Dieser Text behandelt eine Thematik wie sie während der Aufklärung jedem ans Herz gelegt wurde, und es heutzutage noch immer werden sollte.
Lessing geht davon aus, dass sich die Welt als Ganzes bessert wenn sich viele einzelne Menschen bessern. So bessern sich in seinem Werk auch verschiedene Figuren, angeregt durch den Juden Nathan, der bei ihnen diesen Prozess der Besserung eingeleitet hat. Nathan ist ein unermüdlicher Kämpfer für dieses Ziel, er könnte also auch als Aufklärer bezeichnet werden, als der ideale Aufklärer, wie in Lessing sich wohl wünschte. Am Ende des Buches sind die Charaktere durch freundschaftliche Beziehungen verknüpft, die keinen Platz für religiösen Fanatismus lassen.
So ist das Herzstück des Buches wohl auch die Frage des Sultans an Nathan:
"[...] - Da du nun
So weise bist: so sage mir doch einmal -
Was für ein Glaube, was für ein Gesetz
Hat dir am meisten eingeleuchtet? "
So beantwortet Nathan dir Frage auch erst nach einiger Bedenkzeit nicht mit einer eindeutigen Antwort, sondern mit einer Geschichte die sich kurz als "Parabel des Ringes" bezeichnen lässt. Diese Parabel hat er von Bocaccio "ausgeliehen" und leicht angepasst. Sie verdeutlicht nochmals Nathans Ansicht, dass es keine richtige Religion gibt, sondern vielmehr das was der Mensch mit seinem Leben und seiner Umwelt macht das ist was zählt, und das sollte in allen Religionen dasselbe sein.
Nathan der Weise ist aufgrund der alten Sprache und der Verse nicht einfach zu lesen, doch nach einer Weile gewöhnt man sich an den Schreibstil und man kann die spannende Geschichte um Toleranz, Frieden, Liebe und Macht geniessen.
Eindeutig eines der bedeutendsten Werke aus dieser Zeit (1779 erschienen) und es repräsentiert auch den Gedanken der Aufklärer, den sich jeder moderne Mensch wieder einmal auffrischen sollte, denn sonst eines der wichtigsten Erbe der Geschichte verloren...