Der Titel der umfangreichen Artikelsammlung "Nazis on Speed", herausgegeben von Werner Pieper, beschränkt sich auf das reisserische Thema des Drogenkonsums der Nazis. Tatsächlich befassen sich die Beiträge auch ausführlich mit der Vorgeschichte (Kaiserreich und Weimarer Republik), mit dem Eingang der neuen Drogen in die Literatur (lesenswert: Essays von Mann, Fallada, Brod!) sowie der Drogenpolitik der Alliierten. Dazu ausgezeichnet illustriert mit Fotos und Grafiken der damaligen Zeit.
Abgedeckt wird ein breiter Themenbereich:
Literatur und Literaten, gezielte Forschung, Amphetamin-Tests für die Front, War on Drugs während des 3.Reiches, Polizeiberichte sowie Drogenkarrieren von Nazi-Größen - oft spannend, manchmal witzig, selten platt oder langweilig.
Größter Mangel: problematisch beim Lesen ist manchmal der Wechsel zwischen verschiedenen Stilen. Einerseits wissenschaftliche Abhandlungen, Schriften der Nazipropaganda oder politische Bewertungen, andererseits erschreckend öde literarische Experimente z.B. von Wolfgang Neuss oder Seyfried. Hier wäre eine fachlich nüchternere Haltung des Herausgebers - und damit ein Herauslassen dieser Artikel - erfreulich gewesen.