Eine sehr schöne und sehr umfangreiche Sammlung von Gedichten deutschsprachiger Autoren. Da Lyrik einen schweren Stand im Markt hat, auf der anderen Seite, sehr viele Autoren Gedichte schreiben, ist dies an und für sich eine hervorragende Idee, über eine Ausschreibung, zeitgenössischen Autoren eine Plattform zur Veröffentlichung zu bieten. Ausschreibungen sind in der Literatur / Prosa gang und gebe. Sehr viele Zeitschriften, aber auch Verlage bieten über Ausschreibungen auch neuen Autoren eine Möglichkeit der Veröffentlichung. Honorare gibt es dann meist nicht. Es locken der Preis selbst und die Veröffentlichung. Das ist zunächst einmal alles andere als unseriös.
Auch diesen Gedichtband kann man nicht unseriös nennen, beteiligen sich doch hier dran sehr viel seriöse Autoren, die auch in anderen Bereichen veröffentlichen und veröffentlicht haben. Jung- und Neuautoren einfach als "Laien" zu diffamieren, ist da schon eher als unseriös zu bezeichnen. Auch eine Rowling war eine "Laiin" bevor sie ihren Harry Potter veröffentlichte. Jeder fängt mit seinem Erstling an.
Nun ist es aber so, das mitnichten jeder der ein Gedicht einreicht, in diesem Band auch veröffentlicht wird. Einer Auswahl von 2-3 Tausend Gedichten steht eine Vielzahl an Einreichungen entgegen, so dass die Chance, sich gedruckt zu sehen, für den Einzelnen dann doch nur zwischen 10% und 20% liegt. Die Auswahl folgt eben doch bestimmten Qualitätskriterien.
Aber nicht jeder der Goethe liebt, wird sich mit diesen Gedichten anfreunden können. Nicht jeder der Gedichte mag, wird alle diese Gedichte mögen. Der Reiz dieser Gedichte liegt aber dennoch darin, dass die Mehrzahl von ihnen für die große Allgemeinheit tatsächlich noch "lesbar" ist, was man von manchen zeitgenössischen Gedichten in anderen Werken nicht mehr behaupten kann. Dass Gedichte sich so schlecht verkaufen lassen, liegt unter anderem auch daran, dass viele moderne Dichter sich mit ihrer Sprache viel zu weit vom Leser entfernen und damit nur noch eine ganz kleine Fangemeinde erreichen können.
Aber die Kunst der Sprache ist nicht nur dann eine Kunst, wenn eine Mehrheit ihr nicht mehr folgen kann. Nein, es ist auch eine große Kunst, mit einfachen Worten Stimmungen, Gefühle, Alltäglichkeiten so zusammenzufassen, dass der Leser sagt, jawohl, das trifft es genau. Solche Gedichte finden sich in diesem und in den anderen Bänden in großer Vielfalt.
Das, was ein wirklicher Kritikpunkt ist, das ist der Preis. Zwar ist das Buch wunderschön aufgemacht, aber selbst damit stimmt das Preis-Leistungsverhältnis in keiner Weise. Und dieser Preis ist es auch, der dem Verdacht der unseriösen Geschäftemacherei Vorschub leistet. Denn natürlich kann sich jeder ausrechnen, dass dieses Buch sich allein dadurch trägt, dass die Autoren es kaufen. Leider wird es wohl auch so sein, dass es für andere Leser aufgrund des Preises in der Gänze uninteressant ist. Und man muss sich schon fragen, ob der Verlag eigentlich ein ehrliches Interesse hat, auch an Nicht-Autoren zu verkaufen.
Das ist der eigentliche Skandal und sehr schade. Denn weder die Autoren, noch die Werke haben es verdient, in diese Ecke gedrängt zu werden.
Und wenn der Verlag diese Politik nicht aufgibt, dann wird auch eines Tages die Qualität leiden, denn wenn die Autoren sich erst einmal dafür schämen müssen, in diesem Werk veröffentlicht zu haben - und mancher Orten wird dieser Ruf schon laut - wird niemand mehr, der auf seinen Ruf hält, hier sein Gedicht einsenden.