"Navy Seals Team Six" ist nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Ereignisse ein interessantes Buch, welches einen Einblick in die Welt derer ermöglicht, die an den Grenzen menschlicher Belastbarkeit und über diese hinaus militärische Operationen in aller Welt ausführen.
Vom Auswahlprogramm, über die Ausbildung bis hin zu Einsätzen als Scharfschütze in Somalia erzählt der ehemalige Seal nicht nur von sich, sondern eben insbesondere von den "Geheimnissen" seiner Einheit (die nun sooo geheim ja nun auch nicht sind).
Was das Buch von jeder trockenen Fachlektüre unterscheidet ist der Umstand, dass Wasdin quasi aus erster Hand von seinen Eindrücken berichtet und damit insbesondere der Bericht über die Geschehnisse in und um Mogadischu aus Sicht eines Seal relativ authentisch wirken. Auch gewähren die Autoren dem Leser einen Einblick in das Konkurrenzdenken der verschiedenen Spezialeinheiten, in die internen Abläufe und speisen somit den Geist, welcher diese Elitesoldaten umgibt. Dies kommt bisweilen kurzweilig rüber, da Wasdin in seinen Erzählungen sich nicht auf sein soldatisches Leben beschränkt, sondern einen Lebenslauf darstellt bis hin zu seinem Austritt aus dem Soldatenleben, seinen Depressionen, seinen Selbstzweifeln und den Übergang in das zivile Leben.
Was mich bisweilen störte, waren die Selbstverliebtheit, der zur Schau gestellte Größenwahn und die Intoleranz gegenüber den Fehlern Anderer (Jener, die trotz guter Leistungen die Aufnahme in jene Elitetruppe nicht schafften oder große Mühe hatten). Hier scheint durch, wessen Geistes Kind Herr Wasdin wirklich war und vielleicht hätte ihm jemand eingehend erklären sollen, dass Soldaten, seien sie auch noch so hoch spezialisiert, eben Soldaten und damit Befehlsempfänger bleiben, die im Ränkespiel der großen Politik nicht selten als Lückenfüller herhalten müssen (dies macht Herr Wasdin in einer unverhohlenen Kritik gegenüber dem ehemalige US-Präsidenten Clinton ja auch deutlich). Hier wird leider so manches Klischee, so manches Vorurteil einem Feinschliff unterzogen (schade eigentlich).
Fazit: Wer sich an einigen literarischen Unzulänglichkeiten und Selbstbeweihräucherungs-Exkursen nicht zu sehr stört, bekommt hier ein interessantes, relativ authentisch wirkendes und anschauliches Buch zu lesen. Tiefgründigkeit ist jedoch hier kaum zu finden. Das Buch eignet sich zum schnellen Durchlesen, nicht jedoch als fundierte, weitergehende Informationsquelle. Aber das habe ich auch gar nicht erwartet.