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Natürliche Mängel
 
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Natürliche Mängel [Gebundene Ausgabe]

Thomas Pynchon , Nikolaus Stingl
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

Leseprobe: Jetzt reinlesen [74kb PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
  • Verlag: Rowohlt (17. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498053108
  • ISBN-13: 978-3498053109
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 131.608 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Thomas Pynchon
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein Hippie-Detektiv in der Surfer-, Drogen- und Gangsterwelt Kaliforniens: Pynchons entspanntester Roman – ein psychedelischer Krimi. «California Dreaming!» The Guardian «Der Shakespeare der Popkultur.» Die Welt

Über den Autor

Thomas Pynchon wurde 1937 in Long Island geboren. Sein einziger öffentlicher Auftritt fand 1953 an der Oyster Bay High School in Long Island statt. Er studierte Physik und Englisch an der Cornell University, später schrieb er für Boeing technische Handbücher und verschwand. Seither sind seine Bücher (u.a. „Die Enden der Parabel“; „V“; „Gegen den Tag“) die einzigen öffentlichen Spuren seiner Existenz. Pynchon gilt als einer der bedeutendsten englischsprachigen Schriftsteller der Gegenwart. Er lebt in New York.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von AZ
Format:Gebundene Ausgabe
Larry "Doc" Sportello ist Privatdetektiv im Los Angeles der Siebziger, ein sanftmütiger Grasraucher, der Underdogs gegen das System vertritt. Eines Tages erhält er Besuch von seiner Ex Shasta. Sie sorgt sich um ihren aktuellen Liebhaber, den Immobilienhai Mickey Wolfmann, der von seiner Frau und deren Liebhaber in eine Nervenklinik abgeschoben werden soll. Bevor Doc tätig werden kann, ist das gesamte Quartett verschwunden. Stattdessen beauftragt ihn ein zweiter Klient, Schulden aus dessen Knastzeit einzutreiben, und zwar ausgerechnet bei einem von Wolfmanns Bodyguards. Die Suche endet mit einem überraschenden Knockout und dem Erwachen neben der Leiche des Gesuchten.
Dies ist natürlich erst der Beginn einer turbulenten Jagd kreuz und quer durch Los Angeles.
Anders als bei seinen weltumspannenden früheren Werken ist Pynchon diesmal sehr konzentriert, was Zeit, Ort und Handlung betrifft. Die Siebziger haben gerade begonnen. Die Welt kreist um Nixon, Vietnam und Charles Manson. Um Drogen und Musik. Das ARPAnet beginnt seinen Siegeszug und der Sender NBC will Raumschiff Enterprise absetzen. Pynchon läßt diese Zeit in allen Einzelheiten auferstehen, als Kulisse für eine reinrassige Krimigeschichte. Er nutzt alle Möglichkeiten des Genre, ohne dessen Grenzen sprengen zu wollen oder es zur Parodie verkommen zu lassen. Der Fall ist originell komponiert, obwohl er aus bewährten Bestandteilen besteht. Es kommt eben immer darauf an, was man daraus macht. Pynchon destilliert aus der gesamten Kriminalliteratur ein wahres Feuerwerk an schelmischer Unterhaltung.
Doc kommt - wie sollte es bei Pynchon anders sein - einer Verschwörung auf die Spur, die irgendwie mit dem Boot "Goldener Fang" zu tun hat. Der Name soll aber auch für eine Geheimorganisation stehen, die möglicherweise aus Zahnärzten besteht. Ist ein Toter mit Bissspuren ein Hinweis oder handelt es sich doch nur um ein ein simples asiatisches Drogenkartell? Wie in jedem guten Krimi üblich, werden zahlreiche falsche Fährten gelegt, aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass alle am Ende wieder aufgegriffen werden.
Auch die Figuren gehören zur üblichen Besetzung von hardboiled-Krimis, sind aber pynchonesk überarbeitet. Das heißt sie reden in halbseitigen Schachtelsätzen, singen schräge Lieder, neigen zu Drogenmissbrauch und verlieren sich in absurden Assoziationen. Dazu kommen vergleichsweise alltägliche Bedrohungen wie neonazistische Rockerbanden, Mafiosi, humorlose Cops, Drogenschmuggler und skrupellose Bauunternehmer. Und mitten drin der gutmütige Doc, den seine drogenbedingten Erinnerungslücken nicht daran hindern, im Verlauf der Handlung gleich mehrere Fälle zu lösen, die natürlich alle miteinander zusammenhängen.

"Natürliche Mängel" ist das witzigste und zugänglichste Buch, das Pynchon jemals geschrieben hat. Eine Krimikomödie voller Nostalgie. Leichtfüßig, beschwingt und randvoll mit Musik (was hätte es für ein Hörbuch werden können). Durch die fröhliche und durchweg sympathische Hauptfigur des Doc Sportello wirkt das Buch optimistischer als alle Vorgänger. Die Hippieideale, auf die Pynchon mit Vineland bereits einen Abgesang verfasst hat, existieren hier noch und stehen in voller Blüte. Zur Einstimmung auf das Lesevergnügen empfehlen sich alle Freak-Brothers-Comics, die Cheech & Chong-Filme, natürlich The Big Lebowski und ein ausgewogener Sixties-Soundtrack.
Wer schon immer wissen wollte, was die Fans an diesem Autor finden, kann hier einen ersten Eindruck bekommen, bevor er sich an seine Mammutwerke wie V, Die Enden der Parabel oder Gegen den Tag heranwagt.
Wenn man natürliche Mängel bei diesem Buch finden müsste, bräuchte man allerdings nicht lange suchen. Das Cover der deutschen Ausgabe ist gegenüber dem Original so unsagbar lieb- und einfaltslos, dass man den Schutzumschlag am liebsten mit der Verpackungsfolie wegwerfen möchte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
So recht weiß ich nicht, was ich von diesem Buch halten soll.

Worum geht es? Larry 'Doc' Sportello ist Privatdetektiv im Kalifornien der beginnenden 70er Jahre. In erster Linie aber ist er Hippie, und zwar einer, der dem Zynismus seiner Zeit einen (praktisch vom Dope imprägnierten?) Idealismus entgegen hält. Doc läuft in Sandalen durch LA, chillt am Strand, schämt sich nicht für seinen blonden Afro und trägt Motto-T-Shirts (z.B. 'Perlen-vor-Säue'). Bei Stress bekommt er ein psychogenes »rektales Pochen« und bei Begegnungen mit liebreizenden Damen unverblümt einen Ständer.
Zu Docs Kundschaft zählen seine Ex-Freundin, die sich um den psychischen Zustand und den physischen Verbleib ihres neuen Lovers sorgt (seines Zeichens Bauunternehmer mit einer Vorliebe für Aktdarstellungen auf Krawatten), eine Heroinsüchtige, deren Mann an einer Überdosis gestorben sein soll, von dem sie aber glaubt, er lebe noch, oder auch mal Ex-Knastis, die in Waffengeschäfte mit einer militanten, nationalistischen Organisation namens »Kalifornien erwache« verstrickt sein könnten. Dann ist da noch der zwielichtige Polizist Bigfoot, der seine eigenen Pläne mit Doc hat. Ringsherum schwirren Surfer & Rockbands durchs Szenario, User und neureligiöse Mystiker, Vietnamveteranen, ein Anwalt, der auf Donald Duck und daily soaps hängen geblieben ist, und sonstige Verhaltensoriginelle - sympathisch Gestörte aus Docs Bekanntenkreis. Er selbst ist der größte Verpeiler und der größte Checker in seinem Revier.
Auch wenn es nicht so aussieht, als ob irgend jemand Doc für seine Detektei-Dienste je bezahlen wird, legt der los, den Leuten auf den Zahn zu fühlen, und gerät dabei immer tiefer in die Machenschaften von Immobilienhaien, Polizei, Drogenkartellen, von Auftragskillern und dem FBI; alle sind sie (scheinbar) in seine Fälle involviert.

Na gut, die Detektivstory an sich ist gar nicht so spektakulär, eher schon, wie Doc sich durchs Geschehen kifft, vögelt & philosophiert, vorlaut, gewitzt, philanthropisch, und dabei so etwas wie einen roten Faden spinnt.

Am Ende ist man nicht unbedingt schlauer - außer dass man jetzt weiß, wie es in Docs Leben so aussieht, und dass man ein bisschen Hippie-Feeling und das Stampfen des Surf-Rhythmus' aus der Lektüre mitnehmen kann (Pynchon, Jahrgang 1937, ist in puncto Summer of Love atmosphärisch, nostalgisch, aber er verklärt nicht). Und: Man darf sich prächtig amüsieren über verpeilte Aktionen, Schlagfertigkeit und das ganze Panoptikum schräger Gestalten. Nicht zuletzt erstaunt aber Docs unverbrüchlicher Idealismus.

Das wäre jetzt alles nicht sonderlich bemerkenswert - eben ein kurzweiliges, gekonnt geschriebenes Buch. Aber dieses Buch stammt aus der Feder von Thomas Pynchon!
Wer Pynchon einmal gelesen hat, weiß, wozu dieser Autor fähig ist: Sinfonien epischen Wahnsinns, garniert mit handfestem Witz. Burlesken und explizite Erotik im Wechselbad mit kristallener Sprache und existenzialistischer Sinnsuche. Alles zusammen galoppiert oder mäandert oder oszilliert oder suppt auf hohem Niveau und mit atemberaubender Kraft durch Handlungen, deren Dimensionen man nicht immer erfasst, und deren Zusammenhänge etwas Mystisches, oft Paranoides haben, indessen immer die Möglichkeit in sich bergen, gar nicht gegeben zu sein. Körperlich spürbare Spannung, zum Bersten, man könnte diese Bücher zerfleischen oder sich ihnen in einer Art sexuellen Selbstaufgabe völlig hingeben. Freunden solcher Literatur seien die Pynchon-Klassiker "Die Enden der Parabel" (Übersetzung von Elfriede Jelinek) oder "V." wärmstens ans Herz gelegt.

Und "Natürliche Mängel"? Auch hier hat Pynchon die Verschachtelung von Anekdoten, Geschichten und falschen Fährten in die Kriminalstory aufgenommen, nur füllt diese sich nicht wie sonst mit dem (mit Verlaub) Ejakulat intellektueller und sprachlicher Orgien, was manch eingefleischter Pynchon-Leser übel nimmt.
"Natürliche Mängel" ist mitnichten ein dichter, schwerer Brocken, im Gegenteil. Ein Mangel? Pynchon hat hier sein Talent im Zaum gehalten, man fragt sich, warum? Ein Pynchon quasi, der kein Pynchon ist.
Trotzdem - bzw. eben genau Pynchon-atypisch - ist das Buch entspannt, in einem Ritt zu lesen und letztendlich sehr amüsant, das sollte hier nicht untergehen. Vielleicht wollte Pynchon einmal zeigen, dass er auch einfach nur gekonnt unterhalten kann?

Natürliche Mängel
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Urgesteine leben länger 28. Januar 2011
Von Detlef Knut VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Wer lange Zeit keinen Detektivroman gelesen hat, der kann sich mit dem neuen Roman des medienscheuen Thomas Pynchon wieder an dieses Genre herantasten. "Natürliche Mängel", so der deutsche Titel für "Inherent Vice", führt zurück in das Kalifornien von 1970. Allerdings sollte der Leser keinen Detektiv a la Philipp Marlowe oder Mike Hammer erwarten. Larry "Doc" Sportello ist ein Detektiv Anfang Zwanzig und fest in der Hippie-Szene verankert. Er verschmäht den Stoff nicht und hat seinem Detektivbüro den vielsagenden Namen "Location, Survaillance, Detection" - kurz: LSD - gegeben. Nur den chronischen Geldmangel hat er gemein mit den anderen klassischen Romandetektiven. Deshalb ist ihm wie auch jenen jeder Auftrag recht. So nimmt er noch schnell den Auftrag zum Schuldeneintreiben an. Beim Leibwächter des in Los Angeles angesehensten Immobilienhais soll er das Geld beschaffen. Leichte Sache, denkt er sich, taucht jedoch bei seiner Arbeit in den neon-gelben Nebel eines Marihuana-Rauschs. Als er wieder wach wird, blickt er in das Gesicht seines Lieblingspolizisten. Der Schlamassel kann beginnen: neben ihm liegt der Leibwächter tot auf dem Boden, der Immobilienhai ist spurlos verschwunden, entführt. Sein Lieblingspolizist ist nicht gut auf Hippies zu sprechen.

Auf stets wechselnden Schauplätzen in L. A. und Las Vegas lässt Pynchon seinen Detektiv ermitteln, höchst ominöse Gestalten agieren in der Handlung und legen falsche Fährten sowohl für den Ermittler als auch für den Leser. Dazu gehören auch der Lieblingspolizist Bigfoot Bjornsen, der Stacheldraht sammeln sein Hobby nennt, Sportellos Anwalt, der hauptsächlich auf Donald Duck spezialisiert ist, ein Verbrechersyndikat mit dem chinesisch klingen Namen "Goldener Fang", Verbrecher wie Charles Manson und Richard Nixon.

Mit viel Humor und jede Menge kleiner Details lässt der Autor die frühen 1970er Jahre in Kalifornien im Kopf der Leser entstehen. Der Humor drückt sich in der Skurilität der Figuren und ihren Dialogen aus. Äußerst unterhaltsam ist das plötzliche Erscheinen von Sportellos Eltern vor seiner Wohnung, die er zusammen mit einem Kumpel bewohnt. Oder auch die folgende Szene:

"Doc stellte fest, dass er keine Zigaretten mehr hatte. Er legte den Hörer auf den Küchentisch und ging seine Stange Kools suchen, die sich nach längeren Nachforschungen im Gefrierfach fand, neben den Resten einer Pizza, deren Vorhandensein er vergessen hatte und deren Zutaten er trotz ihrer Buntheit nicht mehr alle identifizieren konnte. Da er trotzdem leichten Hunger verspürte, beschloss er, sich ein Sandwich mit Erdnussbutter und Mayonnaise zu schmieren, machte eine kalte Dose Burgie ausfindig und wollte schon ins andere Zimmer gehen, um den Fernseher einzuschalten, als er seltsame Geräusche hörte, die vom Telefon kamen, dessen Hörer offenbar abgenommen war ..."

Die vielen Details sorgen bei den Lesern, die die Zeit selbst miterlebt haben, für unerschöpfliche Möglichkeiten, den Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen. Neben Fernsehserien wie "Raumschiff Enterprise" wird mit viel Musik im West Coast Sound an die damalige Zeit erinnert. Die Beach Boys scheinen dem Leser unaufhörlich im Ohr zu klingen, schrille Neonreklamen laufen vor seinem geistigen Auge ab, auf jeder dritten Seite wird er zum Kiffen animiert.

Nicht zuletzt dank der gelungenen Übersetzung von Nikolaus Stingl bietet der Roman beste Unterhaltung auf hohem Niveau mit der Bedienung eines Genres in allen Details und Klischees, die von diesem Genre erwartet werden. Eine Zeitreise in eine vergangene, jedoch nicht zu ferne, Zeit, die von vielen Lesern auch mit verklärten Augen gesehen werden wird und die von den jüngeren Lesern zu einer Aufklärungsreise über ihre Eltern führen kann.
Und noch ein kleiner Tipp: auf YouTube oder bei Amazon kann der Videotrailer zum Roman angeschaut werden, der angeblich vom Autor selbst besprochen sein soll.
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