Leidens im Krankenhaus - und muss erkennen, dass die Fassade seiner Familie noch mehr bröckelt als die eigene Haut. Erst durch die Freundschaft mit dem charismatischen Kleingangster Rudi beginnt er, neuen Mut zu schöpfen und sein Leben anzupacken. Guidos Neurodermitis geht zurück. Er ist normal geworden, aber nicht mehr derselbe wie zuvor. Und die Reise ist noch lange nicht vorbei.....
Bildbewertung:
Unter dem Titel "Neue Deutsche Filme" geht bei dem Label "Renaissance Medien" eine neue Filmreihe mit, wie es der Titel schon recht deutlich sagt, neuen deutschen Filmen an den Start und in die Veröffentlichung. Dabei setzt sich "Renaissance Medien" selbst hohe Ziele, die auf diese neue Reihe sehr neugierig machen und einiges erwarten lassen.
Jeden Monat, beginnend im Februar 2009, soll ein neuer Film dieser Reihe, in erstklassiger Aufmachung und mit umfangreichem Bonusmaterial erscheinen. Dabei soll die Auswahl der veröffentlichten Filmtitel höchst abwechslungsreich und von hohem Unterhaltungswert geprägt sein. Das ganze ist in seiner Gestaltung mit einem anspruchsvollen Corporate Design perfekt geeignet, sich die Filme in der Form einer Sammelreihe zuzulegen. Der deutsche Film hat in den letzten Jahren stetig an Bedeutung und Qualität gewonnen, das nicht nur in Deutschland selber, auch international. So ist es eine begrüßenswerte und sehr gute Idee von "Renaissance Medien", jungen Filmemachern die Möglichkeit zu geben, ihre Werke über das Medium DVD, einem großen Publikum zu präsentieren und vorzustellen.
Mit der Veröffentlichung des Filmtitels "Neandertal" bringt "Renaissance Medien" einer Gemeinschaftsproduktion von "Rommel Film" und "Zweite Medienfonds German Film Productions" in Koproduktion mit dem "ZDF/Das kleine Fernsehspiel" in Zusammenarbeit mit "arte" und der Unterstützung der "Filmstiftung NRW" sowie der "Medienboard Berlin-Brandenburg" auf den Markt.
Als Drehbuchautor und Regisseur wurde für diesen Film Ingo Haeb tätig. In dem zusammen mit Jan-Christoph Glaser entstandenen Film, wird mit viel Einfühlungsvermögen und einer äußerst sensiblen Inszenierung die Geschichte des 17-jährigen Guidos erzählt, der an einer besonders aggressiven Form einer Schuppenflechte (Neurodermitis) leidet.
Dabei steht Guidos Erkrankung in diesem Film als eine Art Metapher, ähnlich der Häutung einer Schlange, wenn sie wächst, für den Weg und die Schritte hin zum Erwachsen werden. Der Film charakterisiert die mit dieser Krankheit verbundenen Probleme in ehrlicher und schonungsloser Offenheit.
Fühlbar, beklemmend und schon fast greifbar real ist zu spüren, dass der Film autobiografische Züge des Drehbuchautors und Regisseurs Ingo Haeb trägt. Diese eigenen Erlebnisse seiner Jugend ermöglichten es Ingo Haeb einen Film zu schaffen, der mit seinen Geflechten der zwischenmenschlichen Beziehungen, mit allen ihren schönen aber auch betrüblichen und harten Momenten, eines offenbart und zeigt, die Wut des 17-jährigen Guidos, die er spürt auf seinem Weg zum Erwachsenen. Eine Wut über die Verlogenheit der Welt der Erwachsenen.
Es ist die gleichzeitige Ablehnung auf der einen, auf der anderen Seite die Faszination, den Schritt zu wagen aus der Schwebe, in der er im Moment steckt, einer Schwebe zwischen seiner Jugend hin in diese ihn zugleich abschreckende, aber im selben Moment anziehende Welt der Erwachsenen.
Das gesamte Team der Darsteller überzeugt durch sein überzeugendes Spiel. Neben Jacob Matschenenz ("Die Welle", "1.Mai") in der Rolle des Guidos, ist es auch Andreas Schmidt ("Fleisch ist mein Gemüse", "Jenseits") in der Rolle des Rudis, welcher mit einer Frische und Natürlichkeit spielt, dass der Zuschauer mit Beginn der Geschichte bis zur letzten Filmminute, schon fast wie hypnotisiert, von der Handlung gefangen genommen wird, ohne das auch nur eine Länge im Film auftritt. Ein wahrlich packender Film, mit einer tollen Geschichte in einer gelungenen Inszenierung und mit höchst überzeugenden Darstellern.
Das Bild zeigt sich im Bildformat 16:9 (1:1,85) anamorph, während seiner ca. 107 Minuten Laufzeit vom Gesamteindruck her, in einer als gelungen zu bezeichnenden Qualität. Die Farben der Bilder zeigen sich passend gewählt zur Filmstimmung, mit zurückhaltender Intensität, aber passend. Kontrast und Schärfe sind ein wenig schwach in ihren Einstellungen gewählt und bieten so ein Bild, dem es zum Teil ein wenig an Brillanz und Lebendigkeit fehlt. Etwas auffällig, macht sich ein leichtes Bildrauschen, besonders bei helleren und größeren Flächen, bemerkbar.Getreu den eigenen auferlegten hohen Qualitätsansprüchen, bietet auch diese Veröffentlichung in der Reihe "Neue Deutsche Filme" durch "Renaissance Medien", wieder sehr ansprechend gestaltete und übersichtliche DVD-Menüs. Diese sind einfach und komfortabel zu bedienen und ermöglichen so einen perfekten Zugriff auf den Film und die zahlreichen sehr gelungenen Extras auf dieser DVD-Veröffentlichung. Zu den Extras zählen neben dem Trailer zum Film, auch einige Info-Trailer zu weiteren Produktionen dieser Reihe. Unter den "Deleted Scenes" gibt es mit einer Laufzeit von ca. 7 Minuten, einige Pannen vom Dreh zu sehen.
Ein ca. 21 Minuten dauerndes Interview mit dem Drehbuchautor und Regisseur Ingo Haeb und Mechthild Hellermann, die eine ambulante Therapieform zur Behandlung von Neurodermitis und anderen Allergien entwickelte, gehört ebenso zu den Extras, wie ein zweites Interview. Das zweite Interview, geführt mit den beiden Maskenbildnerinnen Nicola Pandel und Rosemarie Raasch-Machac, zeigt die höchst aufwendigen Arbeiten beim Fertigen der Masken, für die Darstellung der Neurodermitis.
Tonbewertung:
Ein deutscher Dolby Digital Ton 2.0 wird von dieser DVD angeboten. Er ist sehr gut verständlich und in seinen klanglichen Eigenschaften ohne erwähnenswerte Mängel. Als Extra gibt es noch einen Audiokommentar mit an der Film-Produktion Beteiligten. Hier geht zuweilen leider etwas die Verständlichkeit verloren. Untertitel oder andere Sprachversionen gibt es nicht auf dieser Veröffentlichung.
Gesamteindruck:
Ein Film, der ehrlich, zum Teil hart, über die Erkrankung mit Neurodermitis erzählt und diese dabei als eine Art Metapher nutzt, um die Konflikte im Umfeld des Hauptdarstellers zu zeigen. Gelungene Balance zwischen anspruchsvoller und zugleich unterhaltender filmischer Kost, die es schafft, die Zeit auf der Schwelle hin zum "Erwachsen werden" beeindruckend und höchst sensibel zu erzählen.
Autor: Torsten
www.Fernseh-Serien-Auf-DVD.de