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Gleich mehrere Themen, die sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen, schweißen die zwölf Tracks, die ohnehin geschickt ineinander übergehen, zu einem kohärenten Verbund zusammen. Da wären zunächst die spannenden, leicht gespenstigen Klavierakkorde ganz zu Beginn, die gleich eine fesselnde Atmosphäre erzeugen und zwischen Tracks Nummer 11 und 12 wieder auftauchen. Vor allem aber ist es die Melodie zu dem Refrain „And then after all, with our backs against the wall, We seek the temple of the living god", die immer wieder als Leitmotiv auftaucht, aber niemals in gleicher Umgebung, sondern mal balladesk, mal hintergründig, mal hoch expressiv und bombastisch. Eine weiteres markantes Thema präsentiert sich bei „The Outsider". Was mit einer rhythmisch punktierten, im ersten Moment kitschig wirkenden Melodie beginnt, spinnt sich hochinteressant weiter in Instrumentalpassagen, die den gleichen akzentuierten Rhythmus beibehalten und nach und nach tolle Drives und sich verdichtende Atmosphären darüber. Bei „Entrance" wird das Ganze sogar nochmals aufgegriffen - hier passt alles zusammen, und schon beim ersten Hören beeindrucken die Wiedererkennungswerte einzelner Fragmente innerhalb des Albums. Die Musik befindet sich ständig in einer Entwicklung - niemals verharrt der Ausdruck mehrere Takte lang. Die Spannungsbogen sind packend konstruiert und greifen beim Hören vorzüglich - eine wesentliche Verbesserung gegenüber der letzten Alben. Dazu tragen auch die feinfühligen Melodien bei, die sehr eingängig sind und trotzdem anspruchsvolle Harmonien aufweisen. Zum Ausdruck kommen sie in vielerlei Form - zart und zerbrechlich, klagend, kraftvoll, expressiv und sogar in Gänsehaut erregenden Chorpassagen (fast a cappella) bei „In The Fire".
Der instrumentale Unterbau des Albums ist in seinem Facettenreichtum zahlreicher, sich blendend ineinander fügender Versatzstücke schier phänomenal. Die super lebendigen und genial groovenden Basslines inklusive coolen Walking Bass-Passagen (im ersten Track) und sogar einem Bass-Solo („Solid As The Sun") steuert wie beim letzten Album wieder Randy George bei, der ganz offensichtlich auf alte Genesis-Platten steht. Zusammen mit den abwechslungsreichen Grooves bilden die Drums, wieder unverkennbarerweise von Dream Thater-Ass Mike Portnoy eingespielt, eine tighte Rhythmussektion voller Detailarbeit. Gitarren und Keyboards werden vor allem von Neal Morse selbst eingespielt, der aber durch Gastauftritte von Jordan Rudess (Dream Theater), Roine Stolt (The Flower Kings), Bruder Alan Morse (Spock's Beard) und Steve Hackett (früher Genesis) Unterstützung erhält. Die vorgetragene Bandbreite an musikalischen Einflüssen ist dabei selbst für Neal Morse-Verhältnisse gigantisch und dürfte den Horizont so mancher Prog Rock-Hörer erweitern - wunderbare Clean-Gitarren, heftige Hard Rock-Passagen, astreiner Klavier-Jazz, frickelige Keyboard-Soli (Hallo, Mr. Rudess!) ‚funkige' Breaks mit Swing-Trompetenakzenten, ein Saxophon-Solo, eine Prise spanischer Gitarre, eine orientalisch anmutende Passage. Und nicht zuletzt der eingesetzte Dudelsack statt oft gehörter Blechbläser im monumentalen Ausklang von „Inside His Presence" deutet von der Extravaganz dieses Albums.
Was Lyrics und Botschaften betrifft kann man natürlich bereits geteilter Meinung sein, seitdem Neal Morse seine Erleuchtung gefunden hat. Die Texte sind auch hier gespickt mit Psalmen und Evangelium-Zitaten und drehen sich um die Suche nach Gott, wie es auf seiner offiziellen Homepage heißt „physically, figuratively and spiritually". Bei „?", das aufgrund des wiederkehrenden Themas „(We seek) the temple of the living God" auch genau so hätte heißen können, endet eben diese Suche mit „And now that it's done, the heart of every one can be the temple of the living God". Und, ehrlich gesagt, so lange keiner vorschreibt, WIE man (einen) Gott suchen soll, darf doch ruhig darüber geredet werden, oder? Vielleicht besingt Neal Morse auch Ähnliches wie viele, viele Andere, nur mit einer anderen Sprache. In diesem Sinne dürften die Lyrics das Gros der Prog Rock-Fetischisten nicht zu dem Fehler verleiten, nicht eines der vollkommensten Alben des Prog Rock-Genre ihr Eigen nennen zu wollen.
Bleibt zu „?" nur noch eines zu sagen: „!"
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