Hölder erzählt die Geschichte des Lebens auf eine sehr lebendige Art und Weise. Es weicht stark von der Ausdrucksweise der Lehrbücher ab, was aber nicht bedeutet, dass im Endeffekt weniger dabei herauskommt. Er hat lediglich versucht, komplexe Evolutionsvorgänge auch für den weniger "vorbelasteten" Leser verständlich zu machen. Ich wage sogar zu behaupten, dass ein naturwissenschaftlich gänzlich uninteressierter Mensch dieses Buch ohne größere Verständnisprobleme zu lesen vermag. Fast alle Fachbegriffe werden sofort oder im Glossar erläutert und viele Themen leiten sich aus den vorherigen ab, was dem Werdegang der Evolution entspricht und den Leser nicht abrupt in unbekannte Gebiete katapultiert. Hauptsächlich werden in diesem Buch die Entwicklungen der einzelnen Tiergruppen geschildert, besonders die Entstehung der für jede Gruppe charakteristischen physischen und psychischen (Mensch) Eigenschaften. Die Entwicklung der Pflanzenwelt wird weitgehend vernachlässigt, was die Aufgabe dieses Buches (das Verständlichmachen der Evolution) aber nicht beeinträchtigt. Besonders interessant finde ich die letzten Kapitel, die sich mit der Beziehung zwischen Natur- und Geisteswissenschaft beschäftigen. Hölder gesteht, dass gewisse Aspekte des Lebens und der Evolution nicht mit der Wissenschaft erklärt werden können und zeigt, dass der Glaube an eine höhere Macht nicht im Widerspruch zur Wissenschaft steht. Auch in den übrigen Kapiteln geht er mit den verschiedenen Theorien außerordentlich neutral um, in dem er sagt, dass viele Aussagen über die Beziehungen innerhalb der Evolution, welche von anderen Menschen bzw. in anderen Büchern oft als Faktum dargestellt werden, noch gar nicht bewiesen sind. Einen solchen Umgang mit diesem in seiner Komplexität meist unterschätzten und viel zu engstirnig behandelten Thema wünscht man sich öfter.