Die Geschichte spielt in Paris. Nathalie und François sind ein Paar wie aus dem Märchenbuch, eine Liebe auf den ersten Blick, die in eine glückliche Ehe mündet, bis eines Tages der Tod die Liebenden auseinanderreißt. Beim Joggen wird François von einem Auto überfahren. Die Zeit scheint stillzustehen für seine junge Witwe Nathalie. Sie stürzt sich ganz in die Arbeit, die ihrem Tag Struktur und ihrem Leben Halt gibt. Als leitende Angestellte arbeitet sie in einem schwedischen Unternehmen. Allein die Neugier und das Mitleid ihrer Kollegen sowie die Avancen ihres verheirateten Chefs Charles erwecken Nathalies Unmut. Aus einer willkürlichen Laune heraus küsst sie eines Tages im Büro den farblosen Quotenschweden Markus, als dieser ihr Büro betritt. Sie hatte ihn selbst eingestellt, doch aufgefallen war er ihr nie.
Für Markus jedoch bedeutet dieser Kuss alles. Er setzt alles auf eine Karte, um das Herz der schönen traurigen Nathalie zu gewinnen. Eine ganz ungewöhnliche Liebesgeschichte beginnt, wie sie ehrlicher, zärtlicher und empfindsamer nicht sein kann. Während die Gerüchteküche in der Firma heftig brodelt und der verletzte männliche Stolz von Charles Konsequenzen fordert, nähern sich die beiden verletzten Seelen behutsam an.
Im Prinzip werden zwei Liebesgeschichten erzählt, zunächst die von Nathalie mit François und später die mit Markus. Wie im Märchen beginnt die Geschichte der schönen Nathalie. Zwei Menschen treffen sich auf der Straße und wissen schon bald, daß sie füreinander bestimmt sind. "Kaum hatten sie sich kennengelernt, da feierten sie ihr Zweijähriges." Sie ziehen zusammen, heiraten und ... lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Doch es kommt anders und das Schicksal schlägt unerbittlich zu.
Was bleibt, wenn die große Liebe stirbt? Nathalie steht vor den Trümmern ihres Lebens, fühlt sich wie gelähmt und kann nicht mehr klar denken. Sie verfällt in eine unendliche Trauer, der Lebenssinn ist dahin und die Tage reihen sich farblos aneinander. "Seit drei Jahren war er nun tot. Seit drei Jahren dümpelte ihr Leben in Ödnis dahin."
Voller skurriler Einfälle, Randbemerkungen, Fußnoten und Listen erzählt Foenkinos eine bemerkenswerte kleine Geschichte aus dem Leben. Eine Geschichte von Bestimmung, merkwürdigen Zufällen und seltsamen Fügungen im Leben, in der die Hoffnung regiert. Alles scheint möglich zu sein. Nichts ist so schrecklich, daß nicht auch Schönes daraus hervorgehen kann.
Foenkinos Sprache ist reinste Poesie, seiner Phantasie scheinen keine Grenzen gesetzt, sein Stil ... sehr französisch. Dieses ist das achte Buch des jungen Franzosen David Foenkinos, in seiner Heimat bereits ein Bestseller und in Kürze mit Audrey Tautou (
Die fabelhafte Welt der Amélie) als Nathalie im Kino zu bewundern. Seine Spezialität sind mit schrägem Humor und poetischer Sprache verfasste Alltags- und Beziehungsgeschichten. Schon
Das erotische Potential meiner Frau: Roman hat mir ungemein gut gefallen, doch "Nathalie küsst" gefällt mir noch viel besser. Über den Titel und das Buchcover kann man streiten, über den Inhalt nicht, denn der ist wirklich gut, witzig und klug.
Mal heiter, mal traurig, mal komisch, mal ernst und mal ironisch ist dieses Buch eine leichte, aber keineswegs seichte Sommerlektüre, die einem noch lange in stiller Freude ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ich bin schon sehr gespannt auf Audrey Tautou als Nathalie.