Im Rahmen seiner Arbeit für das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hat der Journalist Michael Sontheimer einige neue Informationen zur internen Struktur der RAF und zu einigen ihrer Anschläge, insbesondere zu dem Attentat auf Reneralbundesanwalt Buback, recherchiert. Diese Informationen sind sicherlich interessant, aber sie verändern nicht die bisherige Sichtweise auf den deutschen Terrorismus. Kurz gesagt, für einige Artikel reicht es aus, aber für ein Buch ist doch etwas wenig.
Doch leider konnte Sontheimer der Versuchung nicht widerstehen, sich an den allgemeinen Medienhype über die RAF, der durch den Film "Der Baader-Meinhof-Komplex- bzw. durch das Buch von Bubacks Sohn "Der zweite Tod meines Vaters" ensttanden ist, anzuhängen.
Und so enstand wohl dieses Buch: "Eine kurze Geschichte der RAF" heisst es im Untertitel. Das ist das was man positiv über das Buch sagen kann. Es ist tatsächlich kurz und informativ und damit eine gute Einführung für alle, die sich mit diesem Thema bislang noch nicht beschäftigt haben.
Aber in der Kürze liegt hier nicht die Würze: Sontheimer hechelt durch die Geschichte der RAF und bleibt bei der reinen Faktenbeschreibung stecken. Weitergehende Analysen und Betrachtungen fehlen. Und so liest sich das Buch wie eine ausgewalzte Spiegel-Serie und irgendwie hat man immer das Gefühl, als solche ist es auch geplant gewesen.
Nun ist eine solche Zweitverwertung von Arbeit ja legitim, aber letztlich zahlt der Leser hier einen deutlich zu hohen Preis für zu wenig neuen Inhalt.
Alles was in Sontheimers Buch steht, kann man in ausführlicher Form bereits gut in den Standdardwerken zur RAF von Aust (Baader-Meinhof-Komplex), Butz Peters (Tödlicher Irrtum) oder dem deutlich gelungeneren Buch von Willi Winkler (Geschichte der RAF) finden. Und diese Bücher sind nicht nur ausführlicher und besser geschrieben, sondern preislich auch noch deutlich günstiger zu haben.
Fazit: Das Buch ist nicht schlecht (deswegen noch die 3 Sterne), aber eigentlich überflüssig. Wer sich für die Geschichte der RAF interessiert und nicht direkt einen voluminösen 600-Seiten-Wälzer lesen will, für den ist es o.k., alle anderen sollten zu den genannten Standardwerken greifen.