Vorsicht: enthält ein paar Spoiler!
Endlich ein Buch, was den Begriff homoerotische Fantasy vollauf verdient hat.
Sandra Gernt entführt in eine interessante Fantasywelt, bevölkert von Oshantas und Königen, Intrigen, Heimtücke, aber auch Liebe und Leidenschaft.
Mit feiner Leichtigkeit nimmt sie den Leser mit in ihre Fantasywelt, von der ich viel, viel mehr lesen möchte. Für mich muss eine Fantasywelt in sich schlüssig sein und vor allem Substanz haben. Das ist hier überwiegend der Fall, auch wenn das Buch im Grunde viel zu kurz ist, um allem gerecht zu werden.
Die Liebesgeschichte zwischen den ungleichen Charakteren Iyen und Rouven lässt sich sehr schön an. Man bekommt einen guten Einblick in Iyen, der mit seinem Schicksal unzufrieden ist und durch das Ereignis, sein empfundenes Mitgefühl für Rouven, endlich den Anstoß dazu findet, seinem bisherigen Leben zu entfliehen.
Rouvens Leiden, sein innerer Konflikt ist sehr schön beschrieben und glaubhaft, sein Klammern an den einzigen Halt Iyen, sehr schön herausgearbeitet.
Die Logik der Schändung durch die beiden anderen Oshantas hat sich mir erst im späterern Teil des Buches ganz erschlossen, die der sinnlosen Folter leider nicht so wirklich.
Was ich sehr schade fand, war der Sprung von 6 Jahren innerhalb des Buches. Der ist gut eingefügt, stört nicht, nur was alles bis dahin passiert ist, die Entwicklung der Charaktere in der Zeit, wird danach nur grob angerissen und ist mir persönlich daher zu oberflächlich. Hier hätte ich mir einfach mehr Ausführlichkeit gewünscht. Ein kleiner Wehmutstropfen.
Mir sind kleinere Logiklücken aufgefallen: Rouven ist durch das Schlafgift so geschwächt, dass er vermutlich die Reise an seinen Bestimmungsort nicht überleben wird. Andererseits schafft er es dann doch, viel schwerer verletzt (innerlich vor allem und hier wird ein wenig zu leichtfertig darüber hinweggegangen, welche Verletzungen er davongetragen hat, extremes Infektionsrisiko eingeschlossen)zu Überleben. Das die Oshanta ihn da so falsch eingeschätzt haben, erstaunt bei ihrer Erfahrung. Vielleicht einfach, weil sie ihn zu schnell schon aufgegeben haben? Ein paar Tage weiter hätte es besser gepasst.
Das Verhalten der Brüder am Ende des Buches erscheint mir in sich nicht völlig logisch. Ihr Verhalten nimmt zudem der Story ein wenig Fahrt in einem wichtigen Stimmungsteil, der sich auf Rouven und Iyen konzentrieren sollte.
Die Intrige selbst weist hier und da auch kleine Logiklücken auf. Wenn die Weissagungen des Ebano so extrem bekannt sind, dann hätte definitiv schon jemand auf den Zusammenhang mit Rouven und seinen auffälligen Augen kommen können. Dazu sind die Umstände seiner Entführung dann doch zu speziell gewesen. Mit erscheint es ein wenig weit hergeholt, dass nur Iyen in langjähriger Recherche darauf kommen konnte.
Iyens Gewalt gegen Rouven ist teilweise nachvollziehbar. Sie erscheint aus dem Bedürfnis heraus, ihn absolut gehorsam zu machen, hätte aber noch besser die Nuance seiner eigenen Unsicherheit seinen verbotenen Gefühlen gegenüber enthalten können. So wird sie doch recht übertrieben. Sie passt grundsätzlich zu dem Charakter. Iyen selbst betont mir ein wenig zu oft, wie wertlos er ist, um völlig glaubhaft zu wirken.
Das sind Kleinigkeiten, die mich jedoch daran hindern, die volle Punktzahl abzugeben. Die Qualität des Buches ist dieses Mal wirklich deutlich besser, als andere Titel des Verlages. Angefangen vom Glanzcover, hin zu der viel besseren Bindung. Es geht eben auch anders.
Ich würde mich über eine ausführlicherer Fortsetzung freuen, in der noch mehr der wundervollen Welt unter dem Licht des Nayidenmondes enthüllt wird, dessen Geheimnis nicht ganz gelüftet wurde.