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Liebhaber schlüpfriger Schlüsselloch-Berichte über Spermaflecken, Oralverkehr sowie des unsachgemäßen Einsatzes teurer Zigarren werden von Joe Klein enttäuscht. Mehr hat der Clinton-Intimus und Kolumnist des renommierten New Yorker über die Lewinsky-Affäre nicht zu berichten. Stattdessen wertet Klein das obige Katastrophen-Szenario als Schlüssel zum Verständnis des Mannes aus Little Rock, Arkansas. Angetreten als größte politische Begabung der Babyboomer-Generation, wurden Clintons zweifellos herausragende politische Leistungen immer wieder verdunkelt durch fragwürdiges persönliches Verhalten und mangelnde Selbstdisziplin, wie Klein fast schon ärgerlich konstatiert.
Doch es gab auch jenen anderen Clinton, der -- im Tumult der aktuellen Ereignisse fast schon vergessen -- einen ausgeglichenen Haushalt vorlegte, die Sozialsysteme runderneuerte und mit seiner legendären Haushaltsrede Newt Gingrich, seinen ärgsten republikanischen Widersacher, mit einem Schlag alt aussehen ließ. Klein liefert faszinierende Einblicke in den Kommandostand der Großmacht USA in jenen turbulenten Tagen. Dass es im weit gehend friedlichen Jahrzehnt seiner Amtszeit Clinton dennoch an jenen Herausforderungen fehlte, die seine eigentlichen Stärken hätten hervorheben können, hält Klein für die Tragik dieser weit unterschätzten Präsidentschaft. Von dieser Art der Profilierung macht nun sein Amtsnachfolger gerade solch regen Gebrauch, dass man sich des Naturtalents wehmütig erinnert. --Ravi Unger
Er war ein verwirrender Präsident. Seine 8-jährige Amtszeit schien auf einer politischen und einer privaten Ebene zu verlaufen, die miteinander nicht vereinbar waren. Der Publizist Joe Klein, der Clintons Stärken ebenso gut kennt wie seine Schwächen, analysiert klug, kritisch und pointiert Politik und Persönlichkeit des Mannes, in dessen Präsidentschaft es den Amerikanern wirtschaftlich so gut ging wie lange nicht.
Clinton hatte seine Wahlen souverän gegen George Bush sen. (1992) und Bob Dole (1996) gewonnen und die Demokratische Partei aus der Bedeutungslosigkeit geführt. Bitterkeit, Hass und Zynismus, die ihm in Washington von den Republikanern, aber auch aus den eigenen Reihen und von Teilen der Presse entgegenschlugen, haben ihm das Regieren nicht leicht gemacht. Gegen enorme Widerstände hat er in der Innenpolitik Beträchtliches durchgesetzt, den Staatshaushalt saniert, die Arbeitslosigkeit verringert und im Verlaufe seiner Amtszeit eine immer bessere Figur gemacht. Gescheitert ist Clinton -- es war seine schwerste Niederlage -- mit der Gesundheitsreform, die federführend seine Frau Hillary entwickelt hatte. Der Autor nennt sie "eine puritanische und moralisierende Methodistin im Sinne des 19. Jahrhunderts". Bill sei dagegen eher ein gefühlsbetonter Baptist.
Trotz der persönlichen Skandale, die den Präsidenten an den Rand einer Amtsenthebung brachten, trotz seiner charakterlichen Schwächen (Hang zur Selbstsucht, mangelnde Selbstdisziplin, wenig Rücksichtnahme und Freundlichkeit gegenüber dem engen Umfeld) kommt Klein zu einer positiven Bewertung: "Clinton war ein seriöser, disziplinierter und verantwortungsbewusster Präsident". Als Politiker sei er ein ausgesprochenes Naturtalent mit glänzender Rhetorik und beeindruckender Körpersprache gewesen. Inwiefern diese Attribute auf seinen Nachfolger zutreffen, mag jeder Leser selbst entscheiden. --Mathias Voigt
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Joe Klein betrachtet die achtjährige Clinton-Ära aus verschiedenen Perspektiven. Am meisten faszinierte mich die Sicht des Umgangs mit der Macht. Denn Joe Klein zeigt auf, wie die amerikanische Linke Schritt für Schritt und sehr schmerzvoll lernen musste, dass politische und gesellschaftliche Systeme sich ideologischen Patentrezepten gnadenlos widersetzen. Das Chaos der ersten Präsidentschaftsjahre Clintons ist das Chaos individueller Verblendungen, Eitelkeiten, unausgesprochener Machtgelüste, falscher Freunde und unschicklicher Freuden. Ohne psychoanalytische Fernprognosen, aber mit einer seltenen Beobachtungsgabe liefert Joe Kleine seiner Leserschaft ein Bild von Bill Clinton, das Bewunderung und Erstaunen auslöst. Bewunderung für die Mission, die Clinton im Herzen trug und teilweise umsetzen konnte, Erstaunen ob all der menschlichen Schwächen und anfänglichen politischen Naivität.
Joe Klein ist kein Klatschkolumnist, sondern ein nüchternen Beobachter des bunten Treibens im Machtzentrum der heutigen Welt. Und da Bill Clinton der bekannteste und einflussreichste Exponent der Baby-Boomer-Generation war, ist Joe Kleins Analyse auch ein faszinierendes Sittengemälde einer ganzen Generation. Unter diesem Aspekt gelesen, wird dieses Buch auch nicht so schnell veralten. Es hartnäckigen Ideologen zu schenken, ist keine schlechte Idee, falls sie es denn auch tatsächlich lesen und die Ratschläge zwischen den Zeilen beherzigen.
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