Weltgeschichte zu schreiben, ist wohl ein ebenso schwieriges Unterfangen, wie Weltgeschichte zu machen. Der Bielefelder Historiker Joachim Radkau jedenfalls hat sich nicht davor gescheut, es zu versuchen. Sein Buch, „Natur und Macht - eine Weltgeschichte der Umwelt", stellt eine reichhaltige Sammlung von historischen Beispielen dar, die er immer wieder implizit mit der Frage konfrontiert: In welchem Maße wurde der unmittelbare Eingriff des Menschen in die Natur bezüglich der nicht selten bekannten mittelbaren Folgen dieses Eingriffs bewusst praktiziert? Ausgehend von der insbesondere jüdisch-christlichen Trennung von Mensch und Natur, dem Dominium-terrae-Gebot des alttestamentlichen Gottes: „Macht euch die Erde untertan." betrachtet Radkau dieses Verhältnis als Subjekt (Mensch) - Objekt (Natur) - Verhältnis. Die klassisch-ökologische Problembeschreibung wäre etwa diese: Der frühgeschichtliche Mensch tritt reflektierend heraus aus seiner Umwelt, um sie methodisch für sich auszubeuten. Die Folge ist ein wirtschaftlicher Fortschritt. Allerdings ist das Objekt Natur dabei oftmals nur Objekt der Begierde im Hinblick auf einen kurzfristigen Maximalertrag. Eine Rache der Natur (Absinken der Erträge, Naturkatastrophen) sei dann die Folge eines nicht nachhaltigen Wirtschaftens. Hätte man nun die Trennung von Mensch und Natur nicht vollzogen, wäre die eine Natur, die ja den Menschen mit einschloss, in sich harmonisch geblieben. Radkau zeigt an diversen Beispielen, dass eine solche idealtypische Sichtweise auf Umweltgeschichte den historischen Entwicklungen nicht gerecht wird. Wie hoch auch immer das Niveau eines rationalen Heraustretens des Menschen aus der Natur gewesen sein mag; mittelfristig musste er sich mit ihr arrangieren: Da konnte er nur eins sein mit der Natur. Das Aufzeigen der in der Menschheitsgeschichte immer wieder gegenläufigen, sich oft überlagernden Tendenzen von einem mit oder gegen die Natur aus Sicht des agierenden Menschen, die meist eine klare Positionierung nicht zulassen, steht im Vordergrund von Radkaus Umweltgeschichte. Nur eines ist für ihn klar - im Sinne einer im umweltgeschichtlichen Diskurs sich vollziehenden Negation der kopernikanischen Wende: Die Welt des Menschen ist immer eine anthropozentrische Welt, und bei jedem Naturschutz muss es zuerst und zuletzt um das Wohl des Menschen gehen.