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Narzißmus und Macht: Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik
 
 
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Narzißmus und Macht: Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik [Gebundene Ausgabe]

Hans-Jürgen Wirth
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 439 Seiten
  • Verlag: Psychosozial-Verlag (29. Juli 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3898060446
  • ISBN-13: 978-3898060448
  • Größe und/oder Gewicht: 21,7 x 15,9 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Hans-Jürgen Wirth
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Selbstliebe der Machthaber
Psychoanalytisches zur Politik
Muss man sich Narziss als unglücklichen Menschen vorstellen? Man muss, sofern man sich an den griechischen Mythos hält. Die Liebe der anderen verschmähend, selbst die der Nymphe Echo, die doch zu einem Narziss gepasst hätte, verzehrt sich der schöne Jüngling hoffnungslos in Liebe zu seinem Spiegelbild. Doch Narziss ist, wie es scheint, kein Politiker. Und von den Politikern wiederum hört man nur selten, dass sie sich in hoffnungsloser Selbstliebe verzehrten. Selbst dann aber, wenn sie das täten, hätten sie zur Kompensation immer noch die Macht. Was sie freilich im Kampf um den Erwerb und die Erhaltung der Macht und durch sie erleben, welche Impulse sie mit ihr befriedigen – es sei denn, man glaubte mit Nietzsche an einen Willen zur Macht als primäres, nicht weiter bedingtes und motiviertes Triebziel –, das führt dann doch wieder öfters auf die narzisstische Selbstliebe zurück. Der Giessener Psychoanalytiker und Privatdozent Hans-Jürgen Wirth interpretiert in seiner erhellenden Untersuchung zur «Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik» Macht und Narzissmus als «siamesische Zwillinge». Allzu buchstäblich verstanden, geht die Metapher vielleicht etwas zu weit: Untrennbar, allenfalls um den Preis einer eingreifenden Operation, sind Macht und Narzissmus trotz ihrem engen Zusammenhang nicht. Der Narzissmus in der Politik geht auch andere Wege als die der Macht, wie die Macht sich zwar stets selber geniessen wird, aber nicht notwendigerweise in den Genuss libidinöser Zuwendung kommen will. Die sadistische und die narzisstische Ausübung von Macht können konkurrieren. Von demokratisch kontrollierten, auf eine Medienöffentlichkeit zugeschnittenen Verhältnissen, die die Macht zwingen, sich jedenfalls coram publico moderat zu geben, gegebenenfalls zu verbergen, wenn sie erhalten werden und der Narzissmus auf seine Rechnung kommen soll, sind ohnehin weniger klare Resultate zu erwarten. Aber diese obligaten Differenzierungen sind dem Autor sehr bewusst; in etlichen Fällen treibt er sie selber voran. Freuds noch allzu grobschlächtige Narzissmus-Konzepte etwa werden von ihm mit Nachdruck revidiert. Auch die methodischen Schwierigkeiten werden nicht verleugnet. Man muss nicht fürchten, die Politik werde hier trivialpsychoanalytisch «auf die Couch» gelegt. Das kann die recht verstandene Psychoanalyse, für die das therapeutische Bündnis mit dem – einsichtigen – Patienten unabdingbar ist, sowieso nicht. Trotzdem sind die Fallstudien, die Wirth auf Grund genauer Recherchen zur Barschel-Affäre, zu Helmut Kohl (mit zurückhaltendem Einbezug des Freitods von Hannelore Kohl), zur 68er Generation und zu Joschka Fischers stupenden Metamorphosen sowie zu Slobodan Milosevics Paranoia vorlegt, sehr ergiebig, besonders eindrucksvoll im Falle Uwe Barschels. Hier wird die seelische Störung im Junktim von Narzissmus und dem so bedingungs- wie skrupellosen Ringen um den Machterhalt bis zur Tragödie des Suizids deutlich. Latent suizidal kann freilich auch die scheinbar nicht irritierbare Selbstgewissheit sein. Und wie steht es gar mit der Macht und der narzisstischen Herrlichkeit bei den scheinbar Ungestörten, den manifest Normalen? Ein unabsehbar weites Feld.

Ludger Lütkehaus

Pressestimmen

»Mikroskopisch genau und mit solider politischer Psychologie untersucht er die Innenausstattung der Macht bis in die Zurichtung ihrer Agenten und die Affekte der von ihr Betroffenen hinein. Heraus kommt ein Meisterwerk politischer Psychoanalyse, in dem das Zeitalter des krankhaften Narzissmus (...) durch seine politischen Protagonisten verkörpert und verständlich wird. (...) Schließlich entpuppt sich sein Werk als Lehrbuch der politischen Psychologie, im besten Sinne kombiniert aus gut verständlichem Theorieteil und seiner praktischen Anwendung. Nach der Lektüre ist nicht nur der Nutzen der Psychoanalyse für die Politik offensichtlich, sondern für jeden, der von Politik betroffen ist, sich politikverdrossen gibt oder dafür hält.« ((Norbert Corpray in: Publik Forum))

»Hans-Jürgen Wirth hat die Plattform erreicht, auf der eine allgemeine Psychoanalyse der Politik errichtet werden kann. Der Schritt war unerlässlich.« (Paul Parin in: Die Wochenzeitung (WOZ))

»Wirth erreicht eine Anschaulichkeit, die man in der psychoanalytischen Literatur höchst selten findet.« (Martin Altmeyer in: die tageszeitung (taz))

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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk politischer Psychologie, 30. Januar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Narzißmus und Macht: Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik (Gebundene Ausgabe)
Meisterwerk politischer Psychoanalyse
Von der Zeitschrift »Publik Forum« zum Buch des Monats erklärt

Besprechung des Buches von Hans-Jürgen Wirth: Narzissmus und Macht. Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik. Giessen 2002 (Psychosozial-Verlag), 439 Seiten, 24.90 EUR.

Vor 25 Jahren erschütterten ein politischer Skandal und ein Selbstmord die westdeutsche Gesellschaft. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, war wegen Vorwürfen, mit infamen Methoden seinen Konkurrenten bei der Landtagswahl, Björn Engholm, attackiert zu haben, von seinem Amt zurückgetreten. Später hatte er sich bei dem vorgeblichen Versuch, sich zu rehabilitieren, in Genf in der Badewanne das Leben genommen. Selbst der Suizid wurde noch als Tat Dritter getarnt, um die Nachwelt über die eigene Person zu blenden.
Sechzehn Jahre demonstrierte Helmut Kohl selbstgefällige Machtfülle, die bis zur Selbstidentifikation mit dem Staat reichte und in korrupter Praxis endete. Wenig später stand die 68er Generation zur Debatte mit ihren angeblich bis heute unklaren Grenzziehungen gegenüber der Gewalt als Mittel in der Politik. Der Krieg im Kosovo lehrte nicht wenige 68er und ihre Gegner, wie schnell konkrete Umstände prinzipielle Positionen das Fürchten lehren können.
Vier Mal hält der Psychotherapeut Hans-Jürgen Wirth sein psychoanalytisches Brennglas über politische Szenarien der Zeitgeschichte, in denen »Narzissmuss und Macht« wie siamesische Zwillinge der modernen Gesellschaft sichtbar werden. Mikroskopisch genau und mit solider politischer Psychologie untersucht er die Innenausstattung der Macht bis in die Zurichtung ihrer Agenten und die Affekte der von ihr Betroffenen hinein.
Heraus kommt ein Meisterwerk politischer Psychoanalyse, in dem das Zeitalter des krankhaften Narzissmus (die Psychologie kennt auch einen gesunden Narzissmus) durch seine politischen Protagonisten verkörpert und verständlich wird. Barschel, Kohl, die 68er und Milosevic sind machtvolle Gestalter ihres Einflussbereiches, aber sie offenbaren zugleich die Unterwerfungs- und Schutzbedürfnisse der Beherrschten. Denn diese erst machen aus den Machtgierigen Mächtige. Wirth: »Dazu gehört auch die Verzahnung der individuellen Psychopathologie des einzelnen Politikers mit den politischen Strukturen, die er vorfindet.« Und weiter kann Wirth zeigen, dass »gesellschaftliche Macht gesucht wird, um innere Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Minderwertigkeit zu kompensieren. Macht übt deshalb gerade auf solche Personen eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus, die an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden. Ungezügelte Selbstbezogenheit, Sieger-Mentalität, Karriere-Besessenheit und Größenfantasien sind Eigenschaften, die der narzisstisch gestörten Persönlichkeit den Weg in die Schaltzentralen der Macht ebnen.« Die Analyse führt aber in die Irre, wenn eine kausale Kette korrumpierter und korrumpierender Macht einfach an den Mächtigen befestigt wird. Denn es ist das »weit verbreitete Pauschalurteil, alle Politiker seien entweder korrupt oder wahnsinnig, Ausdruck einer zynischen und zugleich selbstgerechten Haltung, die Fehler nur bei anderen wahrzunehmen bereit ist«. Insofern erkennen wir uns in den von Wirth vorgestellten Analysen selbst wie in einem Spiegel. Denn zu jedem narzisstisch Erkrankten gehören Komplementär-Narzissten, die ihm die Steigbügel halten: Reiner Pfeiffer und Freya Barschel, Hannelore Kohl und Wolfgang Schäuble, Mira Milosevic und die Serben. Das kann auch ein ganzes Volk sein.
Hier leistet politische Psychoanalyse nicht nur Aufklärung bis hin zur Selbstwahrnehmung, sondern fördert auch eine realitätsgerechtere, erwachsene Haltung gegenüber Politik und ein angemessenes aktives Verhalten.
Ehe Wirth ans konkrete Werk geht, vermittelt er sein analytisches Handwerkszeug, so dass die Leser in die Lage versetzt werden, ihm zu folgen und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen. Schließlich entpuppt sich sein Werk als Lehrbuch der politischen Psychologie, im besten Sinne kombiniert aus gut verständlichem Theorieteil und seiner praktischen Anwendung. Nach der Lektüre ist nicht nur der Nutzen der Psychoanalyse für die Politik offensichtlich, sondern für jeden, der von Politik betroffen ist, sich politikverdrossen gibt oder dafür hält.

NORBERT COPRAY, NR. 20 - 2002 - Publik-Forum

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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen eine wissenschaft mit voraussagewert, 25. Juni 2003
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Narzißmus und Macht: Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik (Gebundene Ausgabe)
obwohl 2002 erschienen, zu einem zeitpunkt also, an dem jürgen möllemanns selbstmord 2003 noch nicht tagesthema war, liefert das buch "NARZISSMUS und MACHT" auf seite 48 eine fotografie des fallschirm-springenden FDP-agitators. das tröstet, weil es an einen gewissen voraussagewert der psychologie als naturwissenschaft allmählich glauben lässt. über das "ausagieren privater neurosen der oberschicht" wird im begleittext sinniert, über gier nach macht und einfluss um jeden preis. gelangt der größenwahn nicht an sein ziel, begeht der enttäuschte narziss selbstmord - neben uwe barschel hätte der in bremen lehrende psychoanalytiker hans-jürgen wirth auch hitler, himmler, göring erwähnen können - oder noch weiter zurück: cleopatra, hannibal, nero. bestellte claqueure ermöglichen zumeist lange zeit eine ungestörte karriere eines machtgierigen. dem fall des jahres 2002 - slobodan milosevic vor der justiz in den haag - widmet wirth eine ausführliche analyse. die internationalen auffälligkeiten des jahres 2003, unter anderem sadam hussein (vielleicht auch george w. bush?) tauchen naturgemäß nicht auf - aber strukturell in der vor-analyse: die lenkbarkeit der nationalen massen, die danach gieren, sich mit einem skrupellos durchsetzungsfähigen führer zu identifizieren. viele völker haben die herrscher, die sie verdienen - und vergöttern. neben dem makrokosmos der nationalen und internationalen politik beäugt wirth auch den mikrokokosmos der paarbeziehungen: den selbstmord der hannelore kohl sieht er in zusammenhang stehen mit den machenschaften ihres ehemannes. überzeugendere ergebnisse hätte vielleicht die analyse der paarbeziehung margot und erich honecker geliefert - oder jene des schrecklichen ehepaares ceaucescu. seitlich dieser allseits bekannten namen gibt es natürlich auch das elend der lokalen herrscher und unterworfenen (oder sich unterwerfenden): jede sekte, viele ämter, institutionen, parteien, kleingruppen bieten ein unübersehbares beschreibungs-material an zwerg-herrschern und ihren sänften-trägern. nicht immer endet ihre entthronung spektakulär - die ENT-machtung von pathologischen narzissten gehört aber zum notwendigen gesundungsprozess von sozialen netzen. es wäre sehr zu wünschen, dass sich immer mehr menschen mit diesen so voraussagekräftigen ergebnissen und beschreibungen der psychoanalyse vertraut machten.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Bitte um Fortsetzung!!!!, 1. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Narzißmus und Macht: Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik (Gebundene Ausgabe)
Ein großartiges Buch - sowohl in psychologischer, als auch in gesellschaftspolitischer Hinsicht! Vor allem für Leser ab 40, welche sicher alle 4 Protagonisten aus ihren aktiven Zeiten noch gut in Erinnerung haben, dürfte das Werk ein faszinierendes Lesestück sein - bildend und unterhaltsam zugleich.

Lieber Herr Wirth, ich warte sehnsüchtig auf den Teil 2 mit neuen Studien zu weiteren Narzissten an der Spitze, die es ja zweifellos in der Weltpolitik seitdem schon wieder bis zur Genüge gab und gibt!
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