"Stress - SOS der Seele" (Originaltitel "Stress- Portrait of a Killer") ist hervorragendes Unterrichtsmaterial (z.B. für Lehre an Hochschulen und Erwachsenenbildung) das in seiner Qualität und Anschaulichkeit seinesgleichen sucht.
Der Film vergleicht basale Stressprozesse am Tiermodell für menschlichen Stress (Bericht: Robert Sapolsky, PhD, Stanford University, Beispiel: Baboons) mit Stress im Arbeitsleben (Bericht: Whitehall Studies, Sir Michael Marmot, University College London, Beispiel: Regierungsangestellte)und arbeitet folgende Gemeinsamkeiten heraus: Strikt hierarchische Gesellschaften, wenig Entscheidungsmöglichkeiten und soziale Konflikte. Gesundheitsschädliche Konsequenzen von Stress werden thematisiert (z.B. Anstieg von Stresshormonen, beeinträchtigte Immunkompetenz, beschleunigtes Altern, Gedächtniseinbussen, Depressivität)und die Vorteile einer hierarchisch hohen Position betont (z.B. bessere Gesundheit, verlangsamter Alterungsprozess, höhere Immunkompetenz und geringeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen). Der Film geht auf Wege ein dem Stress zu begegnen und betont die Bedeutung gesunder und unterstützender sozialer Beziehungen (Elisa Epel, PhD und Elizabeth Blackburn, PhD, University of California at San Francisco) insbesondere für die Verlangsamung von Alterungsprozessen. Des Weiteren wird betont, dass Gesundheit insbesondere dann erhalten werden kann, wenn die eigene soziale Umgebung wenig hierarchisch, konfliktarm und wenig durch sozialen Vergleich geprägt ist. Schliesslich wird die zentrale Bedeutung von Erholung (Work-Life Balance) für Gesundheit und Wohlbefinden illustriert.
Kritisch anzumerken ist, dass als Präventions- und Interventionsmassnahmen in Bezug auf Stress am Arbeitsplatz die zahlreichen bewährten Prinzipien und Methoden der betrieblichen Gesundheitsförderung nicht zur Sprache kommen (z.B. angemessene Arbeitsgestaltung im Sinne von genügend Handlungsspielraum, Wertschätzung und sozialer Unterstützung, Erwerb von sozialen Kompetenzen und Konfliktmanagement- und Stressbewältigungskompetenzen).
Prof. Dr. Simone Grebner