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Der Nationale Sozialismus. Ideologie und Bewegung 1890 - 1933
 
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Der Nationale Sozialismus. Ideologie und Bewegung 1890 - 1933 (Gebundene Ausgabe)

von Karlheinz Weißmann (Autor)
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Herbig (September 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3776620560
  • ISBN-13: 978-3776620566
  • Größe und/oder Gewicht: 23,5 x 16,2 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Vom «Sozialismus» Hitlers

Eine ideologische Aufwertung des NS-Regimes

Sozialistische Ideen und Traditionen spielten im Nationalsozialismus – trotz «Sozialismus» im Parteinamen – eine geringe Rolle. In Böhmen und Österreich waren schon vor dem Ersten Weltkrieg erfolglos Parteien gegründet worden, die Nation und Sozialismus vereint im Schilde führten. Friedrich Naumanns Leitbild für einen «sozialen Nationalismus» in Deutschland hatte einen demokratisch reformerischen Hintergrund. Was mit Hitlers Nationalsozialistischer Deutscher Arbeiterpartei (NSDAP) antrat, war anderer Herkunft als der internationale Sozialismus, ob reformerisch oder weltrevolutionär. Bei der Namensgebung von 1920, bereits unter Führung Hitlers, dominierten eindeutig Nationalismus und Rassismus.

Überlegungen dieser Art werden wach, wenn man sich an die Lektüre von Karlheinz Weissmanns Buch «Der Nationale Sozialismus» macht. Im Vorwort erklärt der Verfasser, dass es darum gehe, «eine Bewegung als ideologische Bewegung ernst zu nehmen, weil eben in diesem ideologischen Charakter die entscheidenden Antriebe für ihr Sendungsbewusstsein und ihre Konfliktbereitschaft mit den alten und den neuen Mächten der Zeit lagen». Konfliktbereitschaft? Ist hier nicht Hitlers konsequenter Wille zur Aggression das richtige Wort? Und das Ernstnehmen? Wo gleitet Verstehenwollen ab in Rechtfertigung? Etwas später macht Weissmann geltend, dass dem Nationalsozialismus wie dem Faschismus nie bestritten worden sei, ein «Nationalismus» zu sein; doch habe man immer wieder versucht, seinen «sozialistischen» Gehalt in Abrede zu stellen.

Europäische Vorgeschichte

Unser Autor nimmt sich vor, diesen sozialistischen Gehalt des «Nationalen Sozialismus» vom 19. Jahrhundert her an den Tag zu bringen. Darum der Untertitel «Ideologie und Bewegung 1890 bis 1933». Weissmann liefert damit die Vorgeschichte zu seinem Werk «Der Weg in den Abgrund. Deutschland unter Hitler 1933–1945». Als Band 9 der Propyläen-Geschichte Deutschlands löste es 1995 mit seinen revisionistischen Thesen einen Skandal aus, wurde darum zurückgezogen und erschien 1997 überarbeitet in einem anderen Verlag. Hans Mommsen, der ursprünglich vorgesehene Verfasser des Propyläen-Bandes, wurde danach – erneut – beauftragt, den Band über die Zeit des Nationalsozialismus zu schreiben (vgl. NZZ vom 17. 1. 96 und vom 25. 7. 96).

Weissmann bettet die deutsche Entwicklung ein in den gesamteuropäischen Rahmen der Parteien, Bewegungen und Strömungen. Eingehend ist auch von Mussolini und dessen Faschismus die Rede. Der «Marsch auf Rom» inspirierte Hitler zum Münchner Putsch von 1923; das faschistische Décor mit Schwarzhemden und Standarten, das Ritual mit römischem Gruss, Aufmärschen und Massenkundgebungen fanden Nachfolge im Dritten Reich. Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Bewegungen und ihren Chefs sind frappant. Zwar besass der einstige sozialistische Agitator und Politiker Mussolini im Gegensatz zu Hitler ein grösseres ideologisches Gepäck. Für Duce und Führer aber war die Ideologie blosses Instrument zur Ergreifung und Verteidigung der Macht.

Ganz im Vordergrund von Hitlers Weltanschauung standen laut Weissmann 1921 aggressiver Nationalismus und ein ebenso aggressiver Antisemitismus. In den Worten des künftigen Führers: Sozialismus sei nur durchzuführen in Begleitung des Nationalen und des Antisemitismus. Der Erfolg des Nationalsozialismus, so Weissmanns eigener Schluss, erkläre sich aus der Demütigung durch den Versailler Vertrag und der Angst vor der «roten Gefahr», aus den Defekten des Parlamentarismus und der Sehnsucht nach dem starken Staat, aus Abstiegsfurcht des Mittelstandes und Arbeitslosigkeit, aus dem Charisma Hitlers und der Glaubensbereitschaft der Massen. Und sogleich die Rückkehr zur These: «Der Erfolg des Nationalsozialismus erklärt sich aber vor allem aus dem Angebot einer Parole, die den Ausgleich von Volksgemeinschaft und sozialer Gerechtigkeit verhiess.» Dieses Konzept von nationalem Sozialismus habe den «Ausgangspunkt einer neuen national-sozialistischen Welle» dargestellt, die für die Welt Bedeutung gewinnen sollte.

Revisionistische Umwege

Spätestens in diesem Finale, das von der «epochalen Bedeutung» der nationalsozialistischen Ideologie spricht, realisiert der Leser voll, dass da eine umfassende Revision im Gang ist, nicht nur die Absicht zu beschönigenden und abschwächenden Einzelkorrekturen. Bestimmt gab es seit dem 19. Jahrhundert Tendenzen eines national begründeten Sozialismus, der sich mit der Parole der Volksgemeinschaft dem international-revolutionären Sozialismus marxistischer Prägung entgegenstellte. In der NS-Ideologie war dies aber nur ein Element unter vielen. Die Doktrin besass im totalitären Staat kaum einen Eigenwert, war nur Werkzeug im politischen Kampf. Für den Historiker Karl Dietrich Bracher ist die NS-Ideologie ein «eklektisches Konglomerat von Ideen und Mentalitäten, Vorstellungen und Wünschen, Emotionen der verschiedensten Herkunft, das erst durch die Manipulation einer radikalen politischen Bewegung in einer Krisensituation zusammengeschweisst wurde».

Weissmanns Abhandlung versucht eine «Ehrenrettung» des Nationalsozialismus mittels ideologischer Aufwertung, unter Ausblendung des totalen Rassenkampfes. Er erwähnt zwar die «Schatten», räumt Fehler und Mängel ein, aber behauptet noch zuallerletzt, stärkster Impuls der NS-Ideologie sei die Verteidigung der Nation und die umfassende soziale Integration ihrer Glieder zum Zwecke «einer wie auch immer definierten Selbstbehauptung» gewesen. Als ob sich aus der Fratze des NS-Regimes fein säuberlich ein ideologisches Moment herauspräparieren liesse, ohne ein neues Zerrbild zu schaffen.

Theodor Wieser


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29 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Hervorragendes Werk, 18. Mai 2003
Der Rezensent der Neuen Zürcher Zeitung, Theodor Wieser, darf sich durchaus als Vertreter einer Bewegung verstehen, die ihren Ursprung in der Aufklärung, ihren entscheidenden Antrieb im Nationalsozialismus in Deutschland und ihr Ziel in einer geistig-politischen Hegemonialstellung hat. Diese Interpretation der Geschichte, besonders der deutschen im Zeitraum 1933-45, im „antifaschistischen" Sinn hat immer auch das Ziel, sämtliche abweichenden Interpretationen vom Diskurs auszuschließen. Dies geschieht dann immer mit dem Hinweis auf die Gefahr einer „Revision" des Nationalsozialismus bis hin zu seiner Verherrlichung, die solche abweichenden Interpretationen angeblich in sich bergen. Vor diesem Hintergrund ist Wiesers Frage „Wo gleitet Verstehenwollen ab in Rechtfertigung?" zu verstehen. Die Durchschlagskraft dieser „antifaschistischen" Bewegung ist anhand von Weißmanns Werk deutlich zu erkennen, da dieser allein dadurch, daß er - was den Nationalsozialismus betrifft - nicht in allgemeine Verurteilungshymnen einstimmt, sondern sich dem Thema wissenschaftlich nähert, ins Kreuzfeuer der Kritik geriet. In diesem Zusammenhang sei auch auf den von Wieser erwähnten Band 9 der Propyläen Geschichte Deutschlands hingewiesen, der laut Wieser „mit seinen revisionistischen Thesen einen Skandal" ausgelöst habe. Dieser Band geriet bereits in scharfe Kritik, bevor der Text des Bandes überhaupt veröffentlicht war - allein, weil der Autor ein Vertreter der „Neuen Rechten" und deshalb als Historiker und besonders als Autor eines Bandes über die NS-Zeit unqualifiziert sei. Als der Band dann schließlich veröffentlicht wurde, war im ganzen Land von einem Skandal die Rede und in Ermangelung von Ansatzpunkten für sachliche Kritik verfiel man darauf, Seitenzahlen zu zählen, die Weißmann bestimmten Themengebieten gewidmet bzw. nicht gewidmet hatte oder zu behaupten, daß der Verfasser all die bösen Dinge, die er eigentlich denke, aus Vorsicht nicht ausspreche. Hinzu kam, daß der für den Band ursprünglich vorgesehene Hans Mommsen, der zum Zeitpunkt von Weißmanns Annehmen des Auftrags bereits mehrere Jahre mit der Abgabe des Manuskriptes in Verzug war, sich plötzlich zu Wort meldete und seine Rechte an dem Verfassen des Bandes geltend machen wollte. Alles in allem ein mehr als lächerlicher Skandal, der dazu führte, daß der Propyläen-Verlag, der sich kurze später teilte, den Band zurückzog, dem Autor die Rechte zurückgeben sowie Schadensersatz leisten musste. Der Band (Titel: „Der Weg in den Abgrund. Deutschland unter Hitler 1933-1945") wurde an anderer Stelle (im Herbig-Verlag) veröffentlicht. Das ursprünglich erste Kapitel dieses Bandes ist nun erweitert worden und liegt unter dem Titel „Der Nationale Sozialismus. Ideologie und Bewegung 1890-1933" vor. Weißmann hat mit diesem Band einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, die Isolation des Nationalsozialismus aufzuheben und diesen in den gesamteuropäischen Geschichtsverlauf einzubetten. Insgesamt ist dieses Buch ein klares Beispiel dafür, daß wissenschaftliche Arbeit heutzutage unter dem Prüfstein der political correctness nur noch von sekundärem Interesse ist. Bezeichnenderweise wurde Weißmanns hervorragendem Werk nie irgendein sachlicher Fehler vorgeworfen.
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24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen knappe Darstellung des Inhalts mit Bewertung, 20. Januar 1999
Von Ein Kunde
Der in Bovenden bei Göttingen lebende Historiker Karlheinz Weißmann hat nach seinem Buch über die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland eine weitere Arbeit vorgelegt, die sich mit dem Thema auseinandersetzt.

„Der Nationale Sozialismus" trägt als Untertitel „Ideologie und Bewegung 1890 - 1933". Es handelt sich hierbei um eine ideengeschichtliche Darstellung, welche die Herkunft jener Ideologie untersucht. Dieses Buch versteht sich als Vorläufer des ursprünglich im 1995 als Band 9 der „Propyläen Geschichte Deutschlands" erschienenen Bandes „Der Weg in den Abgrund", welches alsbald vom Verlag zurückgezogen und mittlerweile beim Herbig-Verlag wieder erschienen ist.

Grob untergliedert das Buch sich in zwei Hälften. Zunächst wird die geistesgeschichtliche Situation dargestellt, in der Nationalismus und Sozialismus in Europa die politische Symbiose eingehen konnten. In dem zweiten Teil des Buches wird dann deutschlandspezifisch an der Entwicklung der NSDAP und der Person Adolf Hitlers dessen Weg zur Macht dargestellt.

Anfangs wird die geistesgeschichtliche Situation am Ausgang des vom Liberalismus geprägten 19. Jahrhunderts dargestellt. Gruppierungen, die sich von den neuen Strömungen des Sozialismus und Nationalismus gleichermaßen angezogen fühlten, fanden sich vor allem in Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Ländern der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Industrialisierung und die Auffassung der Nation als relativ homogenes, seine Mitglieder auch wirtschaftlich sicherndes Ganzes führte zur Idee eines „nationalen Sozialismus", welche in allen Schichten des politischen Lebens Anhänger fand. Auch auf die Rolle des Antisemitismus, die schon in diesem Zusammenhang zu behandeln ist, geht Weißmann ein.

Vor dem ersten Weltkrieg, als die Klassengesellschaft alle Länder Europas prägte, konnten sich derartige Ideen jedoch nirgendwo durchsetzen. Erst nach dem ersten Weltkrieg, als die bürgerliche Klassengesellschaft in den Schützengräben ihr Ende gefunden hatte, konnte sich die Massengesellschaft durchsetzen, die unabdingbare Wirkungsvoraussetzung national-sozialistischer Ideen war.

Die liberale Demokratie des Westens und der russische Bolschewismus ließen nun den Ruf eines „dritten Weges zwischen Kommunismus und Kapitalismus" laut werden, für die Anhänger eines nationales Sozialismus nunmehr eintraten. In ihren Augen hatte der Krieg den Zusammenhang von nationaler und sozialer Ordnung bestätigt, und der Zerfall der Internationale und der Kriegssozialismus waren den Erwartungen vieler National-Sozialisten entgegengekommen.

Der erste Teil des Buches schließt dann mit einer Erläuterung der Bedingungen, unter denen der Faschismus in Italien entstand und erfolgreich werden konnte, so daß Mussolini am 31. Oktober 1922 Chef einer Koalitionsregierung werden und sich so schließlich ein faschistisches System in Italien etablieren konnte.

Der zweite Teil der Darstellung konzentriert sich auf die Entwicklung in Deutschland, wobei der Blick auf die Person Adolf Hitlers und die NSDAP fokussiert wird.

Zunächst wird eine Übersicht über die Biographie Hitlers bis zu seinem Eintritt in die NSDAP gegeben, anschließend wird seine politische Haltung dargestellt, soweit sie sich schon entwickelt hatte. Bis zum gescheiterten Putsch 1923 trat er offen für einen offenen revolutionären Umsturz der politischen Verhältnisse ein. Nach Scheitern des Putsches wurde Hitler zur Festungshaft verurteilt, in der er nach Weißmanns Auffassung erstmalig sein politisches Weltbild durch ein systematisches Studium verfestigte. In dieser Zeit verfaßte er auch den ersten Teil von „Mein Kampf", welches zwar weite Verbreitung fand, aber offensichtlich nur wenig gelesen wurde. In diesem Buch war Hitlers revolutionäres Programm ausgearbeitet publiziert. Nach der Machtergreifung soll Hitler geäußert haben, daß er dieses Buch wohl nicht geschrieben hätte, wenn er damals geahnt hätte wirklich an die Macht kommen zu können. Nicht wegen seines Inhalts, sonders aufgrund der möglicherweise die Massen abschreckenden Programms, welches er darin entwickelt hatte.

Weißmanns Buch behandelt nun die zweite Gründung der NSDAP und ihren politischen Durchbruch Anfang der 30er Jahre, die Aversion Hindenburgs gegen den „böhmischen Gefreiten" sowie die innerparteiliche Entwicklung. Insbesondere Aufstieg und Fall Strassers findet Beachtung.

Ausführlich wird das Verhältnis zur KPD dargestellt, welches keineswegs nur von Feindschaft, sondern auch von partieller Zusammenarbeit, etwa beim BVG-Streik 1932, geprägt war.

Schließlich endet die Darstellung Weißmanns mit der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933.

Im Anhang finden sich ein Abkürzungsverzeichnis, eine ausführliche Bibliographie und ein Personenregister. Vermißt wird ein Sachregister.

Weißmanns Buch ist geht sehr ins Detail, bleibt bei allem jedoch stets gut lesbar. Es kann allen am Thema Interessierten nur empfohlen werden, da es sich durch eine durchgehend sachliche Darstellungsweise auszeichnet. Weißmann versucht nicht, längst entschiedene ideologische Schlachten neu zu schlagen.

Das Buch hat bei Erscheinen eine Diskussion neu belebt, ob der Nationalsozialismus politisch „rechts" zu verorten sei. Es gibt Gründe dafür (Ablehnung des allgemein als „links" verorteten Bolschewismus, Überbetonung des „nationalen" und Ablehnung jeden „Internationalismus", Schaffung eines Volkssozialismus) wie auch dagegen (politische Herkunft aus dem vieler Nationalsozialisten sozialistischen Lager, Selbstverständnis als revolutionäre Arbeiterpartei, Ablehnung bürgerlicher Kräfte als „reaktionär", Ablehnung der Wiederherstellung der Monarchie). Weißmann entscheidet diese Frage letztendlich nicht. Meines Erachtens ist diese Fragestellung zudem auch falsch, da der Nationalsozialismus seine Wurzeln sowohl „rechts" als auch „links" hat, sich aber jenseits dieser Verortungen sieht.

Rezensent: F. Roland A. Richter

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