Seit der Veröffentlichung ihres ersten Pflanzenfärbebuches 1999 hat die Autorin Dorothea Fischer weiter mit natürlichen Rohstoffen ohne Zugabe von giftigen Zusätzen experimentiert und sie auf ihre Qualität zum Einfärben von Wollfasern und Seide untersucht. Die Fotos auf dem Buchdeckel und auf den Innenseiten sind überzeugend! Wer bisher glaubte, nur mit Chemiefarben ließen sich die leuchtenden Farben pink, violett, orange, grasgrün und türkis herstellen, wird eines besseren belehrt. Die umfangreichen Rezeptsammlung, zu der Profi-Färber-Freunde der ganzen Welt beigetragen haben, mit übersichtlich geordneten Zutaten und leicht verständlicher Arbeitsanleitung regen ebenso zum Nachahmen an wie die nicht weniger wichtigen Bezugsquellen von Färberdrogen. Wenngleich die Beschreibung des Arbeitsplatzes sowie der Vorbereitungs- und Färbearbeiten schnell deutlich machen, dass das Einfärben von tierischen Fasern ein langwieriger Prozess ist, der Geduld und Experimentierfreudigkeit voraussetzt. Wem das Expressfärben in der Waschmaschine schon zu aufwändig ist, lasse die Finger davon! Ausführungen in der sehr persönlich beschriebenen Einleitung verdeutlichen, dass das Färben mit Naturfarben für die Autorin einen zentralen Aspekt ihres Lebens ausmacht, in dem sie ihre Lebensphilosophie, ihre Sinnesschulung und die Harmonie mit der Umwelt vortrefflich in Übereinstimmung zu bringen vermag. Im Anhang werden umfangreiche Informationen gegeben zu den einheimischen und exotischen Färbepflanzen, ihrem Vorkommen, ihren Inhaltsstoffen und ihrer Bedeutung für die Heilkunde. Diese Pflanzenbeschreibungen schärfen den Blick für die Natur und laden dazu ein, sich der Flora über ihren Nutzen als Färberpflanze zu nähern. So kann dieses Buch nicht nur den ökologisch orientierten Hobbyfärbern von Nutzen sein, sondern auch die Bibliothek der Lehrer mit naturwissenschaftlichem oder künstlerischem Schwerpunkt um ein Fachbuch mit handlungsorientiertem Anspruch sinnvoll ergänzen.