Deutscher Rap erlebt gerade seinen zweiten Frühling und während etablierte Künstler wie Bushido, Sido oder Kool Savas nach wie vor durch hervorragende Verkaufszahlen glänzen, gesellen sich zu dieser ersten Liga der urbanen Musik Künstler wie Haftbefehl, Farid Bang oder Prinz Pi hinzu. Was auf dem deutschen Markt jedoch in der Vergangenheit stets übersehen wurde, sind unsere südlichen Nachbarn. Auch dort, in Österreich, blickt man anerkennend Richtung Norden und hört sich gerne die erwähnten Rapper an, lächelt dann aber leicht mitleidig, denn während die Deutschen sich streiten, wer denn nun der Beste, der Größte und der Erfolgreichste der Rapper sei, gibt es in Österreich schon seit einigen Jahren keine Diskussionen mehr darüber.
Wenn ein Rapper fast monatlich das Cover der größten Jugendzeitschrift des Landes ziert, wenn die Boulevardpresse jeden Schritt dieses Rappers dokumentiert, wenn dieser Rapper den wichtigsten Musikpreis des Landes gewinnt, wenn über diesen Rapper eine Dokumentation gedreht wird, die bei Filmfestivals Preise gewinnt, wenn ein Energydrink-Konzern diesen Rapper als Werbeträger für eine weltweite Kampagne nimmt, wenn seine Musikvideos Kinofilm-Qualität haben und wenn die sozialdemokratische Partei des Landes mit diesem Rapper als Leitfigur zur Begeisterung junger Wähler zusammenarbeitet, dann geht das weit über die millionenfachen Youtube-Klicks oder zehntausende Facebook-Freunde hinaus, mit der sich andere Rap-Größen schmücken. Wenn man all das zusammzählt, dann kann man sagen: Österreich hat einen echten Star-Rapper... Und sein Name ist Nazar!
Auf seinem aktuellen Album “Fakker” unterstreicht Nazar dann auch seine Ausnahmestellung und liefert ein musikalisches Werk, dass seinem Status angemessen ist. Ebenbürtige Qualität in Punkto Produktion und Performance findet sich selten. Nazar selber überzeugt bei jeder seiner Silben, doch auch die Gäste des Albums, die namenhaftesten wären Haftbefehl, Farid Bang und RAF Camora aka RAF 3.0, wissen ohne Einschränkung zu überzeugen.
Produktionstechnisch hat sich Nazar zum größten Teil auf seinen kongenialen Partner RAF Camora verlassen. Dieser wiederum wurde durchweg von The Royals unterstützt. Diese Mischung hat dem Album eine einheiltiche, sehr hörbare Qualität verliehen und für Rap eine ungewöhnlich hohe Radiotauglichkeit kreiert. Punktuell wird der musikalische Horizont durch Produzenten-Größen wie STI oder Gee Futuristic erweitert. Wer sich solche Namen als Nebendarsteller ins Boot holt, der muss mit seinem fertigen Werk keine weitere Überzeugungsarbeit mehr leisten.
Bleibt nur noch zu klären, was “Fakker” bedeutet und worauf Nazar bei diesem Titel hinarbeitet. Wer das rausfinden möchte, der sollte sich das neue Album unbedingt zulegen und wer kein Interesse daran hat, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen, der lasse sich gesagt sein: “Fakker” ist auch dann ein geiles Album, wenn man es ohne tieferen Grund anhört. Die Qualität überzeugt und Nazar zuzuhören macht einfach Spaß.
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