Eins gleich vorweg: Es ist völlig verständlich, diesen Film nicht zu mögen. Er soll polarisieren und das funktioniert sehr gut. Ihm allerdings mangelnden Inhalt vorzuwerfen, nur weil man ihn nicht verstanden hat, ist ignorant und selbstherrlich.
Die Story an sich ist einfach: Nach dem Vorbild von "Bonnie & Clyde" zieht ein Pärchen als Serienkiller durch die USA, in den Medien ein Riesenhype um das Thema. Ihre Gefangennahme und was daraus resultiert ist dann der zweite große Abschnitt des Films. That's it.
Was ihn besonders macht: Die Schnitte und ständig wechselnden Drehtechniken, vom körnigen Schwarz-Weiß einer HandyCam Szene zu Beginn, dann die verkorkste Erziehung und der Missbrauch des Vaters an der Hauptdarstellerin als SitCom Einspielung, der Regisseur Oliver Stone zappt durch die Szenen. Und genau das sollen die verschiedenen Techniken und Stile auch verdeutlichen.
Neben dem Killer-Pärchen, das desinteressiert-labil ist, aber zumindest mit dem Satz "I'm a natural born killer" zumindest seinen Platz in der Gesellschaft kennt und nicht gänzlich unsympathisch daherkommt, sind ein sensationsgieriger Fernsehjournalist und ein widerwärtiger Cop grandios verkörperte Nebendarsteller. Gerade der klassische Sensationsjournalist, der alles tut für eine Story kommt hier sehr gut rüber.
Was will der Film sagen: Gar nicht viel, er zeigt nur schonungslos die Doppelzüngigkeit des heutigen Sensationsjournalismus auf. Die Medien verurteilen die Taten des Pärchens, aber sie leben wochenlang von der Story, die beiden werden durch den Rummel zu Medienstars. Wem das, in noch etwas milderer Form, vom deutschen Privatfernsehen bekannt vorkommt, liegt sicher nicht falsch.
Der Film ist absolut sicher brutal und damit auch nichts für jeden, aber er hat definitiv eine Aussage und enthält eine Parabel, die nicht so schwer zu entdecken ist.
Als ich den Film zum ersten Mal im Kino gesehen habe wurde er sogar schon im Kino bestätigt. In Erwartung einer splatterigen, tumben Gemetzel-Orgie hatte sich auch ein entsprechendes Publikum im Kino eingefunden. Auch angetrieben durch die harsche Kritik, eben wegen der Brutalität des Films (von Menschen geschrieben, die ihn noch nie gesehen hatten, aber davon gehört, dass der so brutal sei), warteten diese Besucher nun auf das anstehende Super-Gemetzel. Das kam aber nicht und so verließen sie nach einem Drittel der Zeit enttäuscht das Kino. Pasenderweise hatten sie genau das erwartet, was im Film böse karikiert wird.
Nach "Clockwork Orange" wieder ein grandioses Stück Filmgeschichte, in der die Gewalt als Mittel zur Verdeutlichung von Gesellschaftskritik verwendet wird.