Orlando Figes ist neben Geert Mak, Gerd Koenen, Eric Hobsbawm und Karl Schloegel wohl der bedeutendste Russlandkenner in Europa. Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass seine Bücher zur russischen Geschichte profunde recherchiert, höchst lesenwert und sehr erhellend waren und sind.
In Nataschas Tanz, spielt die Kultur (Fokus is Literatur, Musik, Ballett, Tanz, Malerei und Volkskunst - in dieser Reihenfolge) die Hauptrolle. Die russische Geistesgeschichte ist gekennzeichnet von zwei Hauptmerkmalen - Einerseits von einer zutiefst europäischen Prägung, andereseits von einem ewigen Ringen von Gegensätzen (Ost / West, Adel / Arbeiter und Bauer, Arm / Reich und Intellektueller / Bürger und Proletarier). Figes Buch gibt interessante Denkanstösse und weckt das Interesse, tiefer in die Thematik einzutauchen. Kleine Kritikpunkte (wenig Bilder (obwohl gerade bei der Malerei oft drauf verwiesen wird, fehlen einige), Teil mit weiterführender Literatur sehr kurz, deutlich knappere Abhandlung der Sowjetzeit und keine profunde Analyse der post-sowjetischen Periode.
Nach meiner Ansicht, wurde den klassischen Personen wesentlich mehr Raum eingeräumt, als den Personen des 20. Jahrhunderts. Dennoch unbedingt empfehlenswert. Ein dankbarer Leser.