Navigons 92er Serie ist die Top-Linie aus Navigons Produktreihe und liegt damit auf Augenhöhe mit TomToms 1015 oder Falks Neo 550. Während die anderen Hersteller die Geräte dabei mit festen Ausstattungen ausliefern bietet Navigon mit unterschiedlichen Ausstattungsvarianten in einer Modellreihe mehr Anpassung an die Wünsche der Käufer und auch deren Geldbeutel. Dabei ist die Plus Variante die kleinste Ausstattung aus dem 92er Segment. Wie gut sie sich auch im Vergleich mit der Konkurrenz schlägt, dazu jetzt mehr:
Ausstattung & Verarbeitung:
Navigons 92er Reihe hat für alle Varianten (Plus,Premium, Premium Live) die gleiche Hardwareplattform. Augenscheinlichstes Merkmal ist das 5 Zoll große Display, welches genau wie beim TomTom 1015 als kapazitives Display erweist. Dies bedeutet, dass sich die Bedienung des Displays wie die moderner Smartphones anfühlt und das Display nicht mehr fest eingedrückt werden muss um eine Aktion zu erzwingen. Dass Navigon diese Technik sich anders als TomTom jedoch auch in der Bedienung zu Nutze macht, dazu mehr unter "Bedienung". Das Display ist wie beim TomTom auch nur mäßig aufgelöst, was gerade bei der Bedienung aus der Nähe auffällt. Auch spiegelt das Display ähnlich stark wie das TomTom 1015 aufgrund der Technik, jedoch ist das kein Manko, denn hier gibt es sehr gute und günstige entspiegelte Displayfolien.
Das Display wird von einem relativ schmalen Rahmen flankiert, so dass das Navi trotz 5 Zoll Display nicht zu klobig wirkt. Außer einem kleinen Metallrahmen besteht das Gehäuse aus Kunststoff und kann besonders im Vergleich mit TomToms 1015 dem Premium Anspruch nicht ganz gerecht werden. Spalte sind zwar gleichmäßig und die Teile passgenau, jedoch ließen sich dem Gehäuse an der Unterseie und im Bereich der Aufnahme für den Fensterhalter knarzende Geräusche auch bei leichtem Druck entlocken. Hier liegt im meinem Augen sowohl Falk und besonders TomTom vor dem Navigon.
Dafür setzt Navigon beim 92 Plus auf einen Standard USB Anschuss und legt sowohl ein KFZ Ladegerät mit Kabel als auch ein separates USB Kabel bei, keine Selbstverständlichkeit. Sogar eine einfache Schutzhülle lag der Verpackung bei, hier hat Navigon Alles richtig gemacht.
Die Ausstattung im Berich der Navigationsfeatures zeigt jedoch ein anderes Bild. Navigon hat bei der Plus Variante wirklich nur die Basis-Features integriert. Bluetooth, TMC Pro, 3D Elemente, Sprachsteuerung,... sämtliche Nice-to-have Features wurden weggelassen. Dies ist für den preisbewussten Käufer vielleicht noch verschmerzbar, dass Navigon jedoch FreshMaps für 24 Monate Kartenupdates weglässt ist jedoch weniger verständlich, auch wenn ein Gutschein für einen 80%igen Preisnachlass beilegt. Ein Navi ohne aktuelle Karten verliert irgendwann seine Funktion in meinen Augen und sollte in dieser Preisklasse inbegriffen sein. Der Käufer sollte unbedingt die Premium ansehen, da er hier sowohl die Updates, als auch viele Komfortfeatures sowie Sprachsteuerung und TMC Pro mit erhält.
Bedienung:
1 A. Navigon hat sich mit der TouchFlow Oberfläche die kapazitive Displaytechnologie gut zu Nutze gemacht. Man kann durch Menüs "wischen", scrollen und sie so recht intuitiv bedienen, wenn man schon mal heutige Smartphones in der Hand hatte. Dabei nutzt Navigon eine neue Menüstruktur, welche die Einstellungsmenüs von den Navigationsmenüs trennt. So hat man mehrere Bildschirme mit unterschiedlichen Funktionen, durch die man mittels Wischbewegung scrollen kann (Navigation, Karte, Navigationseinstellungen). Dabei wird am unteren Bildschirmrand der aktuelle Bildschirm angezeigt. In Listen scrollt man wie erwähnt ebenfalls mit Wischbewegungen was die Bedienung doch erleichtert, da das ständige drücken eines Knopfes entfällt.
Bei der Aktualisierungssoftware NavigonFresh bleibt nur zu sagen: Liebe TomTom Entwicklungsabteilung, so muss ein solches Programm aussehen und funktionieren. Während hier die große Schwachstelle des TomTom 1015 liegt, leistet sich das Navigon keine Schwäche. Kartenupdates, Softwareupdates, Lauf von Erweiterungen, Alles kein Problem, einfach zu Handhaben und keine Abstürze.
Bei der Bedienung im Auto merkt man, wie hilfreich eine gute Spracherkennung sein kann. Diese fehlt nämlich beim Navigon 92 Plus (erst ab Premium integriert) und wenn man diese gewöhnt war, ist das Vorbeugen und Fummeln am Display störend. Daher nochmal der Hinweis auf die Premium Version. Anders als beim Falk Neo ist die Halterung sehr gut gelungen und Hält das Navi sicher an der Scheibe.
Alles in Allem ist der Bedienung bei Navigon hervorragend gelungen und übertrifft die des TomToms 1015 und Falk Neos nicht zuletzt wegen der guten Nutzung der Möglichkeiten des Displays.
Navigation:
Hier scheiden sich ja die Geister. Während die einen TomTom bevorzugen, lassen die Anderen Nichts auf Falk kommen und wieder andere schwören auf Navigon. Letzten Endes ist das subjektive empfinden hier auch entscheidend, denn die Navigationsleistungen der Hersteller unterscheiden sich nicht wesentlich. So waren sowohl bei TomTom als auch bei Navigon die Karten im nahe gelegenen Neubaugebiet top auf Stand und das Navi führte einen immer Zuverlässig über verschiedenste Routen. Navigon bietet als kleinen Pluspunkt die MyRoutes Funktion, die die Wahl unterschiedlicher Routen vor Beginn der Navigation zur Auswahl anbietet. Dafür bietet das 92 Plus "nur" normales TMC was nicht immer mit dem LiveTraffic von TomTom mithalten konnte, hier hatte das 1015 eigentlich immer die Nase vorn, wenn es um die Aktualität von Verkehrsmeldungen ging. Hier nochmal der Hinweis nach der Premium Version zu gucken, da Navigon einen Aufpreis für die Nutzung von TMC Pro in der Plus Version verlangt. Auch bietet TomTom mit IQ Routes ein meiner Meinung nach brauchbares Feature, welches sich bei Navigon nicht findet, daher wäre eigentlich die Mischung aus mehreren Navigationssoftwaren das Non Plus Ultra.
Wichtig zu erwähnen ist, dass das Navigon 92 eine sehr flüssige Navigationsanzeige besitzt, die sehr häufig aktualisiert wird. Auch ist die Neuberechnung von Routen sehr schnell, so dass man bei einem zu frühem Abbiegen oder einer verpassten Ausfahrt nicht lange allein gelassen wird. Die Farben in der Navigator Software sind sehr angenehm und Navigon bietet im Gegensatz zu anderen gleich mehrere Stimmen mit Text-To-Speech in Deutsch an. Sehr vorbildlich. Es stehen eine Fülle von anzeigbaren Kategorien (POIs) zur Auswahl und die angezeigten Informationen lassen sich Navigon typisch individualisieren. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden als reale Symbole dargestellt (fehlt bei TomTom) und die Warnung bei Geschwindigkeitsüberschreitungen lässt sich anpassen. Alles in Allem liefert auch Navigon hier eine gute Navigationsleistung. Die Software hat mich in den über 1000 km der letzten Woche zuverlässig ans Ziel gebracht.
Fazit:
Die 92er Serie von Navigon ist sehr vielversprechend. Die Hardware ist gerade wegen dem Display und der guten Integration in die Navigationssoftware als gut zu bezeichnen, auch wenn die Haptik hinter der des TomTom 1015 bleibt. Die Navigationssoftware ist gelungen und führt einen zuverlässig ans Ziel wird jedoch in der Plus Variante zu stark beschnitten. Meiner Meinung nach sollte ein 2-jähriges Kartenupdate in der Preisklasse im Lieferumfang enthalten sein und sowohl Sprachsteuerung als auch TMC Pro sind mehr als nur "nette" Features, sie erleichtern die Bedienung, sparen Wartezeit bei Staus und erhöhen die Verkehrsicherheit, wenn das Navi nicht mit der Hand bedient werden muss. Selbst wer nur auf eine reine Navigationslösung wert liegt wird, sollte sich genau überlegen, ob diese Features nicht relevant sein könnte für ihn.
Daher bekommt die Plus Version nur 4 Sterne, obwohl das Gerät und die Software das Potential für 5 Sterne hat, aber nicht in der abgespeckten Version.