Wie schon bei Steven Weinbergs "Der Traum von der Einheit des Universums" geht es bei "Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen" nur vordergründig um Physik, es ist vielmehr ein philosophisches und wissenschaftstheoretisches Buch. Und es ist ein hervorragendes philosophisches Buch. Henning Genz ist Professor am Institut für Theoretische Teilchenphysik an der Universität Karlsruhe, das garantiert, daß die physikalischen Theorien umfassend und richtig dargestellt werden. Und wirklich: ich lernte viel Neues über die Entstehung des wissenschaftlichen Weltbilds, die Relativitätstheorien, die Quantenmechanik. Doch der große Vorteil dieses Buches ist, daß auch die philosophischen Aspekte angemessen berücksichtigt und diskutiert werden. Da geht es um Platon, Aristoteles, Descartes, Leibniz, Hume, Kant, Russell, Carnap, Popper. Vielleicht geht Genz dabei zu kategorisch davon aus, daß alle Philosophen Position gegen den Realismus beziehen. Das trifft nicht zu.
Ganz wichtig ist dem Autor die Berechtigung induktiver Schlüsse zu untermauern. Entscheidend dafür ist ein Antwort auf die Frage: Weshalb? Dabei gesteht Genz jederzeit zu: Ein sicheres Wissen über die Zukunft gibt es nicht. Aber ein Verständnis der Vergangenheit, am besten durch ein Naturgesetz formuliert, begründet die Erwartungen an die Zukunft.
Wer eine - zugegeben anspruchsvolle - Darstellung des physikalischen / philosophischen Weltbilds aus der Sicht eines engagierten Physikers lesen will, der ist mit "Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen" bestens bedient. Sehr empfehlenswert.