Eigentlich hätte der Song - Fighting The Law - auch - Fighting Against Bad Music - heißen können, denn die Neunziger waren ja generell kein gutes Jahrzehnt für die etablierten und großen Hardrock- und Heavy-Metal-Gruppen. Auch die Medien, allen voran MTV und später auch Viva, konzentrierten sich immer stärker auf Verfalltagsmusik und belanglosen Eintagsfliegenpop. Besonders die großen Bands hatten in diesem Jahrzehnt alle extreme Schwierigkeiten ihre Musik transparent rüberzubringen. Bei vielen war aber auch der kreative Tiefpunkt erreicht. Dennoch bildeten sich am Rande der kommerziellen Schiene eine Reihe hervorragender Gruppen oder auch Projekte, wie zum Phenomena und Brazen Abbot, bei denen mit Glenn Hughes, Joe Lynn Turner und Cozy Powel ehemalige und hochkarätige Musiker von Deep Purple und Black Sabbath mitwirkten. Obwohl diese Formationen in dieser Zeit exzellente Tonträger veröffentlichten, die sich wirklich rundum sehen lassen konnten, blieb der kommerzielle Erfolg weitestgehend aus. Der deutsche Vertreter, der zu diesem Zeitpunkt die Fahne des melodischen Hardrocks und Heavy Metals hochhielt, war der Bochumer Axel Rudi Pell, der nach der Auflösung seiner ersten Band - Steeler - 1989 diese neue Gruppe gründete, und seit dieser Zeit durch die Bank weg großartige Alben im Vier- bzw. Fünfsternenbereich veröffentlichte.
Nach dem sehr respektablen Debütalbum - Wild Obsession - von dem ich mir sehr gerne eine remasterte Version wünschen würde, weil die CD in ihrem bescheidenen und dünnen Klang noch sehr stark an die Anfangszeit der CD in Achtzigern erinnert, veröffentlicht der Ausnahmegitarrist knapp zwei Jahre später mit - Nasty Reputation - ein Album, das mich das erste Mal richtig aufhören ließ. Rob Rock, löste den auf dem Debütalbum gut, aber nicht für jeden überzeugend auftretenden Sänger Charlie Huhn ab, und Axel Rudi Pell verändert auch ein bisschen den musikalischen Sound. So präsentiert er auf - Nasty Reputation - nicht nur die gewohnten Blackmoreschen Gitarrensounds à la Deep Purple und Rainbow, sondern er spannt auch auf Titeln wie - Fighting The Law, Firewall - und - Unchain The Thunder - einen unmittelbaren Bogen zum "NWOBHM", da der neue Sänger Rob Rock an einigen Stellen doch sehr stark nach dem anderen Rob, nämlich dem großen Rob Halford von Judas Priest klingt.
Neben den straighten Rockern - I Will Survive, Wanted Man - sowie dem Titeltrack - Nasty Reputation - befindet sich mit - Land Of The Giants - auch ein phänomenaler Longtrack auf dem Album, der neben der exzellenten Melodievielfältigkeit auch mit einer Reihe von bärenstarken Soli zu überzeugen weiß. Das Deep-Purple-Cover - When A Blind Man Cries - kann sich ebenfalls mehr als sehen, oder besser gesagt hören lassen, so dass - Nasty Raputation - für mich unzweifelhaft eines der Fünfsternealben des Deutschen Blackmores ist.