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Dies ist eine bittersüße, nie wehleidige Abschiedsplatte nach persönlichen Tiefschlägen (Scheidung) und Joshs Wegzug aus der titelgebenden Country-Metropole nach zehn produktiven Jahren. Rouse, der zuletzt mit "Under the cold blue stars" und "1972" schon Singer/Songwriter-Perlen veröffentlicht hatte, gelangt auf dieser neuen Platte zu einer Tiefenwirkung, zu einer kompositorischen Meisterschaft wie nur wenige aus seiner Zunft.
Alles an diesem Album ist "klassisch": Die verschwommene Stadtansicht auf dem edel wirkenden Cover, die Unterteilung der Platte in eine A- und eine B-Seite, die Länge von knapp 40 Minuten ohne jedes Füllmaterial. Auch die Songs sind zeitlos im besten Sinn: niemals altbacken oder verschnarcht, sondern melodieselig, entspannt, kompakt auf den Punkt produziert (vom alten Rouse-Kumpel Brad Jones). Und die Leistungen der Musiker kann man nur als atemberaubend bezeichnen.
Die Krönung ist die melancholische, leicht gebrochene Stimme von Josh Rouse. Seit seinem Debüt Ende der 90er Jahre hat er als Sänger unglaubliche Fortschritte gemacht. Wer bei der rührenden Piano-/Streicher-Ballade "Sad Eyes", dem resignierten "My love has gone" oder vor allem "Streetlights" keinen Kloß im Hals hat, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Gerade "Streetlights", das sich vom akustischen Gitarren-Intro zu einem Wall of Sound entwicklelt, ist ein Glanzstück konzentrierten Songwritings und schon jetzt einer der besten Songs des Jahres.
Mit dem Britpop-Juwel "Winter in the Hamptons", dem von Wilco beeinflussten Opener "It's the Nighttime" oder dem Piano-Boogie "Why won't you tell me" sind aber auch klasse Uptempo-Songs auf "Nashville" zu finden. "Saturday" ist feinster Blue-Eyed-Soul auf den Spuren des Rouse-Idols Marvin Gaye, in "Middle school frown" blickt der Sänger auf seine Schulzeit zurück, als New Wave auch in die letzten Winkel Amerikas vordrang.
"Nashville" ist, dem Albumtitel zum Trotz, kein Country-Album. Zwar hört man hier und da eine typische Pedal-Steel-Gitarre, doch dies ist POP - groß geschrieben. Dies sind Songs, die zugleich intelligent und eingängig, nachdenklich und beschwingt sind. "Nashville" ist die Platte, mit der Josh Rouse endgültig in der ersten Liga angekommen ist. Und vielleicht jetzt schon das beste Album des Jahres 2005.
Weiterhören: Bright Eyes ("I'm wide awake..."/2005), Ron Sexsmith ("Retriever"/2004), Lampchop ("Aw You.../No you.."/2004), Ryan Adams ("Heartbreaker"/2000), Wilco ("Summerteeth"/1999), Jayhawks ("Sound of lies"/1997), Neil Young ("Harvest Moon"/1992), Al Stewart ("Time Passages"/1978), Paul Simon oder Jackson Browne (alles aus den 70ern).
Beim Thema Zeitlosigkeit kommt nun Josh Rouse mit "Nashville" ins Spiel. Diese makellose, tief berührende, zugleich traurig und glücklich machende Musik trägt alle Merkmale eines Klassikers, der auch in ferner Zukunft noch Wirkung zeigen wird.
Wie schon beim Erscheinen im Februar vermutet - "Nashville" ist das beste Album dieses sehr respektablen Jahrgangs geworden. Dutzende feiner Platten kamen seither an diesen Monolithen der Pop-Perfektion nicht mehr heran.
Schon der Opener "It's the nighttime" mit seinen perlenden Gitarren klingt wie ein verlorenes Juwel des amerikanischen 70er-Jahre-Songwriterpop - "retro" im besten Sinne. Andere Songs beziehen sich auf Britpop ("Winter in the Hamptons") oder auch Soul ("Saturday").
Die Balladen sind die feinsten, die man seit den großen Alben von Prefab Sprout in den 80er und 90er Jahren hören konnte. Das unfassbar schöne "Streetlights" etwa mit seinen ineinander verschlungenen Melodielinien von Piano, Streichern und (Pedal- Steel-)Gitarre - ein Jahrhundertsong. "My love has gone" - in Töne gegossene Melancholie nach dem Verlust eines schal gewordenen Gefühls. Oder am Schluss "Life" - bittersüße Lebensweisheiten eines Menschen, der Abschied nimmt.
Josh Rouse hat mit dieser (von Brad Jones wunderbar luftig und warm produzierten) Platte selbst Abschied genommen - von seiner Familie nach einer Ehescheidung, von seiner Wahlheimat Nashville, vom politisch zunehmend intoleranten Klima in den USA. Er ist nach Spanien gezogen, wo - wie überhaupt in Westeuropa - seine traditionelle, unspektakuläre, wertvolle Musik mehr geschätzt wird als in den Staaten.
Schon im Frühjahr 2006 erscheint übrigens Rouses nächste CD "Subtitulo". Bisher hat der Mittdreißiger es immer verstanden, sein vorheriges Werk nochmals zu übertreffen. Auf "Nashville" kann bestenfalls eine gleich gute Platte folgen. Denn besser geht's wirklich nicht mehr!
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