Als JO-Fan verfolge ich seinen rasanten Aufstieg in den Promihimmel ebenso wie seine Kochkünste. Und wenn ich die ganze Vermarktungsmaschinerie sehe, wird mir fast schon unheimlich. In der Schweiz hat nun einer der beiden Markt beherrschenden Grossverteiler die Rechte an einer JO-Linie gekauft. Ein ganz normales Schneidebrett kostet mit dem JO-Stempel dann eben dreimal so viel. Doch es scheint so, dass es Jamie Oliver bisher einigermassen geschafft hat, trotz viel Ruhm und Geld normal zu bleiben. Möglich dass ihn vor dem Abheben auch die Rückkehr in sein Heimatdorf bewahrt hat. Und dort ist es auch passiert. Jamie wurde zum Gärtner, was laut Vorwort zu etlichen innerfamiliären Diskussionen führte. Grün war JO schon immer, jetzt ist er eben noch grüner. Wenn einer der bekanntesten Köche Bio-Produkte empfiehlt, finde ich das super. Vor allem bei einem Vorbild der jüngeren Generation.
Was gibts Neues an Rezepten? Eigentlich nichts wirklich Überraschendes. Die Küche von JO bleibt relativ einfach und schmackhaft. Schweinefleischliebhaber werden nach wie vor als Randgruppe behandelt, Seafood ist ein Dauerbrenner, Chili bleibt ein Lieblingsgewürz, Lamm und Wild kommen immer auf den Tisch. Die langen Aufenthalte im eigenen Gemüsegarten beeinflussten selbstverständlich auch die Menueauswahl. So viele Spargelrezepte fand ich noch in keinem JO-Buch. Da selbst viele Hobbyköche keine Ahnung mehr haben, was wann wo wächst, ordnet JO seine Rezepte nach Saisons und gibt Hintergrundinformationen, sogar weiterführende Links. Auch ein Beitrag zur Ökologie. Ob alle Rezepte die Gäste auch wirklich in Verzückung versetzen, kann ich nicht sagen. Kein Rezensent wird der Wahrheit zuliebe zuerst alles durchkochen, bevor er den PC startet. Immerhin sollten sich JO-Neulinge bewusst sein, dass dieser englische Koch Restspuren eines Chaotikers in sich trägt. Daher war ich nicht sonderlich erstaunt, dass er in einem Rezept eines früheren Buches vergass, das Innere eines Hähnchens zu salzen. Mitdenken also erlaubt. Ein Aufruf, dem der Verlag ebenso folgen könnte. Hat er doch im neuen Buch einfach den praktischen Bändel vergessen, der das schnelle Wiederfinden eines Rezepts erlaubt, wenn beim geschäftigen Tun das Buch zuklappen sollte. Andere Kochbücher haben sogar drei solche kleinen Hilfen. Aus ideologischen Gründen musste ich mich ohne Murren damit abfinden, dass die Druckqualität der schönen Bilder leidet, wenn man als grüner Koch auf Umweltpapier setzt. Ich werde es verkraften.
Mein Fazit: In die Diskussion, ob Jamie Oliver zu den Spitzenköchen gehört, möchte ich mich gar nicht einmischen. Mir ist er mit seiner Art einfach sympathisch und die meisten der bis heute ausprobierten Rezepte ergaben tolle Resultate. Wenn ich rundherum empfehle, wenigstens ein Buch von Jamie Oliver zu kaufen, hat dies auch mit der ökologischen Grundeinstellung von JO zu tun. Wer nicht bereit ist, für gute Lebensmittel etwas mehr auszugeben, soll weiterhin seine Fischstäbchen brutzeln lassen. Dafür braucht es kein Buch.